Hallo an alle,
nach einer halbjährigen Schreibpause, möchten wir mal wieder etwas von der Kohlenstoffkolbenfront berichten.
Zunächst einmal ein paar Dinge die wir grundlegend erfahren haben. Das Material ist sehr gut zu bearbeiten. Wir
haben drei Chargen von Kohlenstoff getestet. Je härter das Material wird um so spröder wird es auch. Also haben
wir erst mit dem Weicheren angefangen. Es wurden verschiedene Kolbenformen hergestellt. Angefangen vom Abbild eines 75,5er Skodakolben mit allen Ringen über dem Bolzen, bis hin zur Form mit einem Ring oben und dem Abstreifer unten. Dabei beschäftigten uns zwei wichtige Kriterien. Erstens die Ausdehnung des Zylinders und das "Nichtmitauseinandergehens" des Kolbens und was schwerwiegender, war die niedrige Kolbenposition bei den 84er Wellen mit kurzem Pleul. Zur Welle gleich mehr.
Der Sportzylinder wird von uns für die größeren Bohrungen neu gebuchst und gehont. Die neue Buchse besteht aus einem elastischeren Material wie die Tourenzylinder mit Buchse. Somit haben wir die Laufbuchsen im unteren Bereich, also unterm Rippenkörper, mit einer Wandungsstärke gedreht, die es erlaubte, nicht allzuviel aus dem Block spindeln zu müssen und trotzdem noch genügend Stabilität zu haben. Die Skodakolben laufen damit auch ohne Probleme. Leider ist das beim Kohlenstoff nicht so. Da dieses Material härter und kaum elastisch ist, verformen die seitlichen Drücke die Buchse im untersten Bereich. Das erzeugt nach einer gewissen Zeit Laufgeräusche im Zylinder. Ebenso trägt die Maßhaltigkeit der Kolbenform dazu bei. Wir haben mit einem Laufspiel, nach Herstellerangaben, von 2/100el versucht anzufangen. Jeder der schon mal an der Drehbank stand weiß, wie schnell es geht und man hat sich um ein 10tel verhauen... und das mit einem Werkstoff der vorher noch nicht in den Händen war. Ihr könnt Euch sicher vorstellen, wie die ersten Versuchsmuster aussahen... Danke an dieser Stelle dem Hersteller des Produktes, der uns gut mit Probemuster versorgt hat und das auch noch tut.
Jeder Kolben den wir gefertigt haben ist gelaufen, mal besser mal schlechter. Aber wir haben aus jedem Versuch gelernt. So ging das mit allen drei Härtgraden, wobei wir den mittleren Grad bevorzugen.
Jetzt haben wir eine geeignete Kolbenform, ein passendes Einbauspiel, und auch die Laufbuchsenstärke ist definiert. Ergo, die Kolben können für Touren- und Sportzylinder gefertigt werden. Zur Zeit sind wir in der Preisverhandlung, bzw Kalkulation. Außerdem bekommen wir in den nächsten Wochen ein weiteres Versuchsmuster mit dem Aluinfiltriertem Kohlenstoff, der uns hoffentlich eine noch langere Lebensdauer der Komponenten erbringen wird. Lieferbar mit Preis wird der Ende Oktober sein.
Nun noch etwas zu den Kurzpleulwellen. Durch das kürzere Pleul ist die Kolbenposition nach unten versetzt. Der Kolben soll nicht zu stark über den Bund laufen, aber trotzdem in Zusammenhang mit der Bohrung einen höheren Hubraum erbringen. Und so wird der sehr weit in Richtung UT gezogen. In der Mittelstellung zwischen OT und UT steht das Pleul sehr stark schräg und überträgt starke Seitenkräfte über den Kolben auf die Laufbuchse. Da der Kolben in dieser Position aber gerade in den Rippenkörper bzw aus diesem fährt, verformt sich langsam, aber stetig die Buchse. Auch die thermische Situation trägt ihr Übriges dazu bei. Diskussionen über ein vernünftiges Verhältnis zwischen Pleullänge und Hub gab es schon in der vergangenen Zeit reichlich.
Fakt ist, diese Wellen laufen in den verschiedensten Motoren und sind sehr gut gemacht. Leider ist die Kombination mit den Skodakolben nicht ideal. Besonders bei den Tourenzylindern gab und gibt es immer wieder Ärger. Die Kolben sind für wassergekühlte Motoren vorgesehen und daher nur bedingt für den AWO- Motor geeignet. sicher, zu DDR- Zeiten war das ne gute Alternative, doch jetzt, glauben wir, gibt es was Besseres. Wir haben gemerkt, das es die Kolben in verschiedenen Qualitätsstufen gibt. Mal gehen die Kolben zu sehr auseinander und klemmen, mal brechen sie. Außerdem kann an der Form und am Gewicht der Kolben nur bedingt etwas geändert werden.
Also haben wir eine Alternative gesucht und gefunden. Auch die Zylinderbohrungen auf 72mm im Tourenzylinder ist in Verbindung mit der 84er Welle grenzwertig. Viele versuche haben gezeigt, das sich die Buchsen im unteren Bereich (wie oben beschrieben) verformen, orval werden und teilweise auch brechen. Deshalb werden von uns gebaute Zylinder mit 70mm und mehr nur noch gebuchst und mit einer stärkeren Wandung ausgeliefert. Diese Bruchneigung bei den dünnen Zylindern zeigte sich gerade in Verbindung mit den Kohlenstoff-kolben. Sieht nicht schön aus, so`n geplatzter Motor...

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Im Moment laufen bei uns zwei Motoren mit unserem neuen Konzept zur Zufriedenheit, schön leise und mit richtig Dampf. Mal sehen, was der Langzeittest bringt. Außerdem versuchen wir uns gerade an einem Käfermotor mit größerer Bohrung und Kohlenstoffkolben. Aber das ist ne andere Abteilung.
Wir hoffen, Ihr habt jetzt etwas mehr Information bekommen.
Ein schönes Restwochenende... Gruß der Uwe und die Ziege