Das muss man FETT unterstreichen und ich möchte mal etwas näher darauf eingehen und mich dabei so kurz wie möglich fassen.Edeltuning hat geschrieben: Mi 27. Mär 2019, 14:36 Ohne Angaben über den Schwimmerstand, Düsennadel, HD, Kerzenfarbe-Wärmewert, Falschluft, kann keiner eine Prognose abgeben.
Der Originalzustand am Motor ist der beste Kompromiss für eine einwandfreie Fuktion.
Dazu gehört eine intakte Mechanik, eine exakt eingestellte und funktionierende Zündung und ein zum Typ passender und exakt voreingestellter Vergaser mit seinem Luftfiltersystem. Für dieses Thema hier klammere ich jetzt mal die Mechanik und die Zündung aus und setzte deren Funktion voraus. Vorrausgeschickt sei auch, dass Vergaser und Luftfilter eine Funktionseinheit bilden - das heißt - sie beeinflussen sich in der Funktion. Über den Vergaser soll ein zündfähiges Kraftstoff-Luft-Gemisch bereitgestellt werden.
Wie sieht ein solches Gemisch aus?
Es geht um die Anteile an Kraftstoff und die Anteile an Luft. Der Fachmann spricht hier von Lamda 1 für ein zündfähiges Gemisch. Daraus folgt: Lamda < 1 = mager (zu viel Luftanteile) / Lamda > 1 (zu viel Kraftstoffanteile und der Funke "ersäuft").
Auskunft über das, was im Motor an dieser Stelle los ist gibt uns das Kerzengesicht.
Sehr hell bis weiß = zu mager - Motor wird überhitzt.
Sehr dunkel bis schwarz = zu fett - Motor wird zuätzlich belastet und gibt zu wenig Leistung ab, bei hohem Kraftstoffverbrauch.
In dem hier geschilderten Fall bei schwarzer Kerze, haben wir also ein zu fettes Gemisch.
Ursache kann ein total verschmutztes Luftfilter sein - wäre durch Reinigung bzw. Ersatz schnell erledigt.
Beim Vergaser muss man nun aber genauer hinschauen. Der erste Punkt ist das Niveau des Kraftstoffs im Schwimmergehäuse. Steht der Kraftstoff zu hoch = zu fettes Gemisch = Kerze schwarz.
Beim BVF 25,5 KN 2-1 sollte das Kraftstoffniveau 28 + 1 mm unterhalb der Schwimmergehäuseoberkante (kein Deckel und keine Dichtung) stehen. Der Schwimmer selbst muss dabei dicht, also nicht abgesoffen sein. Dieses Kraftstoffniveau ist die Grundvoraussetzung für alle weiteren Schritte, die am Vergaser zu betrachten wären. Da wir oben gesagt haben, dass wir einen Origalzustand haben, setze ich nun auch voraus, dass Leerlaufdüse, Gemischregulierungsschraube, Teillastnadel, Nadeldüse und Hauptdüse dem entsprechen und an der richtigen Position sind. Der Schieber (rund oder Flach) sollte nur ca. 1/8 für den Leerlauf geöffnet sein. Die Gemischregulierungsschraube ist in Abhängigkeit von deren Kegel ca. 1,5 bzw. 2,5 Umdrehungen offen. Damit haben wird eine Ausgangseinstellung vorgenommen.
Was passiert nun beim Starten des Motors?
Der Motor ist kalt und daher schlagen sich Teile des Kraftstoffes am Ansaugkanal als Kondensat nieder. Damit wird aber das im Verbrennungsraum ankommende Gemisch zu mager. Der Motor springt nicht an oder geht sofort wieder aus. Wir brauchen ein fetteres Gemisch. Bei unseren alten Maschinen haben wir dafür zwei Möglichkeiten. Einmal die Betätigung des Tippers am Schwimmergehäuse, so dass das Kraftstoffniveau angehoben wird. Bei der Touren können wir noch das Luftfilter über einen Schieber schließen, so dass einfach weniger Luft angesaugt werden kann (Lamda > 1).
Der Motor sollte so nun gut anspringen, ohne das dabei der Gasdrehgriff aufgerissen wird!
Mit zunehmender Betriebstemperatur muss dann aber der Schieber am Luftfilter wieder geöffnet werden, damit wir kein zu fettes Gemisch fahren. Das Kraftstoffniveau im Schwimmergehäuse reguliert sich mit dem Motorlauf selbst. Angemerkt sei hier, dass modernere Vergaser einen separaten Startvergaser (Shock) integriert haben, der im Grunde nichts anderes macht, als wir mit Luftfilter und Überflutung des Vergasers.
Ist das alles zur Zufriedenheit gelaufen muss die Maschine warmgefahren werden. Erst danach kann die Feineinstellung an der Leerlauf-Gemisch-Regulierungsschraube und am Standgas vorgenommen werden. In aller Regel sind die Veränderungen daran sehr gering für einen gleichmäßigen guten Leerlauf, der dann auch ein einwandfreies Anspringen - kalt wie warm - gewährleistet.
Es versteht sich von selbst, dass ein warmer Motor all die Handlungen zum übersättigen des Gemisches (Lamda > 1) nicht braucht. Also nur Bezinhahn auf, Zündung an und antreten ohne am Gasdrehgriff rumzudrehen.
Alles klar?
Los gehts!
Viel Spasß
Norbert

