hallo leute. dank diesem scheisendreckmistkackunsereerntewegspülwetter hab ich wieder zeit gehabt etwas weiter zu schreiben. wenn die ernte weiter so den bach runter geht, dann werde ich doch noch durchs land tingeln und meine erlebnisse feil bieten :-/ . sei´s drum: hier habt ihr wieder bissl stoff zum schmökern und sorry daß es so langsam geht.
Tag 6
04.06.12 (194km) Start 7:00 Grotli, Djupvasshytta, Geiranger, Trollstigen, Andalsnes, Vistdal
Ich wache gegen 4:30 auf und fühle mich unerwarteterweise schön ausgeschlafen. 1°C zeigt das Thermometer an. Es ist grau, still und friedlich hier. Nachts gab es seltsame Geräusche rund um das Zelt, denke irgendwelche „ Viecher „. Das Frühstück schmeckt , wie wahrscheinlich immer an der frischen Luft und selbst wenns nichts besonderes ist besonders gut. Mein allmorgendliches Highlight ist der heiße IM NU ( Muggefugg ) mit bisschen Zucker und Kaffeeweißer. Danach packe ich in aller Ruhe zusammen, räume mein bisschen Müll weg und starte in den Tag. Die Wolken hängen wie Seidentücher um die Berge. Auch hier bei 1 bis 3°C ist mir komischerweise nicht kalt. Liegt vielleicht an meiner Vorfreude, wer weiß. Dann das Schild : Geiranger; Trollstigen rechts rum. Meinen Weg begleiten 2 bis 4m hohe gefräste Schneewände. Der See ( Djupvatnet ) ist zugefroren und mit Schnee bedeckt, so daß man nur ahnen kann wo er ist. An der noch geschlossenen Djupvasshytta biege ich Richtung Dalsnibba ab. Mautstation! Ich zahle und fahre flux durch, damit die Schranke es sich nicht wieder anders überlegt. „Diesen Aussichtspunkt sollte man immer mitnehmen!“, höre ich noch so manche Stimme mit Begeisterung erzählen. Aber auch hier zeigt mir der Schnee meine Grenzen. Fast eingeklemmt zwischen gefrästen Wänden fahre ich vielleicht bis zur Hälfte um zu erkennen, hier geht’s für mich nicht weiter. 20 m weiter hinter der nächsten Kurve STEHT eine riesige Schneefräse. Ich kehre um und weiter geht’s hinein in einen Waschkessel aus Wolken, Nebel, und Schneeflocken. Hoffentlich fahre ich nicht an Geiranger vorbei, ohne es zu sehen ! Nach einigen rasch aus dem Nebel auftauchenden und sehr engen Kurven stoßen wir durch die Wolkendecke, die das Tal überspannt und... AHA... jetzt wird mir klar, warum alle hier hin wollen. Der Blick ist wirklich grandios, genauso wie die Straße, die ins Tal führt. Jetzt kommt auch die Sonne raus und spielt mit den Wolken, die sich um die Bergspitzen tummeln. Es wird immer grüner und man meint vom Winter binnen einer halben Stunde in den schönsten Frühlingstag zu fahren. Das ist viel Input , den ich erstmal verarbeiten muß. An einem Aussichtspunkt mache ich Halt und genieße. Ruhe, Fjord, Berge, Sonne , AWO und ich hier nach ca 2700 km, Solche Bilder gehen wahrscheinlich auch nicht mehr aus dem Kopf, jedenfalls hoffe ich, daß sie lange dort bleiben.
Wieter abwärts führt die Straße ins schicke Örtchen Geiranger. Im Souvenirshop kaufe ich 3 Ansichtskarten und schreibe gleich an Tine, Kati und v. Jagemanns . In einem anderen Einkaufsladen bekomme ich eine Norwegische SIM- Karte fürs Handtelefon und von einer sehr netten Verkäuferin bis ins Detail erklärt was ich zu tun habe, damits funktioniert. Nach 2h ist der Kontakt zur Außenwelt wieder hergestellt. Ich gönne mir ein Eis und einen Ananas-Kokos-Smoothie und sitze bei Sonne am spiegelglatten Geirangerfjord. Noch ist hier bis auf ein paar einzelne Wohnmobile und einen Japanischen Touristenbus nichts los, ich denke aber, das wird sich in den nächsten Tagen ändern. Zwischen Fjord und Fels eingeklemmt schlängelt sich die Strasse. Kein Schiff ? Doch da kommt ein „großer Weißer“ um die Kurve und ich halte an um zu schauen. Ein Päärchen aus Chemnitz steht mit Kamera bereit zum Knipsen und freut sich über „ne AWO am Geiranger“.
Da klappts doch noch mit dem Ozeanriesen. Nach einer halben Stunde nähert sich bereits der tweite große Pott. Ich sehe noch ein bisschen zu, wie die beiden umeinander herum „tanzen“. Bei dem heutigen Wetter ohne Wind allerdings ein Schauspiel mit bitterem Beigeschmack … in der Luft , wegen der Abgase. Weiter geht’s Richtung Trollstigen im 2. Gang die Serpentinen hinauf . Auf halbem Wege den Berg hinauf halte ich doch nochmal an. Ein weiterer Aussichtspunkt mit einem grandiosen Panoramablick auf Geiranger und den Fjord. Den Norddalsfjord mit seinem schwarzblauen Wasser und der kalten, extrem sauberen Luft überqueren wir via Fähre. Es folgen liebliche Täler mit auffallend üppigem Grün. Hier werden sogar Wiesen bewässert. Im Valldalen staune ich über große Erdbeerfelder und blühend Apfelbäume . Auch hier sind die umzingelnden Bergspitzen schneebedeckt. Ich lasse mir an der nächsten Tanke erklären, daß die Norweger IHRE norwegischen Erdbeeren trotz des schwindelerregenden Preises wegen des vorzüglichen Geschmacks immer den „anderen“ vorziehen.
Trollstigen: Ein wahrer Augenöffner! Als ich am Abgrund stehe bin ich plötzlich froh, runter fahren zu dürfen. Das kann man gar nicht so beschreiben. 1000 m Höhenunterschied! Ich überwinde meine Höhenangst und mache mich auf den Weg an einem … äh … künstlerisch gestalteten Gebäude mit Wasserspiel und ohne Funktion, bei dem sogar „kunstgewohnten“Norweger fragend stehen bleiben vorbei zu dieser verrückten Aussichtsplattform. Vor mir eine Familie mit einem Vati der deas selbe Problem zu haben scheint , wie ich und ein Biker mit Bierkuttel und in voller Montur. Die Sonne meint es gut und Gedanken kommen hoch, warum man den Kosmonautenanzug nicht abgelegt hat. Opfer müßen sein. Vor uns versperrt eine Schneewehe den Weg und läßt noch 30cm Platz zu Geländer und Abgrund. Für mein Voraus ist hier Schluß. Er kehrt dampfend um. Zu eng. Ich zwänge mich durch und hänge mich an die deutsche Familie. Ein Blick von ihm und ein Wort von mir und es wird klar, ich hab richtig getippt. Der Aussichtspunkt führt geschätzte 10m über den Abgrund. Es erwartet uns eine super sauber und annähernd unsichtbar geputzte Glasreling, durch die man alles schön sieht. Ich ziehe die Betonwand mit Sitznieschen vor. An der „herausragendsten“ Stelle macht eine Mädchengruppe für mich gewagt aussehende Bilder. Ich denke noch hoffenlich fällt keine runter... Shit … entfährt es mir laut, als ich merke, ich stehe unverhofft auf einer Art großen Grillrost das freilich die gähnende Leere unter mir frei gibt. Klar bin ich bei den Kids der Lacher. Also „trolle“ ich mich von dort um die Fahrt ins Tal zu wagen. Janz schön steil !!! Krass; hier schinden sich auch Fahrradfahrer hoch. Ich grüße jeden oder winke ! Das ist das mindeste an Respekt was man den Leuten entgegenbringen sollte. Man ist schier Kurven – und Gefällegesättigt wenn man unten ist und als die Serpentinen wieder in normale Straße übergehen, ist fast Stille um mich rum. Nach ein paar mal schlucken hat sich der Druck in den Ohren ausgeglichen und die „Akustik“ stimmt wieder. Gut, daß ich an diesem recht warmen Tag bei um die 15°C dieses Monument nicht in entgegengesetzter Richtung zu bewältigen hatte. Die nächste größere Stadt auf meinem Weg ist Andalsnes am Romsdalsfjord. Dort hole ich mir im KIWI – Markt Fishermans Friend „Mint“ einen Mango – Smoothie einen Apfel ( Die sind so teuer, daß man sie lieber nur einzeln nimmt. Dafür genieße ich ihn um so mehr. Man kann sich auch ne halbe Gurke einpacken lassen, ohne komisch angeschaut zu werden.) Ich möchte mit der Fähre noch nach Molde übersetzen. Als ich nahe Afarnes zum Anlegesteg komme, machen die gerade die Klappe zu und fahren mir vor der Nase weg. Zeit, zum verschnaufen. „Mensch, das gibt’s doch nicht, ne Awo , wie ich eine hatte.“ höre ich jemanden rufen. Andreas , ein deutscher Busfahrer aus dem brandenburischen der hier lebt und arbeitet, kommt freudestrahlend auf mich zu und kanns gar nicht fassen. „Ich hab im Bus gesessen und im Rückspiegel diese gelbe 6 Volt – Funzel gesehen und gleich gedacht, das kann nur ne alte DDR – Kiste sein.“ Da er Linienbus fährt und auch auf die nächste ankommende Fähre wartet, um die Leute die mitkommen auf die Dörfer zu verteilen, haben wir schön Zeit um zum erzählen. Eh ich michs versehe, bin ich zu ihm heim eingeladen. Er gibt gleich fernmündlich seinem Sohn zu Hause die Anweisung, in der Hütte den Boiler anzumachen, damit ich dann warmes Wasser zum duschen hab. Ich bin komplett platt. Mal sehen, wann ich mal was von soviel Gastfreundschaft zurück geben kann. Wir machen aus, daß ich ihm folge und dort anhalte, wo er Conny, seine Frau, aussteigen läßt. Es folgt eine für mich recht rasante, für norwegische Busfahrer aber völlig normale Fahrt am Langfjorg entlang. Da fahre ich das erste und einzige Mal 80 km/h mit dem Beiwagenkardan. Unterwegs ein kurzer Stop. Er hat vergessen, ein Päckchen bei einer Butykk ( Laden ) abzugeben. Da mit Bus umdrehen schwierig ist, übernehme ich die Botenfahrt und gebe es ab. Zuhause angekommen lade ich ab, Conny zeigt mir die schöne, gemütliche, alte Hütte und geht dann Rasen mähen. Als ich zum Fenster raus gucke, wird mir klar, daß ich erneut an einem wunderschönen Flecken Erde rasten darf. Sie habens echt schön hier in Vistdal. Heut steht noch folgendes an: mit dem Trekker ( Fordson Dexta ) einen Bulli mit Hänger den Berg hoch schleppen , der tägliche Service an der AWO (Kerze, Vergaser, Magnet, Ventile, Radlager, Öl ), ein längeres nettes Gespräch mit Rene´ mit wieder jeder Menge Tips, und ein Besuch von Andreas Bootsstegbaustelle. Seine Kids sind klasse. Der Sohn hat Soljanka gemacht und die Tochter begeistert mich mit der wohl besten Mischung aus typisch brandenburgischem Slang und perfektem norwegisch. Nach dem Essen geht’s in die Hytta. Noch ein sehr liebes Telefonat mit Anja und die Augen fallen zu. Manchmal hab ich echt zu tun mein Tagebuch zu schreiben, weil es mich so sehr in die Waagerechte zieht.
Technisches:
Kardan fängt leicht an, zu schwitzen … ein kleiner Lappen um die Ablassschraube hält bis nach Hause
weil ich dauernd irgendwas mit Öl hab, bin ich bei Rene´ unter „Ölbernde“ abgespeichert

Ventilspiel kontrolliert … leicht nachgestellt
Radlager geprüft … kein Spiel
dirty old men need love too. - burt munro 1899-1978 -
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