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Re: Custom in der DDR
Verfasst: Di 1. Feb 2022, 09:54
von Matthias-Aw
Die hier gab so 87 in größerer Stückzahl, ich glaube über Leute aus Leipzig. Anknicken Halter und Verchromen habe ich selbst gemacht, soweit ging der Service nicht.
Re: Custom in der DDR
Verfasst: Di 1. Feb 2022, 11:03
von Südschwede62
Altmerker hat geschrieben: Di 1. Feb 2022, 08:23
Das heißt, die Hosketüten wurden nicht in nur einer Firma gebaut sondern ihr habt die Teile quasi nach "Bildvorlage" selbst entworfen und gefertigt! Das ist sehr interessant! Das erklärt die unterschiedlichen Ausführungen!
Ja,klar.
Wohl zu 99%
Wenn überhaupt,hatte man die Vorlage von einem verschwommenen SW-Foto
aus den frühen 80ern vom Campingplatz am Balaton oder aus ner abgegrabbelten
"Das Motorrad"aus den 70ern,welche die Oma mal mit rübergebracht hatte.
Ich hatte 1980 bereits so eine "made in GDR HOSKE" Doppelflöte zu liegen, da hatte ich noch nicht einmal ein brauchbares Getriebe für mein erstes richtiges Motorrad.(eine Sport AWO).
In unserem VEB gab es auch eine Bauschlosserei/Spenglerei.
Ein derzeit weit über 60 jähriger Kollege und früherer (Metall) Bootsbauer hat mir nach dem besagten Foto mit einer Engelsgeduld diese Doppelflöte aus 0,5er Schwarzblech herausgedengelt.Also zwei zusammengeschweißt mit Endstücken zum verschrauben.
Ich musste Ihn dafür nur mit bestimmten Zigarren (SPRACHLOS) und Korn (NORDHAUSEN)versorgen.
Als mir dann zum Saisonstart noch der Krümmer fehlte, hat er mir den dann auch noch gleich aus einem VA Rohr aus ner Molkerei zurechtgebogen.
Das Ergebnis?

.
Die Strafzettel vom "Blockwart"und 2 Vorladungen beim VPKA Nbg.wegen Störung der Nachtruhe hab ich noch irgendwo.
Als ich die Sport dann später verkaufte

habe ich die Flöte natürlich
weggeschraubt.
An der "neuen" TS 250/1 sollte diese für guten Ton und Optik sorgen.
Das hat dafür auch funktioniert.Also Sound und geile Optik.
Leider war ich dann beim Sprint wegen des fehlenden Staudruckes immer hinten.
Das sind aber andere Story`s aus einer längst vergangenen Zeit...............
Ne schöne unfallfreie Saison wünscht Euch allen:
Der Südschwede

Re: Custom in der DDR
Verfasst: Di 1. Feb 2022, 11:06
von Jens425S
Ich kenne den Auspuff nicht.
Aber die Vermutung liegt sehr nahe, dass das ein Eigenbau ist. Die Falzkante unten, legt den Verdacht nahe.
Schlecht muss der deshalb aber nicht sein.
Die Kante stört höchstens optisch.
Was mich eher stören würde, ist der Auslassdurchmesser.
Der scheint mir sehr eng!
Ich habe einige "Auspuff-Experimente" gemacht, bis ich einen optimalen gefunden habe.
Der an meiner AWO verbaute, als ich sie gekauft habe, hatte nur ca. 25mm Endrohr-Durchmesser und einen viel zu geringen Durchsatz, am Prallblech. Was zu erheblichem Rückstau und einem ordentlich blau gefärbten Auspuff geführt hat. Ich habe nach und nach mehr Löcher gebohrt, um festzustellen, was meinem (330cm³) Motor am besten bekommt.
Der Motor, auch das Auslassventil haben es überlebt.
Jetzt ist ein ordentlicher (45mm Durchmesser) verbaut.
Die gibt es im Zubehör, z.B. bei AWO-Oldtimer.
Seither kein blauer Auspuff mehr und deutlich besseres Drehmoment. Und wir sind inzwischen einige Tausend Kilometer gefahren.
Re: Custom in der DDR
Verfasst: Di 1. Feb 2022, 17:09
von OBS
Auf jeden Fall.
Der Deckel hinten ist stumpf aufgeschweißt.
Vorn wurde eine Abwicklung gefertigt um den Winkel zum Krümmerrohr zu bekommen und der Falz unten sollte auch an keiner originalen Tüte dran sein.
Re: Custom in der DDR
Verfasst: Di 1. Feb 2022, 19:38
von Bausoldat
Ich kenne den Auspuff nicht.
Aber die Vermutung liegt sehr nahe, dass das ein Eigenbau ist. Die Falzkante unten, legt den Verdacht nahe.
Auf jeden Fall.
Der Deckel hinten ist stumpf aufgeschweißt.
Vorn wurde eine Abwicklung gefertigt um den Winkel zum Krümmerrohr zu bekommen und der Falz unten sollte auch an keiner originalen Tüte dran sein.
Thomas und Jens....ich glaub' ihr habt das Thema gerade nicht verstanden. Es geht hier um "Custom in der DDR" Die Ersatzteilproduktion lief 10 Jahre nach Produktionstopp aus.....Es gab aber findige Handwerker die spezielle Ideen umgesetzt haben und sich das bezahlen lassen haben. Im Handel waren aber solche Teile offiziell nicht zu haben......
An die Doppel-Hosketüten kann ich mich auch noch gut erinnern.
das musste ich dann unbedingt gleich nachbauen:
Wie schon erwähnt, waren Crossumbauten in einigen Regionen auch sehr gefragt:

Re: Custom in der DDR
Verfasst: Di 1. Feb 2022, 20:09
von Altmerker
Dank Bausoldat
Tatsächlich ist das Thema extrem umfangreich und man kann sich schnell verzetteln und vom Weg abkommen. Dennoch sind alle Beiträge sehr interessant!
Erstes Fazit ist, bis auf die Mücke-Lenker waren die meisten Teile handmade in der eigenen Garage, Werkstatt, Betrieb ect!
In Salzwedel gab es die Pumpenfabriek mit Gießerei und Dreherei. Da soll einiges gefertigt wurden sein für AWO. Ich weiß von großen Ölwannen und Drehzahlmesseranschlüssen!
Also war doch einiges los gewesen mit "Custom" in meiner Stadt!
Re: Custom in der DDR
Verfasst: Mi 2. Feb 2022, 06:02
von Jens425S
johnmanfred hat geschrieben: Di 1. Feb 2022, 09:11
Kann jemand was zu dem Auspuff an meiner Ruine sagen? Ist das auch so ein Eigenbau?
Hast ja Recht,
aber wir haben einfach die (Zwischen-) Frage von johnmanfred beantwortet.
Re: Custom in der DDR
Verfasst: Mi 2. Feb 2022, 07:40
von Matthias-Aw
Also, die Leipziger hatten vermutlich auch in VEB Betrieben fertigen lassen. Ich hab zwar keine Idee wie sowas funktioniert hat, aber es wurden Bestellungen z.B. für Ventile und Sitzrunge gesammelt die dann irgendwann mal da waren und dann verteilt wurden. Das müssen sicher an die 1000er Stückzahlen gewesen sein, was wohl nich unter der Hand möglich war... Privat initiierte Nachfertigungen hat es also in Ausnahmefällen gegeben.
Re: Custom in der DDR
Verfasst: Mi 2. Feb 2022, 09:25
von Krabat
Matthias-Aw hat geschrieben: Mi 2. Feb 2022, 07:40
Das müssen sicher an die 1000er Stückzahlen gewesen sein, was wohl nich unter der Hand möglich war... Privat initiierte Nachfertigungen hat es also in Ausnahmefällen gegeben.

Die 2. Wirtschaftskraft war damals kreativer und effizienter.
Ja, ist heute kaum noch -selbst für mich Alten- nachvollziehbar.

Re: Custom in der DDR
Verfasst: Mi 2. Feb 2022, 10:46
von speedvogt
Hallo Matthias,
Ich bin ja auch Leipziger und bis 89 vor Ort gewesen,
Bis auf den AWO Service der da noch nicht so ein großes Angebot hatte, war der Zugang zu der hier genannten Szene sehr begrenzt.
Die meisten haben ihre privaten Kontakte bzw. eigenen handwerklichen Fähigkeiten genutzt.
Gruß Micha