Tag 18
16.06.12 (337km) Start 6:30 Husum, Sundsvall, Gnarp, Gränsfors, Bergsjö, Jättendal, Hudiksvall, Enanger
Nach einer gut durchschlafenen Nacht gehts am Morgen wieder wie gewohnt und schon fast routiniert los. Packen, in Ruhe essen, Zündung an und lostuckern. Der Schlüssel verschwindet in einem Loch am Rezeptionsgebäude und schon rollen wir wieder auf der E4 gen Süden nahe der Ostsee entlang. Durch die Stadt Timra hindurch stinkt es ziemlich eklig bei einer Fabrik. Später erfahre ich, das wäre eine Papierfabrik. Gleich darauf folgt Sundsvall. Für Sonnabend früh ist hier schon ganz schön Verkehr. An einer Shell freue ich mich schon auf heißen Kakao mit Milch, genehmige mir Rumkugel mit Haferflocken und packe Pistazienschnecken ein, für die Fahrt. Weiter gehts ohne, in Worten OHNE Vorkommnisse bis Gnarp. Das kanns heute noch nicht gewesen sein! Die nächstbeste Ausfahrt nehmend schlage ich mich „in die Büsche“ . Mal sehen was es in Schweden außer der E4 als Mittel zum Zwecke des Reisens noch so zu sehen gibt. Kaum abgefahren kommt ein braunes Schild. Gränsfors Bruks Axe Museum steht zu lesen. Was für ein Zufall. Da geht man jahrelang mit einer Gränsfors Bruks Axt in den Wald und freut sich, daß sie wie Butter auch durch harte Äste geht und irgendwo in Schweden biegt man mal willkürlich ab und kommt direkt zu Fabrik und Museum. Schon im Ort realisiere ich, daß (wiedermal) Samstag ist und die Fabrik sowie das Museum zu haben. Am Museum steckt der Schlüssel, aber es ist abgeschlossen. Beim Nachbarn frage ich nach und er holt sogleich seine Frau herbei. Sie winkt mich hinter sich her und meint sie habe auch den Schlüssel fürs Museum und zeigt mir alles, Am Ende drückt sie mir noch „Das Buch der Äxte“ in deutsch mit Geschichten und Erklärungen rund um die Manufaktur kostenlos in die Hand. Als ich schon los will, geht ein Mann ins andere Gebäude wo „Shop“ dransteht. Hat also doch etwas geöffnet, denke ich und laufe hinterher. Der Mann stellt sich als Australier vor und möchte die Äxte nach „Down Under“ importieren. Zusammen mit dem Verkäufer kommen wir 3 schnell ins Gespräch. Es geht um AWO, Äxte und ob es in Australien keine guten zu kaufen gibt, daß er dafür um die halbe Welt reisen muß

. Ein Mitnimmsel für zu Hause ( handgeschmiedeter Kerzenständer) wird auch noch gekauft. Wieder am Gespann spricht mich ein älterer Herr in fließendem Deutsch an. Wir geraten in ein sehr nettes Gespräch und es stellt sich heraus, daß er der ehemalige Besitzer der Fabrik und in Ruhestand ist. Er hat trotzdem noch ein wachsames Auge auf das Gelände, wohnt er doch gleich um die Ecke. Nach guten Wünschen auf meinen Weg verabschieden wir uns und weiter gehts.
Auf der E4 entgeht einem die wirkliche Schönheit Schwedens aber sowas von komplett. 20 oder auch 50km Umweg lohnen IMMER, Hier ziehen sich um diese Jahreszeit kilometerweit blühende Lupinenteppiche am Straßenrand entlang. Eine Augenweide! Ab Bergsjö halte ich mich auf der Straße 307 wieder Richtung „graues Band“ (E4) . Nach einer Weile fängt es ziemlich bindfädenartig an zu regnen. In Iggesund tanke ich und wundere mich noch, daß alle Campingplätze belegt sind und so viele Kinder untewegs sind. Später stellt sich heraus, daß in der Nähe eine riesen Kinderfußballveranstaltung ist.
Mitten im Wald an der Straße steht ein Häuschen mit einer roten Anzeige. Ist das eine Waage? Warum auch immer diese dort steht, ich drehe um und fahre auf die Plattform. 480Kg wiegen wir zusammen. Macht 400kg für das Gespann inkl. Allem was mitfährt, exklusive mir :-) . Weiter gehts im Regen bis Enanger. Auf dem dortigen Campingplatz werde ich sehr freundlich empfangen, es ist aber „nur“ noch ein Stugor (Haus) frei. Das kostet 800Kronen. Und ist sehr schön. Hier käme es zu gute, wenn man in der Gruppe reisen würde. Dann könnte man sich reinteilen. Aber der Gastgeber hat ein Einsehen und gibt mir wenigstens die Bettwäsche statt 120 extra Kronen für umsonst. Abendbrot gibts heute frisch zubereitet vom Campingplatzbesitzer. Flunder mit Mauke und Gemüse plus Preiselbeeren. Dazu gibts Heidelbeersaft. Eine junge Familie kommt auch noch. Sie haben die kleine Hütte gemietet. Sie ist Schwedin, er Engländer und gerade eben hat England bei der EM gegen Schweden verloren. Sie und die Tochter hielten zur schwedischen Mannschaft und er zu seinen Landsleuten. Zündstoff in der Family

. Wir geraten in ein sehr angenehmes Gespräch und als ich meine guten Erfahrungen schildere ist sie sichtlich stolz auf ihre Landsleute. Wie überall gäbe es aber auch hier nicht so schöne Sachen, die ich ja aber nicht erleben mußte. Genau so wäre es in England, erzählt der Mann. Je weiter man aufs Land hinaus kommt, umso herzlicher wird im allgemeinen der Umgang, Erst reserviert, doch wenn gespürt wird, der hat das Herz am rechten Fleck und verhält sich nicht wie die Axt im Walde, wird es umso freundschaftlicher. In der Stadt sind alle so „busy“. Beschäftigt und am meisten mit sich selbst. Es ist nett hier und die Zeit vergeht. Die Kleine bekommt gerade ihre Waffeln mit Eis und Apfelmus. DAS leckert mich natürlich auch und so essen wir kurze Zeit später „stereo“. Das Mädel guckt erst verdutzt, was der „Fremde“ auch Waffeln mit Eis bestellt, freut sich dann aber, als sie sieht wies mir schmeckt. Ich verabschiede mich einstweilen und gehe duschen. Die befinden sich rustikal in einem ehemaligen Pferdestall sind aber super sauber und der Besitzer hat mich schon vorgewarnt, daß die ersten 3 min nur kaltes Wasser kommt . Als ich fertig bin, wartet die Familie schon. Sie wollen auch zu Bett und noch schnell Zähne putzen. Nach einem sehr lieben Gespräch mit zu Hause ( dort sind 27°C und Lukas mäht mit dem Trekker den Rasen) mache ich meine Aufzeichnungen und sinke in den Schlaf.
Technisches:
Speichen kontrolliert ...ok