Re: bernde, awo, nordkap ! ... oder... fram og tilbake
Verfasst: So 29. Jul 2012, 08:22
Bereit? Das Kap ruft.
Ich wünsche euch nen schönen Sonntag
Bernde
Tag 13
11.06.12 (228 km) Start 6:00 Hammerfest, Skaidi, Olderfjord, Honningsvag, Nordkapp, Skarsvag
Die ist der erste Tag, an dem ich wegen der Ernte meine Reiseaufzeichnungen via tragbarem Kleinkomputer immer wenn Zeit auf dem Trekker ist eintippe.
Der Nordkaptag bricht an. Tag 13 und ich mache mir beim Frühstück auf dem MP3 – Spieler vom Unheilig – Album „Große Freheit“ Titel 13 „Fernweh“ an. Ferne Welt ich komme, ich kann deine Himmel sehn … singt der Graf. Ich sitze mittendrin und finde das Lied ultrapassend! Etwas aufgeregt bin ich schon, aber es liegen auch noch ein paar einzelne Kilometerchen hier und da herum, die bewältigt werden wollen. Der Benzinkocher erledigt seinen Job wie immer ohne Mucken, nachdem ich gestern abend aus der AWO noch was abgezapft habe. Danach das Standartprozedere. Waschen, Zähne putzen (das nördlichste Zähne putzen in freier Natur in meinem bisherigen Leben), Zelt abbauen und alles verstauen. Fertig. Los! Die Strecke zieht sich hin. Zunächst recht unspektakulär ( für norwegische Verhältnisse ), dann schlängelt sie sich teils gewagt an der Küste des Porsangerfjordes entlang. Mein Thermometer zeigt 8-12 °C und ich friere wie ein Schlosshund. Komisch, die 4°C auf dem Strynefjell haben mir doch auch nichts ausgemacht. Ignorieren und öfters mal anhalten und paar Liegestütze machen. Die so schon recht „übersichtlichen“ menschlichen Spuren werden hier noch sperlicher. Von Smorfjord bis Honningsvag gibt es kaum 5 Dörfer und zwischen Olderfjord und Honningsvag sollte man auch nicht grade mit dem letzten Tropfen Benzin ohne Reserve unterwegs sein. Da das Kap auf der Insel Mageroya liegt, gab es bis vor einer Weile eine Fähre. Jetzt ein Tunnel. 6Km lang über 200m tief und mautpflichtig. In Honningsvag, das seit es als Stadt anerkannt ist, die eigentliche nördlichste Stadt Europas ist, wird, wie so oft, an einer Shell getankt und es gibt endlich wieder Polse mit Bacon und heißen Kakao zum durchwärmen. Ready … Steady … Go ! Auf zum Kap, in den Nebel. Kurz vor Skarsvag fahre ich geradeaus, statt links hoch. Ich lande in einer Sackgasse am Meer. Das kann nicht das Nordkapp sein :-)
Auf dem Rückweg sehe ich vor dem kleinen, nett aussehenden „Nordkap Touristhotel“ einen Motorradfahrer an seiner BMW – Reisemaschine mit deutschem Nummernschild stehen und schwenke auf den Parkplatz ein. Er freut sich und erzählt, daß er sich vom Kap runterschleppen lassen mußte, weil seine Gummikuh nicht mehr anspringen wollte. Heute, am zweiten Tag hier ist das selbe Wetter, nämlich ohne Aussicht, etwas am Kap zu sehen und er läßt sich vom Hotelier in eine Halle schleppen. Dort wird er versuchen, den Fehler zu finden und zu beheben. Der Hotelmanager möchte gleich wissen wo ich her komme und winkt ab, als ich „Hammerfest“ sage und meine erfolglose Suche nach eine Unterkunft, sowie die vielen Baustellen beschreibe. Er meint dazu nur: „Ich denke manchmal, die wollen dort gar keine Touristen noch jemand anderen haben und unter sich bleiben.“ und schmunzelt. Ein Zimmer inkl. Frühstück und die Chance auf ein Abendbrot sichere ich mir gleich und verabschiede mich vorerst. Dem Biker wünsche ich viel Erfolg bei seiner Fehlersuche. Von Skarsvag aus sind es jetzt noch zirka 12 km bis an den Wendepunkt meiner Reise. Es geht fast die ganze Strecke bergan und quer über die Insel. Den Namen hat dieses Eiland nicht umsonst. „Mager“oya. Sieht genauso aus, wie sie heißt. Kleine Seen zwischen Fels und Geröll; kein Baum, niedriges Gras, wieder Geröll und … hatte ich schon Geröll erwähnt.. Ab geschätzt 300m Höhe über NN fahren verschwindet die Straße recht plötzlich in einer Nebelwand. Willkommen am Nordkap. Gerade fährt das Hinweisschild zum Kap Knivskjellodden, dem wirklich nördlichsten Punkt des europ. Festlandes an uns vorbei. Gerade noch so erkannt in dieser Suppe. Also weit kanns nicht mehr sein. Die Spannung steigt. Aus dem weißen Nichts taucht das Terminal zum Maut bezahlen auf. EinTicket gilt 2 Tage. Der junge Mann ist begeistert von meiner Gutsten und da sowieso nichts los ist, quatschen wir ne ganze Weile. Nebenbei bemerkt er ( wenn ich ihn richtig verstanden hab ) seine Mutter hätte auch ein Motorrad mit den selben Tankemblemen, aber der Rahmen wäre anders. Kann ja nur ne Touren-AWO sein. Dieses Gespräch hätte man noch vertiefen sollen. Ich frage noch, wie ich DIREKT zum Globus komme. Normalerweise gar nicht meint er lächelnd, aber ich solle doch mal 10 m zurückrollen und die Busspur entlang fahren um kurz vor der Nordkaphalle rechts um das Gebäude herum fahren. Dann würde ich schon sehen. Thanks a lot!
Durch den Nebel sehe ich zwar nichts, aber finde meinen Weg und werde auch nicht behelligt. Hier ist top Wetter: 4°C, straffer Wind von der Seite und Nebel mit 5m Sicht. Also top Wetter für Grog mit Glysantin. Thats norway“, denke ich und finde es total klasse, egal ob man was sieht oder nicht.
Ich postiere uns vor dem Globus und mir entfährt ein Freudensjauchzer: „YES“. Einer macht für mich ein Beweisfoto und ich spreche mit einem Fahrradfahrer, der über 3000km von Deutschland hier her geschafft hat.Wahnsinn!
Und ich?
Nordkap: erreicht !
Wir habens wirklich die 5180km bis hierher super zusammen ausgehalten und technisch gabs nichts, was uns hätte stoppen können. Ein erhebender Moment, den ich erst in der Halle richtig realisiere. Auf der Treppe sitzend und draußen den Nebel beobachtend führe ich ein sehr emotionales Telefonat mit zu Hause. Langsam realisiert man, daß es schon etwas ganz besonderes ist nach, der bewältigten Strecke gesund hier stehen zu können. Jetzt geht’s ans schreiben. Viele Adressen sind abzuarbeiten und warten auf ein Zeichen. Nach über einer Stunde kommt der Fahrradfahrer wieder vorbei und freut sich, weil ich immer noch schreibe. Im Souvenirshop kaufe ich dann ein Rentierfell und andere Mitbringsel für daheim. Ganz in Ruhe schaue ich mir den ganzen Komplex mit Kino Restaurants, Museum etc. an, esse noch ein Eis und lasse beim Blick aus dem Fenster die Geadnken schweifen. Mal sieht man gar nichts, dann klart es wieder auf und gibt den Blick frei bis zum Globus. Der Wind treibt immer neue Wolken und Nebelschwaden heran und am Fenster vorbei. Ein paar erfroren aussehende Motorradfahrer treten durchs Portal in die Halle, sehen mich sitzen und sprechen mich an. „Bist du das mit der AWO? Wir dachten schon, wir können heute den Titel ältestes Motorrad am Kap für uns verbuchen, aber nee, wir kommen an und direkt am Eingang steht so ne alte Kiste!“sagen sie und lachen dabei. Es folgt der übliche nette Informationsaustausch und die beide bringen ihre Verwunderung und Hochachtung dem durchhalten „der alten Kiste“ gegenüber zum Ausdruck. Nachdem ich einige Stunden innen und außen verbracht habe und alle Briefe im Maul des roten nördlichsten Briefkastens Europas gelandet sind, schicke ich mich an wieder ins Tal hinabzusteigen. Doch gerade kommen einige Busse an und ich muß noch eine Weile deutschen und italienischen Touristen Rede und Antwort stehen. 2 Biker aus dem bayerischen kommen auch noch hinzu und auch hier gibt’s natürlich was zu erzählen. Auch erzähle ich von dem gestrandeten Gummikuhfahrer und seinem Problem. Die beiden gucken sich wissend an und meinen fast zugleich: „Hallgeber“ und „jaja die kochen alle nur noch mit Wasser“.Vom Gelände runter nehme ich den offiziellen Weg. Tschüß Nordkap! Es wars wert her zu kommen! Ungefähr auf dem halben Weg nach unten gibt es einen Halteplatz an dem man sich mit einem Rentier und einem Einheimischen zusammen knipsen lassen kann. Dieses „event“ übergehe ich und fahre zum Hotel. Es ist inzwischen nachmittag. Der Mann an der Rezeption begrüßt mich fröhlich. Er läuft mit Gehhilfen; ein Schneemobilunfall, wir unterhalten uns und ich checke für eine Nacht ein. Vom anderen Motorradfahrer ist noch nichts zu sehen, er bastelt immernoch. Nachdem ich meine Sachen verstaut, die AWO klar gemacht und schön warm geduscht habe, geselle ich mich zu den anderen in die Lounge. Dort läuft gerade Dmax. Die Mythbusters testen gerade ob ein rotes Auto bei einem Unfall weniger Schäden aufweist, als ein weißes. Ein kleiner Junge guckt nur halb zu und freut sich wie die beiden wiedermal ein paar Autos schrotten, während er auf einem ipad im internet surft. Das hier ist nicht das Ende der Welt. Es gibt sicher an einem entlegenen Ort im Brandenburgischen oder in Mc Pomm Stellen wo man um ein vielfaches mehr „offline“ ist, wie hier. Eigentlich wollte ich auf den anderen Biker warten , damit wir hätten zusammen essen und noch bissl erzählen können, aber keiner weiß, wann er fertig sein wird. So bestelle ich. Was darfs denn sein? Fragt die Köchin. Was empfiehlt denn die Köchin? Frage ich zurück. Sie antwortet mit dem typisch nordnorwegischen Charme, mit strenger Stimme und einem Zwinkern im Augenwinkel, daß sie natürlich das teuerste empfiehlt. Ok zwinkere ich zurück. Aber dann was lokales. Rentier mit Gemüse, Kartoffeln und Preiselbeeren plus ein Glas Rotwein. Wasser gibt’s soviel man möchte kostenlos dazu. Da Essen ist in kürzester Zeit zubereitet, schmeckt sehr vorzüglich ( besonders das sehr saftige Fleisch ) und ist für mich zuviel. Ich schlinge es nur aus Geiz rein und weils so lecker ist. Ich sitze am Fenster und bin neben der Familie der Kellnerin der einzige Gast, Ein Auto mit österreichischem Kennzeichen fährt vorbei, kehrt um, die Leute steigen aus und kommen ins Restaurant. Sie setzen sich an den Nachbartisch und sind sich nicht einig, ob des Essens. Ich empfehle Rentier! Das nehmen sie auch und sind sehr zufrieden mit ihrer Wahl. Wir tauschen einige Gedanken aus. Sie wollen noch weiterfahren. Nach einer Weile zahle ich ohne Witz 370NOK für mein Essen. Dafür MUSS es einfach lecker gewesen sein! Wir verabreden noch, daß ich früh zeitig losfahren werde und sie bereiten mein Frühstück vor und bringen es noch auf mein Zimmer. Erst gegen 9 kommt der BMW – Fahrer ziemlich k.o. und dreckverschmiert aber mit einem Grinsen auf dem Gesicht zurück. Auf dem Flur werden noch ein paar Worte gewechselt. Er hat den Fehler gefunden. Der Hallgeber. Ich schmunzle in mich hinein und erzähle ihm von den Leuten am Kap und daß sie die selbe Ferndiagnose gestellt haben. Er sieht wirklich fertig aus und meint, morgen früh erstmal richtig ausschlafen zu wollen. Wir wünschen uns eine gute Weiterreise und erstmal ne geruhsame Nacht. Ich ziehe mich zurück und gucke noch aus dem Fenster. Draußen fängt es an zu regnen. Das Bett ruft und im MP3 – Player wartet City mit „Unter der Haut“ auf Lautstärkestufe 3. Aaaaaaah …Absolut herrlich zum abschalten und in Gedanken nochmal über die Klippen zum Kap fliegen. Ich liege einfach da und bin selig. Leute, macht sowas auch! Fahrt ( am besten mit der AWO ) an einen schönen Ort eurer Wahl und nehmt Eure Lieblingsmusik mit.
Ich wünsche euch nen schönen Sonntag
Bernde
Tag 13
11.06.12 (228 km) Start 6:00 Hammerfest, Skaidi, Olderfjord, Honningsvag, Nordkapp, Skarsvag
Die ist der erste Tag, an dem ich wegen der Ernte meine Reiseaufzeichnungen via tragbarem Kleinkomputer immer wenn Zeit auf dem Trekker ist eintippe.
Der Nordkaptag bricht an. Tag 13 und ich mache mir beim Frühstück auf dem MP3 – Spieler vom Unheilig – Album „Große Freheit“ Titel 13 „Fernweh“ an. Ferne Welt ich komme, ich kann deine Himmel sehn … singt der Graf. Ich sitze mittendrin und finde das Lied ultrapassend! Etwas aufgeregt bin ich schon, aber es liegen auch noch ein paar einzelne Kilometerchen hier und da herum, die bewältigt werden wollen. Der Benzinkocher erledigt seinen Job wie immer ohne Mucken, nachdem ich gestern abend aus der AWO noch was abgezapft habe. Danach das Standartprozedere. Waschen, Zähne putzen (das nördlichste Zähne putzen in freier Natur in meinem bisherigen Leben), Zelt abbauen und alles verstauen. Fertig. Los! Die Strecke zieht sich hin. Zunächst recht unspektakulär ( für norwegische Verhältnisse ), dann schlängelt sie sich teils gewagt an der Küste des Porsangerfjordes entlang. Mein Thermometer zeigt 8-12 °C und ich friere wie ein Schlosshund. Komisch, die 4°C auf dem Strynefjell haben mir doch auch nichts ausgemacht. Ignorieren und öfters mal anhalten und paar Liegestütze machen. Die so schon recht „übersichtlichen“ menschlichen Spuren werden hier noch sperlicher. Von Smorfjord bis Honningsvag gibt es kaum 5 Dörfer und zwischen Olderfjord und Honningsvag sollte man auch nicht grade mit dem letzten Tropfen Benzin ohne Reserve unterwegs sein. Da das Kap auf der Insel Mageroya liegt, gab es bis vor einer Weile eine Fähre. Jetzt ein Tunnel. 6Km lang über 200m tief und mautpflichtig. In Honningsvag, das seit es als Stadt anerkannt ist, die eigentliche nördlichste Stadt Europas ist, wird, wie so oft, an einer Shell getankt und es gibt endlich wieder Polse mit Bacon und heißen Kakao zum durchwärmen. Ready … Steady … Go ! Auf zum Kap, in den Nebel. Kurz vor Skarsvag fahre ich geradeaus, statt links hoch. Ich lande in einer Sackgasse am Meer. Das kann nicht das Nordkapp sein :-)
Auf dem Rückweg sehe ich vor dem kleinen, nett aussehenden „Nordkap Touristhotel“ einen Motorradfahrer an seiner BMW – Reisemaschine mit deutschem Nummernschild stehen und schwenke auf den Parkplatz ein. Er freut sich und erzählt, daß er sich vom Kap runterschleppen lassen mußte, weil seine Gummikuh nicht mehr anspringen wollte. Heute, am zweiten Tag hier ist das selbe Wetter, nämlich ohne Aussicht, etwas am Kap zu sehen und er läßt sich vom Hotelier in eine Halle schleppen. Dort wird er versuchen, den Fehler zu finden und zu beheben. Der Hotelmanager möchte gleich wissen wo ich her komme und winkt ab, als ich „Hammerfest“ sage und meine erfolglose Suche nach eine Unterkunft, sowie die vielen Baustellen beschreibe. Er meint dazu nur: „Ich denke manchmal, die wollen dort gar keine Touristen noch jemand anderen haben und unter sich bleiben.“ und schmunzelt. Ein Zimmer inkl. Frühstück und die Chance auf ein Abendbrot sichere ich mir gleich und verabschiede mich vorerst. Dem Biker wünsche ich viel Erfolg bei seiner Fehlersuche. Von Skarsvag aus sind es jetzt noch zirka 12 km bis an den Wendepunkt meiner Reise. Es geht fast die ganze Strecke bergan und quer über die Insel. Den Namen hat dieses Eiland nicht umsonst. „Mager“oya. Sieht genauso aus, wie sie heißt. Kleine Seen zwischen Fels und Geröll; kein Baum, niedriges Gras, wieder Geröll und … hatte ich schon Geröll erwähnt.. Ab geschätzt 300m Höhe über NN fahren verschwindet die Straße recht plötzlich in einer Nebelwand. Willkommen am Nordkap. Gerade fährt das Hinweisschild zum Kap Knivskjellodden, dem wirklich nördlichsten Punkt des europ. Festlandes an uns vorbei. Gerade noch so erkannt in dieser Suppe. Also weit kanns nicht mehr sein. Die Spannung steigt. Aus dem weißen Nichts taucht das Terminal zum Maut bezahlen auf. EinTicket gilt 2 Tage. Der junge Mann ist begeistert von meiner Gutsten und da sowieso nichts los ist, quatschen wir ne ganze Weile. Nebenbei bemerkt er ( wenn ich ihn richtig verstanden hab ) seine Mutter hätte auch ein Motorrad mit den selben Tankemblemen, aber der Rahmen wäre anders. Kann ja nur ne Touren-AWO sein. Dieses Gespräch hätte man noch vertiefen sollen. Ich frage noch, wie ich DIREKT zum Globus komme. Normalerweise gar nicht meint er lächelnd, aber ich solle doch mal 10 m zurückrollen und die Busspur entlang fahren um kurz vor der Nordkaphalle rechts um das Gebäude herum fahren. Dann würde ich schon sehen. Thanks a lot!
Durch den Nebel sehe ich zwar nichts, aber finde meinen Weg und werde auch nicht behelligt. Hier ist top Wetter: 4°C, straffer Wind von der Seite und Nebel mit 5m Sicht. Also top Wetter für Grog mit Glysantin. Thats norway“, denke ich und finde es total klasse, egal ob man was sieht oder nicht.
Ich postiere uns vor dem Globus und mir entfährt ein Freudensjauchzer: „YES“. Einer macht für mich ein Beweisfoto und ich spreche mit einem Fahrradfahrer, der über 3000km von Deutschland hier her geschafft hat.Wahnsinn!
Und ich?
Nordkap: erreicht !
Wir habens wirklich die 5180km bis hierher super zusammen ausgehalten und technisch gabs nichts, was uns hätte stoppen können. Ein erhebender Moment, den ich erst in der Halle richtig realisiere. Auf der Treppe sitzend und draußen den Nebel beobachtend führe ich ein sehr emotionales Telefonat mit zu Hause. Langsam realisiert man, daß es schon etwas ganz besonderes ist nach, der bewältigten Strecke gesund hier stehen zu können. Jetzt geht’s ans schreiben. Viele Adressen sind abzuarbeiten und warten auf ein Zeichen. Nach über einer Stunde kommt der Fahrradfahrer wieder vorbei und freut sich, weil ich immer noch schreibe. Im Souvenirshop kaufe ich dann ein Rentierfell und andere Mitbringsel für daheim. Ganz in Ruhe schaue ich mir den ganzen Komplex mit Kino Restaurants, Museum etc. an, esse noch ein Eis und lasse beim Blick aus dem Fenster die Geadnken schweifen. Mal sieht man gar nichts, dann klart es wieder auf und gibt den Blick frei bis zum Globus. Der Wind treibt immer neue Wolken und Nebelschwaden heran und am Fenster vorbei. Ein paar erfroren aussehende Motorradfahrer treten durchs Portal in die Halle, sehen mich sitzen und sprechen mich an. „Bist du das mit der AWO? Wir dachten schon, wir können heute den Titel ältestes Motorrad am Kap für uns verbuchen, aber nee, wir kommen an und direkt am Eingang steht so ne alte Kiste!“sagen sie und lachen dabei. Es folgt der übliche nette Informationsaustausch und die beide bringen ihre Verwunderung und Hochachtung dem durchhalten „der alten Kiste“ gegenüber zum Ausdruck. Nachdem ich einige Stunden innen und außen verbracht habe und alle Briefe im Maul des roten nördlichsten Briefkastens Europas gelandet sind, schicke ich mich an wieder ins Tal hinabzusteigen. Doch gerade kommen einige Busse an und ich muß noch eine Weile deutschen und italienischen Touristen Rede und Antwort stehen. 2 Biker aus dem bayerischen kommen auch noch hinzu und auch hier gibt’s natürlich was zu erzählen. Auch erzähle ich von dem gestrandeten Gummikuhfahrer und seinem Problem. Die beiden gucken sich wissend an und meinen fast zugleich: „Hallgeber“ und „jaja die kochen alle nur noch mit Wasser“.Vom Gelände runter nehme ich den offiziellen Weg. Tschüß Nordkap! Es wars wert her zu kommen! Ungefähr auf dem halben Weg nach unten gibt es einen Halteplatz an dem man sich mit einem Rentier und einem Einheimischen zusammen knipsen lassen kann. Dieses „event“ übergehe ich und fahre zum Hotel. Es ist inzwischen nachmittag. Der Mann an der Rezeption begrüßt mich fröhlich. Er läuft mit Gehhilfen; ein Schneemobilunfall, wir unterhalten uns und ich checke für eine Nacht ein. Vom anderen Motorradfahrer ist noch nichts zu sehen, er bastelt immernoch. Nachdem ich meine Sachen verstaut, die AWO klar gemacht und schön warm geduscht habe, geselle ich mich zu den anderen in die Lounge. Dort läuft gerade Dmax. Die Mythbusters testen gerade ob ein rotes Auto bei einem Unfall weniger Schäden aufweist, als ein weißes. Ein kleiner Junge guckt nur halb zu und freut sich wie die beiden wiedermal ein paar Autos schrotten, während er auf einem ipad im internet surft. Das hier ist nicht das Ende der Welt. Es gibt sicher an einem entlegenen Ort im Brandenburgischen oder in Mc Pomm Stellen wo man um ein vielfaches mehr „offline“ ist, wie hier. Eigentlich wollte ich auf den anderen Biker warten , damit wir hätten zusammen essen und noch bissl erzählen können, aber keiner weiß, wann er fertig sein wird. So bestelle ich. Was darfs denn sein? Fragt die Köchin. Was empfiehlt denn die Köchin? Frage ich zurück. Sie antwortet mit dem typisch nordnorwegischen Charme, mit strenger Stimme und einem Zwinkern im Augenwinkel, daß sie natürlich das teuerste empfiehlt. Ok zwinkere ich zurück. Aber dann was lokales. Rentier mit Gemüse, Kartoffeln und Preiselbeeren plus ein Glas Rotwein. Wasser gibt’s soviel man möchte kostenlos dazu. Da Essen ist in kürzester Zeit zubereitet, schmeckt sehr vorzüglich ( besonders das sehr saftige Fleisch ) und ist für mich zuviel. Ich schlinge es nur aus Geiz rein und weils so lecker ist. Ich sitze am Fenster und bin neben der Familie der Kellnerin der einzige Gast, Ein Auto mit österreichischem Kennzeichen fährt vorbei, kehrt um, die Leute steigen aus und kommen ins Restaurant. Sie setzen sich an den Nachbartisch und sind sich nicht einig, ob des Essens. Ich empfehle Rentier! Das nehmen sie auch und sind sehr zufrieden mit ihrer Wahl. Wir tauschen einige Gedanken aus. Sie wollen noch weiterfahren. Nach einer Weile zahle ich ohne Witz 370NOK für mein Essen. Dafür MUSS es einfach lecker gewesen sein! Wir verabreden noch, daß ich früh zeitig losfahren werde und sie bereiten mein Frühstück vor und bringen es noch auf mein Zimmer. Erst gegen 9 kommt der BMW – Fahrer ziemlich k.o. und dreckverschmiert aber mit einem Grinsen auf dem Gesicht zurück. Auf dem Flur werden noch ein paar Worte gewechselt. Er hat den Fehler gefunden. Der Hallgeber. Ich schmunzle in mich hinein und erzähle ihm von den Leuten am Kap und daß sie die selbe Ferndiagnose gestellt haben. Er sieht wirklich fertig aus und meint, morgen früh erstmal richtig ausschlafen zu wollen. Wir wünschen uns eine gute Weiterreise und erstmal ne geruhsame Nacht. Ich ziehe mich zurück und gucke noch aus dem Fenster. Draußen fängt es an zu regnen. Das Bett ruft und im MP3 – Player wartet City mit „Unter der Haut“ auf Lautstärkestufe 3. Aaaaaaah …Absolut herrlich zum abschalten und in Gedanken nochmal über die Klippen zum Kap fliegen. Ich liege einfach da und bin selig. Leute, macht sowas auch! Fahrt ( am besten mit der AWO ) an einen schönen Ort eurer Wahl und nehmt Eure Lieblingsmusik mit.