Kurz hinterm Berg

Wieder mal eine geile Strecke gefunden oder gut untergekommen? Und du willst es nicht für dich behalten? Dann hier rein damit!
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steppe
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Kurz hinterm Berg

Beitrag von steppe »

Hi Folks!

Es ist nun schon wieder fast ein Jahr her, in dem Bernd seine wunderbare Reise zum Nordkap schilderte. Berichte dieser Art gibt es meiner Meinung nach viel zu wenig von euch. Bernds Reise muß ja nun in seiner Ausgestaltung und Länge nicht immer der Maßstab sein, aber einige von euch schruppen doch bestimmt mal ein paar Kilometer mehr als nur mal Sonntags um den Kirchturm bei Sonnenschein. Unser Bausoldat war kürzlich für ein paar Tage in Schweden. Wär doch mal was, darüber was zu lesen. So zum schmackhaft machen für neue Reiseziele. Und Bilder aus fremden Gegenden sehen die Leute immer gerne.

So, nun an die eigene Nase gefasst und der Rubrik Tourentips und Sehenswürdigkeiten einen neuen Bericht beigesteuert.

10. Mai
Alles fing an mit einer Einladung zum kleinen, aber feinen EMW-Treffen, von Ronny organisiert, ganz in der Nähe seiner Heimat bei Ulm. Freitag nach Männertag ging es die gut 500 Kilometer auf Autobahn recht zügig gen Süden. Mit Tank-, Pinkel- und Fotopause in 7 Stunden eine annehmbare Zeit. Mit mehr Zeit und besseren Wetter lässt man natürlich die Autobahn weg, und steuert (von mir aus gesehen) beispielsweise noch den Thüringer Wald an und macht dort Zwischenstation. Beispielsweise bei Ekki, dessen Mutter auch immer sehr bekümmert ist um seine Gäste.
Abends eingekehrt im Gasthaus Kreuz in Moosbeuren. Ein Essen möchte ich dort ganz besonders empfehlen: Spanferkel! Eine andere Wahl hast du dort auch nicht. Dafür ist es eine Sau-leckere Angelegenheit. 11. Mai
Richtung Großes Lautertal ging es Samstag auf Ausfahrt. Ein kleiner Hinweis noch vorweg: Wer mal in das genannte Gasthaus einkehrt, bemühe sich doch vielleicht um einen Kontakt zum Koch, der eine kleine, aber sehr sehenswerte Oldtimersammlung sein Eigen nennt. Genau diese durften wir am Morgen begutachten, bevor es auf Ronnys wunderbare Hausstrecke ging. Eines sei gleich gesagt, in der Gegend kannst du als Biker nichts verkehrt machen. Sie gehört mit zur Schwäbischen Alb, und wer dies seine Heimat nennt, ist um Ausflugsstrecken echt zu beneiden. Für das Wetter gilt das nicht ganz so, von Hagel bis Sonnenschein war alles dabei. Aber nur die Harten komm' in' Garten. Es sagt auch einiges aus, daß bei den Snacks zwischendurch die Spanne vom Eisbecher bis zum Grog reichte. 12./13. Mai
Sonntag nahm die kleine Truppe Abschied und verstreute sich wieder übers Land. Für mich hieß das, die anschließenden Ferientage nutzen und einer Einladung von Matthias und Doris nach Österreich zu folgen, die ebenfalls der Einladung Ronnys nachkamen.
Nachdem ich bereits drei mal am AWO-Treffen in Österreich teilgenommen habe, sah meine Planung eigentlich vor, endlich mal ein paar Hochalpenstraßen zu erklimmen. Bielerhöhe oder Großglockner hatte ich so ins Auge gefasst. Die Wetterlage ließ aber einiges nicht zu, und so waren manche Pässe noch gesperrt aufgrund niedriger Schneefallgrenzen. Herbergen zu finden war auch nicht so einfach, da viele die Zwischensaison für eine Pause nutzten. Die Wintersaison war gerade erst zu Ende und die Sommersaison fängt üblicherweise erst im Juni an. Also den Montag genutzt, um neue Pläne zu schmieden. Doris ist in solchen Sachen sehr hilfreich und hat mir etliche Vorschläge gemacht. Südlich der Alpen zum Beispiel. Ich mußte immer in Erinnerung rufen, daß ich mit der AWO unterwegs sei, und nicht mit einem Reiskocher mal hier mal dahin schnipse. Irgendwo mußte es aber nun hingehen, und der Mund wurde mir reichlich wässrig gemacht, was es nicht südlich der Alpen so alles zu sehen gäbe. Also dachte ich mir, viel Bedenken was das Quälen der AWO betrifft gibt es bei mir eh nicht. Also die restlichen Bedenken auch noch beiseite gewischt und Dienstag Morgen ging es los. 14. Mai
Mal einfach so in den Süden. Ziel unbekannt. Nicht ein Begrenzungspfahl, sondern das Mittelmeer sollte mich stoppen, so schwebte es mir vor. Und laut Wettervorhersage war alles im grünen Bereich. War! An diesem Punkt sei gesagt, ich war samt EMW-Treffen 10 Tage unterwegs, und an 9 Tagen hat es teils geschüttet wie aus Eimern. Ich werde das nicht explizit noch mal erwähnen, aber man muß schon ein dickes Fell haben und sich den Spaß wegen solcher Nebensächlichkeiten nicht entgehen lassen. Das Gesehene entschädigt für einiges.
Das meine Tour nicht schon in der Schweiz gleich wieder vorbei war, habe ich Doris und Matthias zu verdanken. Und mir war es eine Lehre zugleich: Übertreibt es beim Ausdrehen eurer Radnaben nicht, sonst passiert es, daß sich der Metallring in der Nabe verselbständigt und ein Eigenleben entwickelt. Ab hier, genauer gesagt im Kanton Graubünden bei Mesocco hätte schon Schluß sein können mit allem. Eine Mitgliedschaft im Freundeskreis der österreichischen AWO-Fahrer bescherte mir jedoch die Lieferung eines Ersatzrades mit wunderbar erhaltener Enduro-Bereifung der Marke Pneumant. Hat bis jetzt gehalten, hält auch mein kurzes Stück noch. Danke noch mal an Doris für den Service. Meine Fahrt führte in einem wunderschönen Tal auf der Viamala (geil!) am Hinterrhein entlang und sollte mich auch über den San Bernardino führen. Das Schild „Gesperrt“ konnte ich ja noch geflissentlich übersehen, die Schranke wollte ich jedoch nicht umfahren. Pech gehabt, also durch den Tunnel, der für Biker alles andere als schön ist und einem zur Atemnot neigen lässt. Noch in der Schweiz empfängt einem in Locarno der Lago Maggiore mit seiner Schönheit und seinem Flair. Einige mögen lachen, aber ich war das erste mal südlich der Alpen. Und AWO und Palmen mußte ich auch erst mal auf die Reihe kriegen. Unter einer Überdachung direkt am See mußte ich mir dann doch die Regenklamotten überstreifen, die ich die nächsten Tage meist von Start bis Ziel brauchte. Einen kurzen Moment noch zum durchsacken lassen und ein paar Fotos gemacht, dann gings weiter auf Entdeckungsreise. Es gibt reichlich schöne Villen zu sehen am See entlang, und auch, wenn man meist nur 50kmh fahren darf, ist es schwierig, Begutachten und Fahren unter einem Hut zu bringen. Und spätestens auf italienischer Seite ist es eh mit der Ruhe vorbei. Wer mal in Italien, und später dann auch Frankreich, selber Auto oder Motorrad gefahren ist, wird wissen, wovon ich rede. Sicherheitsabstände werden als Einladung gesehen zum Lückenspringen. Kurz hinter Verbania verließ ich den See und hielt mich weiter westlich Richtung Lago d'Orta. Zeit für einen Campingplatz in Crabbia am Ostufer. Triefend vor Nässe stand ich zunächst vor verschlossenen Türen, weil bereits geschlossen war. Aber dann erbarmte sich doch noch der Chef zu öffnen und mir einen kleinen, aber trockenen Bungalow zu zuweisen. 15. Mai
Am nächsten Morgen mußte entschieden werden, ob ich mir kleine italienische Städtchen zu Gemüte führe auf dem Weg zum Mittelmeer, was viel Zeit kosten würde, oder ob ich zusehe, schnellstmöglich gen Süden voran zu kommen. Die Gegend bis kurz vor Genua ist ziemlich eben und unaufgeregt, also auf die Autobahn und Kante dem Meer entgegen. Die Maut ist nicht gerade billig in Italien, beschert einem jedoch eine relativ streßfreie Fahrt. An der Grenze von Piemont zu Ligurien durchstreift man zwei Naturparks Richtung Genua und die Autobahn wird sehr kurven- und tunnelreich. Und beim ersten Anblick des Viadotto (Viadukt) Cerusa und des Mittelmeeres das nächste „einfach-nur-geil“-Erlebnis. Über eben dieses Viadukt ging es weiter Richtung Frankreich immer der Küste entlang. Um einiges an Kilometern zu schaffen, verblieb ich auch hier noch ein Stück auf der Schnellstraße. Nächstes angesteuertes Ziel: Schußfahrt nach San Remo. Ab hier ist dann Genießen angesagt. Mal abgesehen vom eingangs erwähnten Verkehr. Jetzt die direkte Küstenstraße entlang und sich einfach erfreuen am südeuropäischen Flair. Was die Sache mit dem Regen erleichterte waren die 18 Grad Celsius, die einem wenigstens nicht frieren ließen und man sich doch auf die schönen Dingen konzentrieren konnte. Erste Noblesse wehte mir auf der Promenade in Menton entgegen. Eine kurze Regenpause nutzte ich ebenfalls zum Durchschnaufen am Cap Martin. Da ich die Knöpfe ein bißchen beisammen halten mußte, gabs nur Salami aus Österreich statt französische Froschschenkel. Aber Ausblick genießen und wieder ein paar Fotos gemacht. Durch das miese Wetter kommt bis jetzt kaum Bildmaterial zusammen, was mich sehr ärgerte. Weiter gings zum nächsten Highlight: Einmal kreuz und quer durch Monaco. Ich hab wirklich die Orientierung dort verloren und stand dann eher zufällig auf einmal an der Straße, die vom langen Tunnel hinunter zum Yachthafen führt. Formel1-Freunde wissen, wovon ich rede. Keine Ahnung, obs die erste AWO ist, die Monte Carlo unsicher macht, aber noch vor einiger Zeit hätte ich mir das nicht träumen lassen. Nicht gerade, was meinen Arsch alleinig betrifft, sondern das dieser dabei auf der AWO sitzt. Der Fürst muß übrigens mächtig sein: in Monaco hatte ich keinen Tropfen Regen abbekommen. Schluß mit solchen Highlights sollte aber heute noch nicht sein. Auf einer Welle der Euphorie ging es nun gen Nizza. Bemerkenswert war noch ein Franzose auf seinem Reiskocher, der mich über mehrere Ampelphasen hinweg begleitete und mich mit Händen und Füßen zur AWO ausfragte. Monaco verließ ich dann über ein Tunnellabyrinth, wo ich hinterher auch nicht mehr wußte, wo oben und unten ist. In Nizza war dann endgültig Land unter. Starkregen ohne Ende, Stau entlang der Côte d’Azur, und der Enduro-Reifen zeigte sich bei einer Vollbremsung in seiner ganzen Stärke: nämlich im wohlwolligen Dahingleiten. Von Haftung keine Spur. Knapp daneben, nichts passiert, durchatmen, weiter geht’s. Cannes gebe ich mir dann nicht mehr und biege stattdessen Richtung Norden auf die Route des Alpes ab. Das Ungefähr-Ziel Verdon-Schlucht ins Visier nehmend.
Dieses noch 100 Kilometer entfernte Naturschauspiel werde ich heute nicht mehr erreichen. Aber schon allein die Schlucht entlang des Flusses Le Var ist selbst bei Sauerregen beeindruckend und geradezu filmreif, oder besser gesagt fotoreif. Nur gestaltet es sich ausgesprochen schwierig, einen Felsüberhang zu finden, um ein paar gute Schnappschüße im Trockenen zu machen ohne das die Kamera abseuft, und dabei nicht den fließenden Verkehr zu behindern. Kurz gesagt, es ist mir diesen und auch den darauffolgenden Tag unmöglich gewesen, gute Bilder von diesem Fleckchen Erde zu machen. Zu fortgeschrittener Stunde im Tal einen Campingplatz aufgesucht – auch diesmal war wieder nicht an zelten zu denken – und einen Bungalow gemietet. Langsam wurde es schwierig, die Klamotten für den nächsten Tag wieder halbwegs trocken zu bekommen. Auf französisch ließ ich mir erklären, das Wetter bleibt so schön wie die letzten Tage. 16. Mai
Am nächsten Morgen wieder die Schecken gepackt und auf Richtung Verdon-Schlucht. Übrigens nicht zu verwechseln mit Verdun. Die Schlacht fand viel weiter nördlich in der Nähe von Metz statt. Die Hoffnung, doch noch ein paar schöne Bilder entlang der Strecke vom Vortag machen zu können, ließ mich noch mal ca. 30 km zurück fahren. Aber wieder vergebens. Eine Taucherkamera hätte ich mitnehmen sollen. Also ab Richtung Castellane, welches am östlichen Ausläufer der Verdon-Schlucht liegt. Auf dem Weg dahin streift man den Stausee Lac de Castillon. Und dann geschah unglaubliches: blauer Himmel und Sonnenschein pur. Einen Rastplatz am See nutze ich flux, um die Klamotten aufzuhängen und meinen Hintern in die Sonne zu halten. Was ein Genuss! Ein türkisblauer See zu meinen Füßen und die Sonne im, äh, am Arsch. Gedanken kamen über mich, meine Tour doch wieder Richtung Süden zu lenken. In Castellane wurde ich jedoch eines besseren belehrt und der erste leichte Sonnenbrand wurde rasch wieder auf Umgebungstemperatur durch entsprechende Wasserkühlung von oben gebracht. Die Entscheidung fiel, die Schlucht noch mitzunehmen und anschließend wieder das trockene Domizil bei Matthias und Doris in Österreich anzusteuern. Auch wenn mir das Wetter wieder viele schöne Fotos verwehrte, so kann ich doch eines mit Sicherheit sagen: hier war ich das letzte Mal! Bei dem Wetter! Aber ich komme wieder, und dann grient die Sonne, und ich griene in die Sonne! Was ich schon über die Schwäbische Alb sagte, gilt hier erst Recht: ein Muß für Motorradfahrer. In diesem südlichen Stück von Frankreich kannst du nichts verkehrt machen. Ich spreche hier von den ca. 300km zwischen Mittelmeer und meinen Grenzübertritt nach Italien am Montgenèvre. Einfach drauf los, Campingplätze gibt es mehr als genug. Wer bei dieser Natur hier nicht auf seine Kosten kommt, und sei es auch ohne AWO, der ist selber Schuld! Durch wunderschöne kurvige Straßen gelangt man zum westlichen Ende der Schlucht und kann - bei schönem Wetter – den Ausblick über den zweitgrößten Stausee Frankreichs genießen, dem Lac de Sainte-Croix. Ich hatte Glück, für ein paar Momente riß die Wolkendecke auf und ergab ein wunderschönes Panorama. Auf der Fahrt weiter gen Norden kapitulierte ich abermals vor dem Regen und kehrte in Seyne, ein ziemlich verschlafenes Nest, in ein Hotel ein. Warum die Absteige in diesem Ein-Sterne-Hotel 40€ kostet, erschließt sich mir nicht, und ist höchstens damit zu erklären, daß für den alten Franz darin Nostalgiezuschlag gilt. Ich nehme es gelassen, der Verhandlungsspielraum ist eh zu gering, wenn man triefend vor Nässe vorm Herbergsvater steht und um eine trockene Bleibe bittet. 17. Mai
Der morgendliche Blick aus dem Fenster und ein kurzes Telefonat mit Doris läßt mich dem Vorschlag zu stimmen, das mir Doris mit dem Bus entgegen kommt und mich aufliest. Nicht zuletzt aufgrund einer Unwetterwarnung südlich der Alpen. Eine schwere Entscheidung, aber angesichts, daß dies für mich eh mehr eine Schnuppertour werden sollte und keine vollwertige Urlaubstour, kann ich damit leben, ein paar Kilometer auf 4 Rädern zurück zu legen. Mein Weg führt mich zunächst entlang des Lac de Serre-Ponçon, und somit bekomme ich auch noch den größten Stausee Frankreichs zu sehen. Hatte ich schon erwähnt, wie sehenswert das ist? Weiter geht’s Richtung Briançon, und wenn ich schon bei Größe und Werte bin, es ist die zweithöchstgelegene Stadt Europas. Was mir und euch jetzt sicher nicht wirklich ein großen Oh über die Lippen zaubert, vielmehr erwähnenswert und sehenswert sind die beiden Festungen Fort de la Croix-de-Bretagne und Fort du Randouillet. Ersteres wurde um 1876-79 errichtet zum Schutz vor der Invasion der Italiener. Es war Teil eines Befestigungsringes, welcher auf Gebietsverlusten Lothringens und des Elsasses nach dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 zurück zu führen ist. Fort du Randouillet wurde 1724-34 von Vauban errichtet.Bis 1940 diente es dem französischen Militär und war Teil der Maginot-Linie im zweiten Weltkrieg. So viel zum kulturhistorischen Abriß. Wie dem auch sei, imposant und sehenswert. Auf meinen Weg zurück nach Italien überquere ich den Col de Mongenèvre und erreiche den höchsten Punkt meiner Tour mit 1854 Metern. Noch schnell ein Foto und abwärts mit, nein, nach Italien. Die Sache wird nun relativ unspektakulär, bis auf einmal diese imposante Festung
von Exilles wie aus dem Nichts auftaucht. Ich habe Mühe, meine Blicke auf der Straße zu halten und nutze seitwärts der Festung eine Seitenstraße, um inne zu halten, und um Bilder zu machen – es regnet gerade nicht. Obwohl erst im 19. Jahrhundert erbaut, gibt es nicht mehr belegbare Hinweise, die auf Ursprünge in der Römerzeit zurück gehen. Nach wenigen Kilometern erreiche ich Susa und stelle mich bei einer Tankstelle unter. Doris trifft fast zeitgleich ein und wir verladen die AWO im „Tour“-Bus. Was nun folgt ist Verarsche vom Herrn! Richtung Turin reißen die Wolken auf, und wir haben bis Österreich keinen Tropfen Regen mehr. Und auch vom Unwetter ist am Lago Maggiore nichts zu spüren. Die Depression wird mit einem italienischen Kaffee am Lago verdrängt und wir genießen einfach den Augenblick. Sonnenschein vom feinsten, ein herrlicher Blick über den See, und am Nachbartisch spielen ein paar ergraute Italienische Rentner mit Karten ohne Zahlen und Buchstaben ihr Spiel. Alle sehen aus, als ob sie im Krieg noch mitgekämpft haben. Für diese Momente bräuchte es eine Pausentaste im Leben. Auf der Rückfahrt weiter am See entlang schwärmen wir wieder von den Villen, und ob wir uns diese je leisten könnten. Leider ist auch diesmal die Passstraße über den San Bernardino gesperrt und wir quälen uns abermals durch den Tunnel. Nicht schön, aber schnell. Da ich inzwischen das Steuer übernommen habe, holt Doris meine Kamera raus und knipst, als ob es kein morgen gäbe. Na wenigstens hab ich nun auch quantitativ mein Soll an Bildmaterial erfüllt. Nebenbei bemerkt, es sind auch ein paar recht gute Aufnahmen dabei rausgesprungen. Manches grenzt an Kunst. Matthias empfängt uns beim Italiener, und zwar der an der Ecke in Feldkirch. Ich genieße mein erstes Bier nach unendlich 5 langen Tagen ohne diesen schönen Saft, und hake die Nur-Salami-Woche ab.
19. Mai
Samstag gibt’s noch mal Entschädigung für alles: postkartenblauer Himmel und wir machen uns auf zum Säntis hinüber in die Schweiz, Gondelfahrt hinauf zum Gipfel inbegriffen. Ein fantastischer Rundumblick und abermals möchte ich den Moment einfach anhalten. Aus 2502 Höhenmetern hat man ein wunderbaren Blick über alle benachbarten Länder der Schweiz. Es ist das letzte Highlight meiner Tour und wir lassen den Tag bei köstlichem von Doris zubereitetem Essen und einem, oder waren es zwei, Gläser Wein ausklingen. 20. Mai
Da ich die Heimreise nicht überstürzt antreten wollte, werkelte ich mit Matthias noch ein bißchen an seinen Getrieben mit, nach dem Motto: aus vielen mach eins. War eine verquaste Sache, aber nichts, was nicht hinzubekommen wäre. Nachmittags raffte ich mich dann aber doch auf, um die letzten 624km meiner Reise zu bewerkstelligen. Wobei es noch eine kleine Anekdote zu vermelden gibt. Nicht der Regen, sondern der Tankstop bei Nürnberg ließ meinen Puls noch mal höher schlagen. Im Tankshop hatten gerade ein paar Hooligans ihren Spaß. Nach dem Bezahlen war ich der erste, der der gerade einreitenden Polizei in die Arme lief. Nun sieht man ja mit einem Helm auf dem Kopf nicht meine Haare – könnte ja auch 'ne Glatze haben – und unter den Regenklamotten sieht man nicht den schönen AWO-Patch auf dem Rücken, hätte ja auch ein blöder Fußballverein sein können. Für unsere Freunde sah ich jedenfalls gefährlich genug aus, ein Teil dieser Hooligan-Gruppe darzustellen. Die werden sich auch gedacht haben, vermummen hilft nicht, wir kriegen jeden dran. Die freundliche Kassiererin schritt jedoch sofort ein und zeigte den Grünen, oder waren sie blau, was ein Hooligan ist und was nicht. Hat sogar gefruchtet bei denen. Der Rest war das alte Lied und das alte Leid. Jedenfalls kann ich mich nicht erinnern, wann ich zuletzt im Mai eine heiße Wanne herbei gesehnt habe, so arschkalt waren die letzten Meter bis nach Hause.

So, daß wars. Ende eines für mich unvergesslichen Trips. Nicht mein letzter in die Gegend, und falls jemand bis hierher mitgelesen hat, dann hat er sich eventuell auch Appetit geholt für die Strecke. Insgesamt waren es ca. 2600km auf eigener Achse in 10 Tagen. Bernd hat es schon bewiesen, und auch die illustre Truppe um Inge auf ihrer Ostseetour: die AWO taugt zu mehr als bis zur nächsten Eisdiele! So long.

Gruß Steppe
Reisen ist Abenteuer und erweitert den eigenen Horizont. Es lassen sich alle Nuancen der Natur mit Haut und Haar spüren, von salzige Seeluft auf den Lippen, dem Farbenspiel am Himmel in der Dämmerung, oder die unglaubliche Sternenfülle am Firmament abseits zivilisatorischer Lichtverschmutzung. Man findet heraus, ob man Unrecht hatte in dem, was man glaubte, über andere Länder und Kulturen zu wissen. All das erlebt man nur zwischen Start und Ziel einer Reise! Steppe
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Arcon
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Re: Kurz hinterm Berg

Beitrag von Arcon »

DAS war das Glanzlicht des Abends! Tolle Schreibe, noch schönere Bilder...

Danke Steppe, und gerne mehr solche Beiträge! Und schön, mal nicht nur von Motor-, Getriebe-, Vergaser-und Batterieproblemen zu lesen... :D

Andreas
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ULM

Re: Kurz hinterm Berg

Beitrag von ULM »

Hallo, Steppe
Schöne Bilder haste da wieder gemacht bei deiner Tour. Wenn Du mal wieder in der Gegend von BW bist, bei mir ist immer ein Bett für dich da. Alle Achtung, aber was ist denn mit deinen Gesicht passiert. Da sind so viel Haare drann, ich hätte Dich fast nicht auf dem Foto erkannt. Gruß Uwe
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steckkruemmer
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Re: Kurz hinterm Berg

Beitrag von steckkruemmer »

Hallo Steppe,

schöner Reisebericht und herrliche Bilder... ;;;;;;;;

Grüße Tobias
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Bernde
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Re: Kurz hinterm Berg

Beitrag von Bernde »

dann war der schnupperkurs hoffentlich erfolgreich und du hast blut geleckt?

ich könnt auch gleich wieder los :lol:
vielen dank für diesen schönen bericht und die professionellen bilder !

lg bernde
dirty old men need love too. - burt munro 1899-1978 -
www.fernweh-inc.org
adiozmm

Re: Kurz hinterm Berg

Beitrag von adiozmm »

Einfach nur klasse ;) !


Mega.

Mfg Mathias
Deleted User 141

Re: Kurz hinterm Berg

Beitrag von Deleted User 141 »

;;;;;;; Steppe: 1 - rauf mit Ranzen und Sachen.

Mir wird ein wenig Bange:
muss man jetzt neben AWO-Schrauber .... auch noch Schriftsteller, Literat... sein / werden? :D
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steppe
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Re: Kurz hinterm Berg

Beitrag von steppe »

Danke fürs Danke erst mal!
ULM hat geschrieben:Da sind so viel Haare drann, ich hätte Dich fast nicht auf dem Foto erkannt.
Wenn der Verstand kommt, müßen die Haare weichen. Und sie weichen halt ...
Bernde hat geschrieben:dann war der schnupperkurs hoffentlich erfolgreich und du hast blut geleckt?
Blut geleckt ist kein Ausdruck :mrgreen:
Matthes hat geschrieben:;;;;;;; Steppe: 1 - rauf mit Ranzen und Sachen.

Mir wird ein wenig Bange:
muss man jetzt neben AWO-Schrauber .... auch noch Schriftsteller, Literat... sein / werden? :D
Ist das jetzt 'ne 1 oder 1- ?
Ansonsten wär das sicher ein KO-Kriterium fürs Forum, wenn wir hier eine schriftliche Aufnahmeprüfung machen.
Nee, soll nicht unser Maßstab werden. Möchte die Leute nur mal anregen, auch mal ein paar Tourentips und Erfahrungen beizusteuern. Lockert die ganze Sache doch mal auf, wie Arcon ja schon feststellte.

Gruß Steppe
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Deleted User 141

Re: Kurz hinterm Berg

Beitrag von Deleted User 141 »

is ne glatte 1.
Nee, ist mal sehr interessant was Mancher so erlebt, und wie er es so "rüber" bringt. ;;;;;;;

Gemecker, Neid, und Genöle ist ja oft hier zu lesen, da tu so ein interssanter, schöner und offener Bericht auch mal richtig gut!
Killerniete
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Re: Kurz hinterm Berg

Beitrag von Killerniete »

Alle Achtung !!!!
Und schön geschrieben, kenn die ca. Route auch gut aber mit anderem Möp.
Mit´m Glockner hast aber nicht wirklich was verpasst- zu viel Kommerz und Schiki-Miki.
Grüße aus dem Reservat Muskauer Haide. Torsten

PS. Wer Rechtschreibfehler findet darf sie behalten !!!
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