Hallo an alle,
gestern war es dann soweit: Ich hatte endlich die Zeit, den Motor meiner Sport AWO mit dem Alien-Kolben wieder vollständig zu montieren. Nach Rücksprache mit Krzysztof (Hersteller / Lieferant) wäre es ja unproblematisch, den Kolben in meinen Zylinder einzubauen, der erst vor knapp 1.000 km für den Schmiedekolben geschliffen worden war.
Der Kolbenrand stand bei meinem Zylinder, dessen Dichtflächen noch nicht nachbearbeitet wurden (70 mm Höhe), etwa 0,6 mm unterhalb des Randes der Laufbuchse. Da ich mir bezüglich einer möglichen Kollision unsicher war, habe ich das Quetschmaß sowohl an den Ventiltaschen als auch um 90° versetzt mit Knete ermittelt. Am äußeren Zylinderrand lag das Maß bei 1,18 mm, am Übergang zum Kolbendom bei etwa 0,9 mm. Leider klebte die Knete an dieser Stelle etwas im Zylinderkopf, wodurch die Messung etwas schwieriger war. Alle Maße wurden mit einer digitalen Schieblehre ermittelt.
Der Motor sprang anschließend sehr gut an und hielt auch direkt das Standgas, welches allerdings etwas zu hoch war. Die Vergasereinstellung hatte ich unverändert übernommen, da der Motor damit zuvor mit dem Schmiedekolben problemlos gelaufen war.
Ich bin zunächst zwei Runden über den Hof gefahren. Dabei waren die Vibrationen im Vergleich zu meinem doch recht schweren Schmiedekolben deutlich geringer. Anschließend habe ich das Standgas noch etwas nachreguliert.
Insgesamt ist der Motor mit allen Einstellarbeiten und den kurzen Probefahrten vielleicht 15–20 Minuten gelaufen.
Als ich den Motor anschließend abgestellt hatte und mich für eine kleine Probefahrt fertig machen wollte, fiel mir plötzlich ein Quietschen auf, das sich ähnlich wie ein defektes Lager anhörte.
Daraufhin habe ich die Zündkerze herausgenommen, um die Kurbelwelle von Hand durchdrehen zu können. An mehreren Positionen ließ sich das Geräusch reproduzieren – unabhängig davon, ob sich die Ventile gerade bewegten oder geschlossen waren. Auch beim leichten Hin- und Herdrehen der Kurbelwelle an den entsprechenden Positionen war das Geräusch jeweils in beide Richtungen reproduzierbar.
Mein erster Verdacht war deshalb, dass das Quetschmaß möglicherweise doch zu gering war und es zu einer Kollision gekommen sein könnte.
Also habe ich den Zylinder wieder komplett demontiert. Dabei konnte ich allerdings absolut nichts Auffälliges feststellen. Keine sichtbaren Spuren, keine erkennbaren Kontaktstellen – einfach nichts, was das Geräusch erklären würde.
Leider bin ich mit meinem derzeitigen Wissen etwas überfragt, woher dieses Quietschen kommen könnte.
Ich werde nun alles noch einmal gründlich reinigen und für diese Saison wieder auf den Schmiedekolben zurückrüsten, mit dem der Motor zuvor problemlos gelaufen ist.
Damit ist das Projekt mit dem Alien-Kolben für mich vorerst leider erfolglos beendet. Eventuell besorge ich mir irgendwann noch einen weiteren Zylinder und lasse diesen exakt auf die Maße des Kolbens schleifen, um einen weiteren Versuch zu wagen. Aber definitiv nicht mehr in diesem Jahr.
An dieser Stelle noch einmal vielen Dank an Krzysztof für das Zurverfügungstellen des Kolbens. Auch wenn das Ergebnis derzeit leider nicht so ausgefallen ist, wie ich es mir gewünscht bzw. erhofft hatte.
Zusätzlich möchte ich mich auch noch ganz herzlich bei Volker (AWO-Scheune) bedanken, der mich bei der Umsetzung des Projekts immer wieder geduldig mit seiner Erfahrung sowie zahlreichen Tipps und Hinweisen außerhalb des Forums unterstützt hat.
Vielen Dank euch beiden!
Anbei natürlich auch noch ein paar Bilder.
