Neuer Motor klopft, wieder zerlegt...
Verfasst: Sa 24. Sep 2011, 21:42
Hallo Motorenexperten,
habe heute meinen letzten Winter neu aufgebauten Sport-Motor nach ca. 500 km wieder zerlegt.
Der Motor wurde ohne Rücksicht auf Kosten mit den vermeintlich besten verfügbaren Teilen überholt, Kurbelwelle aus Eisenach und Kolben aus Braunschweig (die teuren). Nun sind ein paar Fragen aufgetaucht.
Es fing damit an, daß nach der ersten längeren Ausfahrt, bei der ich kurzzeitig auch mal 90-100 km/h gefahren bin, anschließend unter Last ein leichtes klopfendes Geräusch zu hören war. Der Motor war da vielleicht 200 km gelaufen. Aber nur unter Last, also besonders beim Beschleunigen zu hören, im Leerlauf hört man es nur, wenn man einen kurzen Gasstoß gibt. Besonders deutlich hört man es im kalten Zustand, bei warmen Motor ist es weniger zu hören. Das Klopfen ist exakt synchron zur Drehzahl. Bei hoher Drehzahl geht es dann im allgemeinen Motorengeräusch unter. Es spielt keine Rolle, ob ich viel oder wenig Gas gebe, es kommt immer unter Last.
Ich bin anschließend noch ein paar mal gefahren, der Motor läuft sonst tadellos, hat auch super Leistung, bringt locker 110 km/h. Das Geräusch ist aber etwas stärker geworden. Da mein Motor sonst immer sehr leise gelaufen ist, hat mich das Geräusch doch etwas beunruhigt, und um größeren Schaden zu vermeiden, habe ich heute schweren Herzens mit Demontagearbeiten angefangen.
Zuerst habe ich den Motor ohne Ventildeckel laufen lassen und mit einem Schraubenzieher abgehört, Veniltrieb scheint es jedenfalls nicht zu sein. Dann habe ich durch die Zündkontrollbohrung die Schwungscheibe mit einem Schraubendreher hin und her bewegt und habe dabei im OT einen kurzen "Leerweg" von vielleicht 5 mm an der Schwungscheibe festgestellt, bis der Widerstand des Kolbens im Zylinder zu spüren ist. Dachte zuerst an eine lose Schwungscheibe und habe das Getriebe ausgebaut. Aber dort war alles fest und der gefühlte Leerweg war dann auch an der Lichtmaschinenschraube genauso groß wie an der Schwungscheibe. Außerdem hätte eine lose Schwungscheibe wohl nicht so ein definiertes gleichmäßiges Klopfen unter Last erzeugt.
Als nächstes habe ich auf eine Pleuellagerschaden getippt. Allerdings kenne ich Lagerschäden des unteren Pleuellagers, diese hört man eigentlich auch beim Abtouren im Leerlauf, vielleicht also eher Kolbenbolzen?
Also Kopf und Zylinder runtergeschraubt. Kolbenbolzen ist jedenfalls ok gewesen und am unteren Pleuellager konnte ich mit der Hand kein ungewöhnliches Spiel spüren. Das Kolben- und Zylinderlaufbild sieht vorbildlich aus, keine Freß- oder Klemmspuren, gleichmäßiges Laufbild am Kolbenhemd quer zur Bolzenachse. Was nun?
Habe versucht, das Pleuel mit einem Dorn auf dem Kurbelgehäuse festzuhalten und an der Schwungscheibe gewackelt - nichts zu spüren. Also bleibt nur noch Kolbenkippen
Wäre von der Charakteristik die logischste Erklärung, da das Klopfen nur unter Last jeweils im OT auftritt, wenn der Kolben sich an die andere Zylinderseite legt. Und in warmen Zustand wird das Laufspiel sicher kleiner und damit auch das Geräusch.
Der Kolben hat als eingeschlagenes Maß 68,95.
Die Vermessung (zunächst mit einem Meßschieber, deshalb +/- 2/100 mm Fehlertoleranz möglich) hat folgendes ergeben:
- Feuersteg bzw. Ringzone 68,60 in beiden Achsen
- unterm Ölabstreifer 68,80 quer zur Kolbenbolzenachse, und 68,65 über den Bolzenaugen in Bolzenrichtung
- unterm Bolzenauge 68,85 quer zum Bolzen, und 68,75 in Bolzenrichtung
- ganz unten 68,90 quer, und 68,80 in Bolzenrichtung
Hm, vom Verlauf erscheinen mir die Maße normal (soweit zum Thema oval und ballig). Die Frage ist, ob das Einbauspiel doch zu groß ist. Muß natürlich Montag nochmal mit Meßschraube und Innentaster nachmessen.
Wenn das eingeschlagene Maß das Nennmaß des neuen Kolbens war, dann scheint er allerdings etwas geschrumpft zu sein. Das Zylindermaß müßte dann theoretisch ca. 68,99 sein (habe auf 4/100 Einbauspiel bohren lassen). Das heißt der Kolben hätte jetzt ein knappes 1/10 Laufspiel unten am Kolbenhemd. Oben sind es schon fast 4/10!
Nun meine Fragen:
1. Kann ein neuer Kolben nach der ersten stärkeren Beanspruchung so stark schrumpfen?
2. Würde man das Kolbenkippen bei einem Laufspiel von ca. 1-2/10 schon deutlich hören?
3. Kann einer von Euch bitte mal mit dem Schraubenzieher durch die Kontrollbohrung an der Schwungscheibe wackeln, ob dort im OT auch so ein "Leerweg" zu spüren ist? Vielleicht ist das ja normal?
4. Kann es doch ein Pleuellagerproblem sein, das man am Pleuel mit der Hand nicht spürt?
Falls sich mein Verdacht mit dem Kolben bestätigt, wo bekomme ich einen Kolben, der auch bei starker Beanspruchung nicht schrumpft? Ich fahre schon gerne sportlich.
Danke vorab, bin für alle Tips dankbar.
Grüße zum Wochenende,
Andreas

habe heute meinen letzten Winter neu aufgebauten Sport-Motor nach ca. 500 km wieder zerlegt.
Der Motor wurde ohne Rücksicht auf Kosten mit den vermeintlich besten verfügbaren Teilen überholt, Kurbelwelle aus Eisenach und Kolben aus Braunschweig (die teuren). Nun sind ein paar Fragen aufgetaucht.
Es fing damit an, daß nach der ersten längeren Ausfahrt, bei der ich kurzzeitig auch mal 90-100 km/h gefahren bin, anschließend unter Last ein leichtes klopfendes Geräusch zu hören war. Der Motor war da vielleicht 200 km gelaufen. Aber nur unter Last, also besonders beim Beschleunigen zu hören, im Leerlauf hört man es nur, wenn man einen kurzen Gasstoß gibt. Besonders deutlich hört man es im kalten Zustand, bei warmen Motor ist es weniger zu hören. Das Klopfen ist exakt synchron zur Drehzahl. Bei hoher Drehzahl geht es dann im allgemeinen Motorengeräusch unter. Es spielt keine Rolle, ob ich viel oder wenig Gas gebe, es kommt immer unter Last.
Ich bin anschließend noch ein paar mal gefahren, der Motor läuft sonst tadellos, hat auch super Leistung, bringt locker 110 km/h. Das Geräusch ist aber etwas stärker geworden. Da mein Motor sonst immer sehr leise gelaufen ist, hat mich das Geräusch doch etwas beunruhigt, und um größeren Schaden zu vermeiden, habe ich heute schweren Herzens mit Demontagearbeiten angefangen.
Zuerst habe ich den Motor ohne Ventildeckel laufen lassen und mit einem Schraubenzieher abgehört, Veniltrieb scheint es jedenfalls nicht zu sein. Dann habe ich durch die Zündkontrollbohrung die Schwungscheibe mit einem Schraubendreher hin und her bewegt und habe dabei im OT einen kurzen "Leerweg" von vielleicht 5 mm an der Schwungscheibe festgestellt, bis der Widerstand des Kolbens im Zylinder zu spüren ist. Dachte zuerst an eine lose Schwungscheibe und habe das Getriebe ausgebaut. Aber dort war alles fest und der gefühlte Leerweg war dann auch an der Lichtmaschinenschraube genauso groß wie an der Schwungscheibe. Außerdem hätte eine lose Schwungscheibe wohl nicht so ein definiertes gleichmäßiges Klopfen unter Last erzeugt.
Als nächstes habe ich auf eine Pleuellagerschaden getippt. Allerdings kenne ich Lagerschäden des unteren Pleuellagers, diese hört man eigentlich auch beim Abtouren im Leerlauf, vielleicht also eher Kolbenbolzen?
Also Kopf und Zylinder runtergeschraubt. Kolbenbolzen ist jedenfalls ok gewesen und am unteren Pleuellager konnte ich mit der Hand kein ungewöhnliches Spiel spüren. Das Kolben- und Zylinderlaufbild sieht vorbildlich aus, keine Freß- oder Klemmspuren, gleichmäßiges Laufbild am Kolbenhemd quer zur Bolzenachse. Was nun?
Habe versucht, das Pleuel mit einem Dorn auf dem Kurbelgehäuse festzuhalten und an der Schwungscheibe gewackelt - nichts zu spüren. Also bleibt nur noch Kolbenkippen
Der Kolben hat als eingeschlagenes Maß 68,95.
Die Vermessung (zunächst mit einem Meßschieber, deshalb +/- 2/100 mm Fehlertoleranz möglich) hat folgendes ergeben:
- Feuersteg bzw. Ringzone 68,60 in beiden Achsen
- unterm Ölabstreifer 68,80 quer zur Kolbenbolzenachse, und 68,65 über den Bolzenaugen in Bolzenrichtung
- unterm Bolzenauge 68,85 quer zum Bolzen, und 68,75 in Bolzenrichtung
- ganz unten 68,90 quer, und 68,80 in Bolzenrichtung
Hm, vom Verlauf erscheinen mir die Maße normal (soweit zum Thema oval und ballig). Die Frage ist, ob das Einbauspiel doch zu groß ist. Muß natürlich Montag nochmal mit Meßschraube und Innentaster nachmessen.
Wenn das eingeschlagene Maß das Nennmaß des neuen Kolbens war, dann scheint er allerdings etwas geschrumpft zu sein. Das Zylindermaß müßte dann theoretisch ca. 68,99 sein (habe auf 4/100 Einbauspiel bohren lassen). Das heißt der Kolben hätte jetzt ein knappes 1/10 Laufspiel unten am Kolbenhemd. Oben sind es schon fast 4/10!
Nun meine Fragen:
1. Kann ein neuer Kolben nach der ersten stärkeren Beanspruchung so stark schrumpfen?
2. Würde man das Kolbenkippen bei einem Laufspiel von ca. 1-2/10 schon deutlich hören?
3. Kann einer von Euch bitte mal mit dem Schraubenzieher durch die Kontrollbohrung an der Schwungscheibe wackeln, ob dort im OT auch so ein "Leerweg" zu spüren ist? Vielleicht ist das ja normal?
4. Kann es doch ein Pleuellagerproblem sein, das man am Pleuel mit der Hand nicht spürt?
Falls sich mein Verdacht mit dem Kolben bestätigt, wo bekomme ich einen Kolben, der auch bei starker Beanspruchung nicht schrumpft? Ich fahre schon gerne sportlich.
Danke vorab, bin für alle Tips dankbar.
Grüße zum Wochenende,
Andreas
