Als es weder Telefon...
Verfasst: Do 10. Feb 2022, 12:19
... Computer, noch ADAC gab und der ABV auf Schwalbe unterwegs war.
Wie immer, so um 1976 rum, war ich gerade beim Motorenbau, da kam meine damalige Alde - ( ja, ganz normaler Straßenjargon, "geil" war ein Geheimwort und "cool" noch nicht erfunden) - auf die Idee nach Zinnowitz zu fahren, um dort Urlaub zu machen. Nun hatte ich aber gerade mein altes Auto verkauft und noch keinen Ersatz gefunden, da fahren mir eben mit der AWO. Für den wiedermal neuen Motor fehlte mir aber der entsprechende 72er Kolben, der Exzenterzapfen war auch noch in Arbeit. Dem Mädel waren die Tränen nahe. In der Schuppenecke fand ich noch einen vom speziellen spezial Spezialisten angefertigten 74er Kolben, die Urlaubsrettung war nah. Noch am Vortag der Reise den Motor fertig gebastelt, 30 kg Werkzeugkoffer nebst Zelt und Gepäck aufgeschnallt und am nächsten Tag mal losgefahren.
Bis Dresden mußte ich wegen starker Motorhitze und Quietschgeräuschen aller 10km auf Schrittgeschwindigkeit runter, aber bis zur Küste fährt sich das noch ein. Irgendwann kurvten wir auf dem Berliner Ring rum, tatsächlich schon so weit gekommen, doch plötzlich und ganz unerwartet ein völlig neues, unheilvolles Geräusch. Sofort Kupplung gezogen und rollen lassen, es ging leicht abwärts und in der Ferne war ein P-Schild zu sehen, 100m mußte ich dann noch aber ohne Beatmungszelt schieben. Auf dem Parkplatz, mitten in der preußischen Pampa, versuchte ich nach den Fehler zu suchen. Den Motor wird man innerhalb der nächsten Stunde nicht anfassen können, so schraubte ich die verbotene Schraube auf, könnte ja sein, man sieht schon ein Übel. Es sah aus, als würde sich nur eine Hälfte der Nockenwelle drehen, okeh, auf dem Parkplatz nicht reparabel. Und nun ? Keine Straße, kein Weg, kein Dorf in der Nähe. Die geschmierten Bemmen waren in der Sonne auch nur noch Matsch. Mir war, als hätte ich Watte oder Styropor im Kopf.
Plötzlich, wie aus heiterem Himmel fuhr ein GST W50 mit haufen gröhlenden Kindern auf der Ladefläche vor. Der jugentliche Fahrer: Können mir helfen, wo wollt ihr hin ? Mir fahren an die Ostsee. Da könnten mir euch mitnehmen. Danke, was soll ich mit der kaputten Karre an der See ? Habt ihr ne Ahnung wo der nächste Bahnhof ist ? Er suchte (nicht im Navi) auf der Karte und meinte, so in etwa 50 km. Nach geraumer Zeit der Überlegung und Befragung seiner Kinderschar, bot er mir an, uns samt Karre zum Bahnhof zu fahren.
Dann das Theater mit dem Bahnhofsvorsteher. Benzin muß abgelassen werden - wo rein und wo hin mit der Brühe !? Der Lenker muß in Fahrtrichtung gedreht werden. Wer schiebt die Karre auf den Güterzug, wann kommt da überhaupt einer ? Ich muß ziemlich durch den Wind gewesen sein, denn an diese Vorgänge und wie wir wieder zu Hause angekommen sind, kann ich mich nicht mehr erinnern. Wann und wo kann ich denn nun die Karre in Karl-Marx-Stadt wieder abholen ?? Den Güterbahnhof aus der Telefonzelle anrufen, ging gar nicht, selbst wenn man eine Nummer gefunden hätte ?! Also mit Straßenbahn ne Stunde zum Güterbahnhof gefahren und die Dinge in Erfahrung gebracht. Nach 3 Wochen! war es dann soweit. Wieder mit der Straßenbahn usw. in westlicher Richtung von K.-M.-St. Sity die Karre abgeholt. Herrlicher Tag, kein Regen und bis an den östlichsten Vorstadtrand, wo ich in der umgebauten Gartenlaube meine Werkstatt hatte, wirst du das schon schaffen. Da es nun im Tagesverlauf schon ziemlich heiß wurde, kam mir eine windige Idee, schiebst das kurze Stück Kaßbergauffahrt hoch und kannst dann die Harlaßstraße schön bergab im Gegenwind runterrollen. Daß es aber nach der Auffahrt noch einen Kilometer weiter leicht bergauf ging, merkte ich erst an der Glühbirne und die Abfahrt war nach 20 Sekunden beendet. löööl. 35°C im Schatten, anscheinend gab es damals auch schon Erderwärmung, machten die restlichen 15km auch nicht einfacher. Tage später, nach der Erholung, den Motor...es kam ein 3-geteilter Kolben zum Vorschein, die Nockenwelle war noch ganz.
Und wenn er nicht gestorben ist, so schiebt er noch heute.
Wie immer, so um 1976 rum, war ich gerade beim Motorenbau, da kam meine damalige Alde - ( ja, ganz normaler Straßenjargon, "geil" war ein Geheimwort und "cool" noch nicht erfunden) - auf die Idee nach Zinnowitz zu fahren, um dort Urlaub zu machen. Nun hatte ich aber gerade mein altes Auto verkauft und noch keinen Ersatz gefunden, da fahren mir eben mit der AWO. Für den wiedermal neuen Motor fehlte mir aber der entsprechende 72er Kolben, der Exzenterzapfen war auch noch in Arbeit. Dem Mädel waren die Tränen nahe. In der Schuppenecke fand ich noch einen vom speziellen spezial Spezialisten angefertigten 74er Kolben, die Urlaubsrettung war nah. Noch am Vortag der Reise den Motor fertig gebastelt, 30 kg Werkzeugkoffer nebst Zelt und Gepäck aufgeschnallt und am nächsten Tag mal losgefahren.
Bis Dresden mußte ich wegen starker Motorhitze und Quietschgeräuschen aller 10km auf Schrittgeschwindigkeit runter, aber bis zur Küste fährt sich das noch ein. Irgendwann kurvten wir auf dem Berliner Ring rum, tatsächlich schon so weit gekommen, doch plötzlich und ganz unerwartet ein völlig neues, unheilvolles Geräusch. Sofort Kupplung gezogen und rollen lassen, es ging leicht abwärts und in der Ferne war ein P-Schild zu sehen, 100m mußte ich dann noch aber ohne Beatmungszelt schieben. Auf dem Parkplatz, mitten in der preußischen Pampa, versuchte ich nach den Fehler zu suchen. Den Motor wird man innerhalb der nächsten Stunde nicht anfassen können, so schraubte ich die verbotene Schraube auf, könnte ja sein, man sieht schon ein Übel. Es sah aus, als würde sich nur eine Hälfte der Nockenwelle drehen, okeh, auf dem Parkplatz nicht reparabel. Und nun ? Keine Straße, kein Weg, kein Dorf in der Nähe. Die geschmierten Bemmen waren in der Sonne auch nur noch Matsch. Mir war, als hätte ich Watte oder Styropor im Kopf.
Plötzlich, wie aus heiterem Himmel fuhr ein GST W50 mit haufen gröhlenden Kindern auf der Ladefläche vor. Der jugentliche Fahrer: Können mir helfen, wo wollt ihr hin ? Mir fahren an die Ostsee. Da könnten mir euch mitnehmen. Danke, was soll ich mit der kaputten Karre an der See ? Habt ihr ne Ahnung wo der nächste Bahnhof ist ? Er suchte (nicht im Navi) auf der Karte und meinte, so in etwa 50 km. Nach geraumer Zeit der Überlegung und Befragung seiner Kinderschar, bot er mir an, uns samt Karre zum Bahnhof zu fahren.
Dann das Theater mit dem Bahnhofsvorsteher. Benzin muß abgelassen werden - wo rein und wo hin mit der Brühe !? Der Lenker muß in Fahrtrichtung gedreht werden. Wer schiebt die Karre auf den Güterzug, wann kommt da überhaupt einer ? Ich muß ziemlich durch den Wind gewesen sein, denn an diese Vorgänge und wie wir wieder zu Hause angekommen sind, kann ich mich nicht mehr erinnern. Wann und wo kann ich denn nun die Karre in Karl-Marx-Stadt wieder abholen ?? Den Güterbahnhof aus der Telefonzelle anrufen, ging gar nicht, selbst wenn man eine Nummer gefunden hätte ?! Also mit Straßenbahn ne Stunde zum Güterbahnhof gefahren und die Dinge in Erfahrung gebracht. Nach 3 Wochen! war es dann soweit. Wieder mit der Straßenbahn usw. in westlicher Richtung von K.-M.-St. Sity die Karre abgeholt. Herrlicher Tag, kein Regen und bis an den östlichsten Vorstadtrand, wo ich in der umgebauten Gartenlaube meine Werkstatt hatte, wirst du das schon schaffen. Da es nun im Tagesverlauf schon ziemlich heiß wurde, kam mir eine windige Idee, schiebst das kurze Stück Kaßbergauffahrt hoch und kannst dann die Harlaßstraße schön bergab im Gegenwind runterrollen. Daß es aber nach der Auffahrt noch einen Kilometer weiter leicht bergauf ging, merkte ich erst an der Glühbirne und die Abfahrt war nach 20 Sekunden beendet. löööl. 35°C im Schatten, anscheinend gab es damals auch schon Erderwärmung, machten die restlichen 15km auch nicht einfacher. Tage später, nach der Erholung, den Motor...es kam ein 3-geteilter Kolben zum Vorschein, die Nockenwelle war noch ganz.
Und wenn er nicht gestorben ist, so schiebt er noch heute.