OBS hat geschrieben: Di 16. Feb 2021, 17:01
Natürlich kann es passieren, dass sich im Laufe der Jahrzehnte das Spaltmaß der Zentriernocken der Bremsankerplatte gegen die Aufnahme an den Gabelholmen vergrößert. Aber um dies wieder passend zu machen, schweißt man beidseitig etwas auf und feilt es wieder passend. Mit einer Strebe würde ich meine Bremsankerplatte nicht versehen.
Moin,
Wenn man dort schon aufschweißt, würde ich ich statt die ursprüngliche Kontur wieder herzustellen anders vorgehen. Ich hatte das Ganze mal im R35-Forum beschrieben und jetzt mal kopiert:
"Als erster Punkt, der mich schon seit Jahren irritiert, ist der original bei BMW und EMW, aber auch bei anderen Herstellern ähnlich konstruierte Bremsgegenhalter insbesondere an der Telegabel, anzumerken. Die Gabel weist an der Achsdurchführung eine gerade gefräste Nut auf, in der entspechende Gegenhalter der Bremsankerplatte eingreifen. Durch das Festziehen der Steckachse wird ein sehr inniger Kontakt der entsprechend aufgereihten Bauteile (Bund der Steckache, Radlager, Distanzstück (in der Radabe), Radlager, Bremsankerplatte, Telegabelholm in axialer Richtung erreicht. Telegabelholm und Bremsankerplattengegenhalter weisen dagegen radial um ihren gemeinsamen Mittelpunkt gesehen meist schon ein mehr oder weniger großes Spiel (Fertigungstoleranzen, Verschleiß, etc.) auf, welches sich beim Bremsen in einem minimalen Mitdrehen der gesamten vorderen Bremsenkerplatte um die Steckachse herum manifestiert, bevor die Bremse dann greift. Dieser Effekt wird im Laufe er Zeit immer größer, wenn den dort einmal minimal Spiel vorhanden ist und kann in einem völligen Zerwürgen der Gegenhalter enden. Ich halte das ganze für keine gelungene Konstruktion und wundere mich, warum das über so viele Jahre Stand der Technik zu sein schien.
Auch mein rechter Telegabelholm der SAG R35 sowie die zugehörge Bremsankerplatte waren von dieser Krankheit befallen. Das war sicherlich originalgetreu wieder herzustellen, also heilbar.
Mein Hauptaugenmerk richtete sich allerdings vorerst auf die Ausführung des Bremsgegenhalters an der Kontaktstelle Bremsankerplatte/Telegabelholm. Die aktuelle Variante sieht folgendermaßen aus:
Meine Idee war nun, die Kontaktstelle Bremsankerplatte/Telegabelholm
konisch auszuführen, um die bekannte Schwachstellen der bisherigen Konstruktion, das dort entstehende Spiel, unmöglich zu machen. Das Entscheidende ist dabei lediglich bei der Ausführung, dass beim Anziehen der Steckachse erst nur die Konen tragen und dann nachfolgend ein minimaler Kontakt der ausgearbeiteten Stirnflächen stattfindet. 1/10 mm Unterschied in der Höhe zueinander ist dazu mehr als ausreichend. Als Winkel für die Konen wurden 10 Grad gewählt. Damit sollten sich alle Anforderungen bewerkstelligen lassen. Grundsätzlich sollte dabei die Optik beibehalten werden und der Aufwand (möglichst) gering bleiben.
Bremsankerplatte und Telegabelholm wurden an den entsprechenden Stellen nachgeschweißt, um Fleisch für die nachfolgenden Fräsarbeiten zu haben. Für die grundsätzliche Ausrichtung des Telegabelholms für die Fräsarbeiten musste noch ein Zentrierdorn mit M16x1,5 Linksgewinde gefertigt werden, der von der Gegenseite in die Steckachsenaufnahme eingeschraubt wurde.
Schlussendlich sahen beide Teile im Rohzustand nach dem Fräsen so aus:
Nach dem Feintuning und der Farbbehandlung war alles einbaufertig für meine Patina-Maschine:
Beim ersten Bremsen, noch schiebeweise im Keller, war es schon ein Unterschied wie Tag und Nacht. Nach mittlerweile 610 Kilometern muss ich sagen, ich hatte noch nie bei einem alten Motorrad eine so gut funktionierende Vorderradbremse. Alleine die Abwesenheit dieses "weichen Gefühls" wegen des früheren Spiels an der Kontaktstelle Bremsankerplatte/Telegabelholm, das es nun überhaupt nicht mehr gibt, war den ganzen Aufwand wert ... "
Das war irgendwann 2017 und heute nach einigen tausend Kilometern damit ist die ganze Geschichte immer noch spielfrei und bremst hervorragend.
Gruß Schwarzarbeiter