Tatratrip 2015 Berndes 3. AWO-Abenteuer
Verfasst: Mi 24. Jun 2015, 16:52
Hallo Leute!
Hätte da mal wieder bissl zum schmökern für euch
hoffe ich schaffe in den nächsten Tagen noch paar mehr Zeilen. Das hier erstmal zum aufwärmen.
Tatratrip 2015
Tomasz (AWO T -solo-)
Bernde (AWO S -gespann-)
Przemek (Yamaha XT)
03.06. bis 07.06.2015
Vorwort.
Initialzündung diesmal ( wiedermal ) war ein total nettes Gespräch nach dem Genuß geistiger Getränke mit Tomasz und Karo beim Wintertreffen in Danewitz. Als die Worte „weiter als letztes Mal“, Beskiden und „hohe Tatra“ fielen, wars um uns geschehn. Es war nicht ganz abzusehen, ob es wirklich klappen würde, aber in Gedanken waren die Tage um Fronleichnam schon gebucht.
Als dann nach dem Schraubertag der eingebaute Nordkapersatzmotor mit dem fehlerhaften Zylinderkopf anfing, mehr als 7 liter/100km zu „saufen“, nicht mehr mit kicken ansprang und kaum noch Leistung hervorbrachte, war es wieder an der Zeit einen Notruf gen Reinsdorf abzusetzen. Rene' hat uns noch nie im Regen stehen lassen und so bekam ich einen schnellen Termin.
Kurz und Knapp: den Kopf mußten wir verwerfen. Neuer Kopf aus seinem Fundus, neue Ventilführungen und Ventile, alles wieder zusammen fertig. Ergebnis war mehr Kompression als je zuvor, sprang sofort an und lief gut.
Bei schönstem Sonnenschein auf dem gemütlichen Sofa seiner Werkstattterasse inkl. frischen Semmeln, selbstgemachter Leberwurst und (schon wieder) geistigem Getränk kommen einem ja so manch verrückte Gedanken. Und so bot Rene' mir an, einen seiner ersten Tuningmotoren mit hoher Verdichtung, und 74,5er Jokisch-Flachkolben mit zunehmen. Ich könne ihn fahren bis er den Geist aufgibt und dann wiederbringen. „kann 500, kann 1500km halten! “, sagte er mir, Da es mit den Kolben in der Vergangenheit einige Probleme gab, wollte er keine größeren Touren mehr machen. (Ich ja auch nicht... und was heißt schon „groß“ … :-) ). Andererseits lief der Motor tadellos und hatte auch wirklich jede Menge Kraft, war also auch zu schade zum einfach „auseinanderrupfen“. Also fahren, fahren, fahren, bis Schluß ist.
Rene' wollte sogar auch mit fahren, entschied sich dann aber , weil sonst wieder eine Woche die Arbeit liegen geblieben wäre und die Leute doch auch alle auf ihre Motoren warten würden, gegen Reisen und für Arbeiten ( Hut ab ! )
Wieder glücklich zu Hause angekommen, bekam das Gespann den Tuningmotor eingebaut, frisches Öl drauf und Testfahrt. Tja, wenn mans nicht kann, soll mans lassen oder aus Fehlern lernen. Lichtmaschine falsch angeklemmt Regler abgekocht. Nach Berichtigung des Fehlers ging es zwar, aber der Kontakt im Regler sah nicht grad mehr gut aus. Naja, die rote Lampe ging aus und Rene' schickte mir einen neuen Regler, der zur Zeit kommen sollte. Streik sei „Dank“, kam er aber ainen Tag zu spät und so fuhr ich eben auf gut Glück mit einem anderen gebrauchten Regler im Gepäck los.
Sonstige Technische Vorbereitungen:
Heidenau Enduropellen aufgezogen,
Beiwagenaufhängung (diejenige, welche auf dem Heimweg vom Nordkap in Schweden von Roland geschweißt wurde und bis jetzt gehalten hat)durch eine äußerst solide Replik ersetzt
nach ca, 17000 Gespannkilometern endlich abends um 8 mit Opa zusammen den Fehler in der Beiwagengeometrie erkannt und behoben
Einbau Solokardan
Ölwechsel Motor, Getriebe, Kardan
Ein Problem war diesmal auch das Wetter. Wir hatten ausgemacht, eine Woche vorher verbindlich „ja“ oder „nein“ zur Fahrt zu sagen. Es war ja wirklich für die Woche um Fronleichnam kein gutes Wetter angesagt, was mir wiederum das „ja“ sehr erleichterte, Heu würde ich nicht machen, wenns regnet. Also sagte ich zu. Und als hätte ichs geahnt, wird kurz vor Reisebeginn die 14 Tage – Schlechtwetterprognose zu einer 7 Tage - Hochsommerprognose ? Eine ganz doofe Situation , die mich um den Schlaf brachte. Wir hielten Familienrat und entschieden uns dafür, ich solle mich vom Acker machen und das Futter machen wir die Woche drauf !
So, Sachen packen, Reservekanister auffüllen, Reiseutensilien, wie Zelt, Schaffell, Schlafsack, norwegischen Grundbrandsalsost, Isomatte, Ersatzteile, Sherry, IM NU, Brot, EC-Karte, Papiere, Emailletippel, Polenatlas, AWOBIBEL, polnisch- deutsch Wörterbuch, Benzinkocher, Zucker, Salz und paar Süßigkeiten zusammensuchen und verstauen.... und warten, daß der Morgen graut.....
Auf die Plätze ! Fertig ! Los !
Tag 1
Nach einer herzlichen Verabschiedung von meiner lieben Anja, den Kids und den Eltern geht’s ab Richtung Osten.
Tomasz hat sich schon Dienstag Nachmittag nach Srebrna Gora aufgemacht, übernachtet dort bei seinem Kumpel und dort wollen wir uns treffen. Zirka 200km trennen uns also heute noch, bevor die „richtige Fahrt“ beginnt. Die sollten bis kurz nach Mittag zurückgelegt sein.
Bei schönem Sonnenschein und angenehmen Temperaturen genieße ich, nachdem wir uns durch Zgorzelec durchgezirkelt haben, den guten Straßenbelag der Straße Nr. 30. Mit dem kräftigen Motor macht das fahren durch die leicht wellige Landschaft Spaß. Wir pendeln so um die 80km/h mit Solokardan und auch Steigungen steckt der Antrieb super weg. Könnte man sich dran gewöhnen.
Luban, Gryfow und Jelenia Gora fliegen vorbei. in Stück hinter Bolkow suchen wir uns auf kleineren Straße den Weg um Walbrzych herum Richtung Süden (Swidnica, Bielawa, Srebran Gora).
Auf dem schönen Marktplatz von Srebrna Gora (Silberberg) wartet Tomasz schon. Nach einer herzlichen Begrüßung und ein wenig Geplauder gibt’s auch schon was zu reparieren. Die Touren verliert Öl und die Kupplung rutscht. Tomek hat schon eine Werkstatt aufgetan und so fahren wir nach Zabkowice Sl. .
In einer kleinen Werkstatt mit großem „Abstellplatz“ für schrottige Mopeds, auf einem Hinterhof bekommen wir Hilfe. Uwe ist ein netter Kerl, der uns alles was wir brauchen zur Verfügung stellt. Hier wird alles repariert was 2 Räder hat, vom 50 Kubiker über Gummikuh bis zum fetten Harley – Chopper und nu auch noch AWO :-).
Ruck Zuck liegt das Getriebe neben der Maschine. Kupplung raus und entfetten. Die große Nuß für die Sicherungsschraube borgt uns Uwe, aber den Schwungscheibenabzieher hab ich dabei.
Der Simmerring deht gut raus, aber die Ringfeder ist auseinander. Neuen Simmerring hab ich auch mit. Schnell ist alles wieder gesäubert, abgedichtet und zusammengesteckt. Und die Sonne brennt. Zwischendurch quatscht uns noch ein Yamahafahrer an, der auch ne AWO hat und Tomasz lädt ihn ins awoforum.pl ein. Nach einer freundlichen Verabschiedung ziehen wir weiter.
Die Fahrt geht durch meist flaches Land. Rechts von uns ziehen sich mal näher, mal weiter im Hintergrund die verschieden Höhenzüge der zu den Sudeten gehörenden kleineren Bergketten. Hinter Paczkow überqueren wir die tschechische Grenze, um Nahe Bili Potok an einer Gaststätte ein verspätetes Mittagessen einzunehmen. Es gibt laut Auskunft des Kellners nur ein Gericht. Suppe aus der elektrischen Warmhalteterine. OK. Nehmen wir. Plus 2 mal Marconi Mineralwasser. 12 Zloty. Billig hier ! Wir essen auf der Terasse. Die Suppe schmeckt hervorragend, und ist sättigend, wenn wir auch nicht wissen, was drin ist. Brot essen wir von uns welches dazu. Nach dieser Stärkung geht’s erstmal auf der tschechischen Seite weiter. Die Straßen hier sind in sehr gutem Zustand und schlängeln sich schön durch die Felder, Wiesen und klienere Ortschaften. „Toll zu fahren!“, sind wir einer Meinung. Als landwirtschaftlich interessierter … Landwirt... :-) … fallen mir die großen und sehr ordentlich bewirtschafteten Felder auf. Nur ein wenig zuviel Weizen in Monokultur für meinen Geschmack. Auf den Wiesen wird Heu oder Silage gemacht. Auch die Technik ist modern und kann sich sehen lassen.
Unseren dritten Mitstreiter gabeln wir kurz hinter der Grenze auf polnischer Seite in Glucholazy auf. Przemek hat eine Yamaha XT und nach kurzer Unterhaltung machen wir uns nun zu dritt auf den Weg. Das heutige Tagesziel werden wir wohl nicht mehr schaffen. Deshalb machen wir erstmal paar Kilometer und werden sehen, wohin uns der Wind treibt. Ganz grob verläuft unser Weg durch Prudnik, Glubczyce, Kietrz, Raciborz (wo wir die noch kleine Oder überqueren), Wodzislaw Sl., und Jastrzebie Zdroj. Dann gehts eine Weile an der Weichsel entlang, an Skoczow vorbei bis Ustron. Hier wollten wir eigentlich morgen das Motorradmuseum „Rdzawy Diamenty“, (rostige Diamanten) angucken. Nun stehen wir im dunklen davor und beratschlagen, wo unser Lager für die Nacht sein wird. Am Tor steht eine Telefonnummer, die wir anrufen. Remi (Remigiusz), der „Museumsleiter“ empfängt uns ein paar hundert Meter weiter die Straße rauf. Er ist hin und weg über unsere Maschinen und bietet uns sofort an, im Museum übernachten zu können. Ob da wohl auch wie im Hollywoodstreifen die ausgestellten Exponate nachts lebendig werden ?
Sein kleiner Sohn will im Beiwagen mitfahren. Nun, der ist voll Gepäck. Also wird kurzerhand das Schaffell auf die Essensbox gelegt und der Kleine obendrauf gepflanzt.
„Gut festhalten!“ Tomasz gibt ihm seinen Helmunterzieher, damit es wenigstens so aussieht, wie ein Helm. Prompt kommt auch ein Streifenwagen vorbei, aber behelligt uns nicht . Und los geht die lustige Fuhre durch die Stadt bis wieder vor die Tore des Museums. Der Kleine steigt völlig high [ vorsicht denglisch!! für alle die es nicht mögen, wirrr sind jarrr teutsche: sinngemäß übersetzt, „über alle Maßen begeistert“ (kleiner Scherz nicht böse sein)] ab und ist kaum noch zu bremsen vor Glück.
Wir sind baff, daß wir hier schlafen können , inmitten von wirklichen Schätzen. Erstmal gibt’s eine Führung durch die Katakomben, die bis zur Decke voll gestellt sind mit wirklich sehenswertem Alteisen. Von Remi's Schmuckstück, einem über 100 Jahre alten Eisschrank über Zonenmaschinen (Panonina, Awo, Isch, Ural, Jawa usw.) über jede Menge Vorkriegsbriten ( AJS, Rudge, Viktoria, BSA, Enfield, JAP usw.), weiter zu den deutschen DKW, Wanderer, NSU und ach, weiß der Teufel noch für welche
,
bis hin zu völlig unbekannten Maschinen aus lokaler Produktion und Eigenbauten läßt ein Raum nach dem anderen das Schrauberherz höher schlagen. Dutzende von kleinen und großen Blechschildern mit zum Teil skurrilen Aufschriften gibt es zu bestaunen und zu jedem Exponat weiß Remi was zu erzählen. Bald nimmt er mich beiseite und meint, ich könne ihm ja auch was schicken. Kann ruhig Schrott sein. Irgendwo wird es sicher sein würdiges Plätzchen finden.
Nach soviel input gibt’s erstmal nen schwarzen Tee für mich, Bier und Glimmstengel für die anderen. Immer ausgelassener wird erzählt, im Hintergrund läuft absolut passend Mukke aus den goldenen 20ern und ich fühl mich hier sehr aufgenommen, obwohl ich wie der 13. Krieger nur Fetzen von dem verstehe, was erzählt wird. Komisch, man versteht kaum ein Wort, weiß aber trotzdem, worüber erzählt wird.
Nach 470 km Tagespensum fallen mir über dem Notizbuch leicht die Augen zu und so ziehe ich mich in den Innenhof auf eine Gartenbank zurück und mache es mir mit dem Schaffell in der lauen Nacht gemütlich. Aus dem schmalen Kelleraufgang klingt „Bei mir bist du schön...“. 1/2m neben meinem Kopf ragt der rechte Zylinder einer Guzzi auf und wacht über mich.
Hättet ihr euch vorstellen können, daß sich das „Alteisen“ - Paradis in einem polnischen Keller befindet ? Und wir pennen mitten drin.
Hätte da mal wieder bissl zum schmökern für euch
hoffe ich schaffe in den nächsten Tagen noch paar mehr Zeilen. Das hier erstmal zum aufwärmen.
Tatratrip 2015
Tomasz (AWO T -solo-)
Bernde (AWO S -gespann-)
Przemek (Yamaha XT)
03.06. bis 07.06.2015
Vorwort.
Initialzündung diesmal ( wiedermal ) war ein total nettes Gespräch nach dem Genuß geistiger Getränke mit Tomasz und Karo beim Wintertreffen in Danewitz. Als die Worte „weiter als letztes Mal“, Beskiden und „hohe Tatra“ fielen, wars um uns geschehn. Es war nicht ganz abzusehen, ob es wirklich klappen würde, aber in Gedanken waren die Tage um Fronleichnam schon gebucht.
Als dann nach dem Schraubertag der eingebaute Nordkapersatzmotor mit dem fehlerhaften Zylinderkopf anfing, mehr als 7 liter/100km zu „saufen“, nicht mehr mit kicken ansprang und kaum noch Leistung hervorbrachte, war es wieder an der Zeit einen Notruf gen Reinsdorf abzusetzen. Rene' hat uns noch nie im Regen stehen lassen und so bekam ich einen schnellen Termin.
Kurz und Knapp: den Kopf mußten wir verwerfen. Neuer Kopf aus seinem Fundus, neue Ventilführungen und Ventile, alles wieder zusammen fertig. Ergebnis war mehr Kompression als je zuvor, sprang sofort an und lief gut.
Bei schönstem Sonnenschein auf dem gemütlichen Sofa seiner Werkstattterasse inkl. frischen Semmeln, selbstgemachter Leberwurst und (schon wieder) geistigem Getränk kommen einem ja so manch verrückte Gedanken. Und so bot Rene' mir an, einen seiner ersten Tuningmotoren mit hoher Verdichtung, und 74,5er Jokisch-Flachkolben mit zunehmen. Ich könne ihn fahren bis er den Geist aufgibt und dann wiederbringen. „kann 500, kann 1500km halten! “, sagte er mir, Da es mit den Kolben in der Vergangenheit einige Probleme gab, wollte er keine größeren Touren mehr machen. (Ich ja auch nicht... und was heißt schon „groß“ … :-) ). Andererseits lief der Motor tadellos und hatte auch wirklich jede Menge Kraft, war also auch zu schade zum einfach „auseinanderrupfen“. Also fahren, fahren, fahren, bis Schluß ist.
Rene' wollte sogar auch mit fahren, entschied sich dann aber , weil sonst wieder eine Woche die Arbeit liegen geblieben wäre und die Leute doch auch alle auf ihre Motoren warten würden, gegen Reisen und für Arbeiten ( Hut ab ! )
Wieder glücklich zu Hause angekommen, bekam das Gespann den Tuningmotor eingebaut, frisches Öl drauf und Testfahrt. Tja, wenn mans nicht kann, soll mans lassen oder aus Fehlern lernen. Lichtmaschine falsch angeklemmt Regler abgekocht. Nach Berichtigung des Fehlers ging es zwar, aber der Kontakt im Regler sah nicht grad mehr gut aus. Naja, die rote Lampe ging aus und Rene' schickte mir einen neuen Regler, der zur Zeit kommen sollte. Streik sei „Dank“, kam er aber ainen Tag zu spät und so fuhr ich eben auf gut Glück mit einem anderen gebrauchten Regler im Gepäck los.
Sonstige Technische Vorbereitungen:
Heidenau Enduropellen aufgezogen,
Beiwagenaufhängung (diejenige, welche auf dem Heimweg vom Nordkap in Schweden von Roland geschweißt wurde und bis jetzt gehalten hat)durch eine äußerst solide Replik ersetzt
nach ca, 17000 Gespannkilometern endlich abends um 8 mit Opa zusammen den Fehler in der Beiwagengeometrie erkannt und behoben
Einbau Solokardan
Ölwechsel Motor, Getriebe, Kardan
Ein Problem war diesmal auch das Wetter. Wir hatten ausgemacht, eine Woche vorher verbindlich „ja“ oder „nein“ zur Fahrt zu sagen. Es war ja wirklich für die Woche um Fronleichnam kein gutes Wetter angesagt, was mir wiederum das „ja“ sehr erleichterte, Heu würde ich nicht machen, wenns regnet. Also sagte ich zu. Und als hätte ichs geahnt, wird kurz vor Reisebeginn die 14 Tage – Schlechtwetterprognose zu einer 7 Tage - Hochsommerprognose ? Eine ganz doofe Situation , die mich um den Schlaf brachte. Wir hielten Familienrat und entschieden uns dafür, ich solle mich vom Acker machen und das Futter machen wir die Woche drauf !
So, Sachen packen, Reservekanister auffüllen, Reiseutensilien, wie Zelt, Schaffell, Schlafsack, norwegischen Grundbrandsalsost, Isomatte, Ersatzteile, Sherry, IM NU, Brot, EC-Karte, Papiere, Emailletippel, Polenatlas, AWOBIBEL, polnisch- deutsch Wörterbuch, Benzinkocher, Zucker, Salz und paar Süßigkeiten zusammensuchen und verstauen.... und warten, daß der Morgen graut.....
Auf die Plätze ! Fertig ! Los !
Tag 1
Nach einer herzlichen Verabschiedung von meiner lieben Anja, den Kids und den Eltern geht’s ab Richtung Osten.
Tomasz hat sich schon Dienstag Nachmittag nach Srebrna Gora aufgemacht, übernachtet dort bei seinem Kumpel und dort wollen wir uns treffen. Zirka 200km trennen uns also heute noch, bevor die „richtige Fahrt“ beginnt. Die sollten bis kurz nach Mittag zurückgelegt sein.
Bei schönem Sonnenschein und angenehmen Temperaturen genieße ich, nachdem wir uns durch Zgorzelec durchgezirkelt haben, den guten Straßenbelag der Straße Nr. 30. Mit dem kräftigen Motor macht das fahren durch die leicht wellige Landschaft Spaß. Wir pendeln so um die 80km/h mit Solokardan und auch Steigungen steckt der Antrieb super weg. Könnte man sich dran gewöhnen.
Luban, Gryfow und Jelenia Gora fliegen vorbei. in Stück hinter Bolkow suchen wir uns auf kleineren Straße den Weg um Walbrzych herum Richtung Süden (Swidnica, Bielawa, Srebran Gora).
Auf dem schönen Marktplatz von Srebrna Gora (Silberberg) wartet Tomasz schon. Nach einer herzlichen Begrüßung und ein wenig Geplauder gibt’s auch schon was zu reparieren. Die Touren verliert Öl und die Kupplung rutscht. Tomek hat schon eine Werkstatt aufgetan und so fahren wir nach Zabkowice Sl. .
In einer kleinen Werkstatt mit großem „Abstellplatz“ für schrottige Mopeds, auf einem Hinterhof bekommen wir Hilfe. Uwe ist ein netter Kerl, der uns alles was wir brauchen zur Verfügung stellt. Hier wird alles repariert was 2 Räder hat, vom 50 Kubiker über Gummikuh bis zum fetten Harley – Chopper und nu auch noch AWO :-).
Ruck Zuck liegt das Getriebe neben der Maschine. Kupplung raus und entfetten. Die große Nuß für die Sicherungsschraube borgt uns Uwe, aber den Schwungscheibenabzieher hab ich dabei.
Der Simmerring deht gut raus, aber die Ringfeder ist auseinander. Neuen Simmerring hab ich auch mit. Schnell ist alles wieder gesäubert, abgedichtet und zusammengesteckt. Und die Sonne brennt. Zwischendurch quatscht uns noch ein Yamahafahrer an, der auch ne AWO hat und Tomasz lädt ihn ins awoforum.pl ein. Nach einer freundlichen Verabschiedung ziehen wir weiter.
Die Fahrt geht durch meist flaches Land. Rechts von uns ziehen sich mal näher, mal weiter im Hintergrund die verschieden Höhenzüge der zu den Sudeten gehörenden kleineren Bergketten. Hinter Paczkow überqueren wir die tschechische Grenze, um Nahe Bili Potok an einer Gaststätte ein verspätetes Mittagessen einzunehmen. Es gibt laut Auskunft des Kellners nur ein Gericht. Suppe aus der elektrischen Warmhalteterine. OK. Nehmen wir. Plus 2 mal Marconi Mineralwasser. 12 Zloty. Billig hier ! Wir essen auf der Terasse. Die Suppe schmeckt hervorragend, und ist sättigend, wenn wir auch nicht wissen, was drin ist. Brot essen wir von uns welches dazu. Nach dieser Stärkung geht’s erstmal auf der tschechischen Seite weiter. Die Straßen hier sind in sehr gutem Zustand und schlängeln sich schön durch die Felder, Wiesen und klienere Ortschaften. „Toll zu fahren!“, sind wir einer Meinung. Als landwirtschaftlich interessierter … Landwirt... :-) … fallen mir die großen und sehr ordentlich bewirtschafteten Felder auf. Nur ein wenig zuviel Weizen in Monokultur für meinen Geschmack. Auf den Wiesen wird Heu oder Silage gemacht. Auch die Technik ist modern und kann sich sehen lassen.
Unseren dritten Mitstreiter gabeln wir kurz hinter der Grenze auf polnischer Seite in Glucholazy auf. Przemek hat eine Yamaha XT und nach kurzer Unterhaltung machen wir uns nun zu dritt auf den Weg. Das heutige Tagesziel werden wir wohl nicht mehr schaffen. Deshalb machen wir erstmal paar Kilometer und werden sehen, wohin uns der Wind treibt. Ganz grob verläuft unser Weg durch Prudnik, Glubczyce, Kietrz, Raciborz (wo wir die noch kleine Oder überqueren), Wodzislaw Sl., und Jastrzebie Zdroj. Dann gehts eine Weile an der Weichsel entlang, an Skoczow vorbei bis Ustron. Hier wollten wir eigentlich morgen das Motorradmuseum „Rdzawy Diamenty“, (rostige Diamanten) angucken. Nun stehen wir im dunklen davor und beratschlagen, wo unser Lager für die Nacht sein wird. Am Tor steht eine Telefonnummer, die wir anrufen. Remi (Remigiusz), der „Museumsleiter“ empfängt uns ein paar hundert Meter weiter die Straße rauf. Er ist hin und weg über unsere Maschinen und bietet uns sofort an, im Museum übernachten zu können. Ob da wohl auch wie im Hollywoodstreifen die ausgestellten Exponate nachts lebendig werden ?
Sein kleiner Sohn will im Beiwagen mitfahren. Nun, der ist voll Gepäck. Also wird kurzerhand das Schaffell auf die Essensbox gelegt und der Kleine obendrauf gepflanzt.
„Gut festhalten!“ Tomasz gibt ihm seinen Helmunterzieher, damit es wenigstens so aussieht, wie ein Helm. Prompt kommt auch ein Streifenwagen vorbei, aber behelligt uns nicht . Und los geht die lustige Fuhre durch die Stadt bis wieder vor die Tore des Museums. Der Kleine steigt völlig high [ vorsicht denglisch!! für alle die es nicht mögen, wirrr sind jarrr teutsche: sinngemäß übersetzt, „über alle Maßen begeistert“ (kleiner Scherz nicht böse sein)] ab und ist kaum noch zu bremsen vor Glück.
Wir sind baff, daß wir hier schlafen können , inmitten von wirklichen Schätzen. Erstmal gibt’s eine Führung durch die Katakomben, die bis zur Decke voll gestellt sind mit wirklich sehenswertem Alteisen. Von Remi's Schmuckstück, einem über 100 Jahre alten Eisschrank über Zonenmaschinen (Panonina, Awo, Isch, Ural, Jawa usw.) über jede Menge Vorkriegsbriten ( AJS, Rudge, Viktoria, BSA, Enfield, JAP usw.), weiter zu den deutschen DKW, Wanderer, NSU und ach, weiß der Teufel noch für welche
bis hin zu völlig unbekannten Maschinen aus lokaler Produktion und Eigenbauten läßt ein Raum nach dem anderen das Schrauberherz höher schlagen. Dutzende von kleinen und großen Blechschildern mit zum Teil skurrilen Aufschriften gibt es zu bestaunen und zu jedem Exponat weiß Remi was zu erzählen. Bald nimmt er mich beiseite und meint, ich könne ihm ja auch was schicken. Kann ruhig Schrott sein. Irgendwo wird es sicher sein würdiges Plätzchen finden.
Nach soviel input gibt’s erstmal nen schwarzen Tee für mich, Bier und Glimmstengel für die anderen. Immer ausgelassener wird erzählt, im Hintergrund läuft absolut passend Mukke aus den goldenen 20ern und ich fühl mich hier sehr aufgenommen, obwohl ich wie der 13. Krieger nur Fetzen von dem verstehe, was erzählt wird. Komisch, man versteht kaum ein Wort, weiß aber trotzdem, worüber erzählt wird.
Nach 470 km Tagespensum fallen mir über dem Notizbuch leicht die Augen zu und so ziehe ich mich in den Innenhof auf eine Gartenbank zurück und mache es mir mit dem Schaffell in der lauen Nacht gemütlich. Aus dem schmalen Kelleraufgang klingt „Bei mir bist du schön...“. 1/2m neben meinem Kopf ragt der rechte Zylinder einer Guzzi auf und wacht über mich.
Hättet ihr euch vorstellen können, daß sich das „Alteisen“ - Paradis in einem polnischen Keller befindet ? Und wir pennen mitten drin.