Vor ca. 3 Wochen erreichte mich eine PN mit der Frage, ob ich Lust auf einen Ausflug mit der AWO durch Südpolen habe. Tomasz hatte mich schon mehrmals in Danewitz eingeladen, ich mußte ihn jedoch leider immer mit dem selben doofen Grund ( Arbeit ) enttäuschen. Mann, ich wär so gerne schon voriges Jehr zum Treffen des polnischen AWO – Forums dabei gewesen... Zur Ehrenrettung der deutschen Awoisten hat es wenigstens einer dahin geschafft..
Dieses Jahr sollte es noch termintechnisch noch besch*****er werden.
Furx: mitten voll in der Heuernte, nicht die geringste Chance ( Steppe , deine tollen Bilder haben mir echt den Rest gegeben )
Lunzenau: Jugendweihe.
Danewitz: ein wirklich wichtiger 40ter Geburtstag eines wirklich guten Freundes
Ergo... nix AWO-treffen dieses Jahr.
Anja, meine bessere Hälfte sah mir schon an, daß mir das zu schaffen machte. Ich erzählte ihr von Tomasz Einladung und SIE hatte gleich die Idee ich solle doch wenigstens dort mit fahren, wenn ich schon zu den anderen Terminen nicht hin könne.
In der selben Minute ging eine Email Richtung Nowy Tomys´l raus mit meiner Zusage. Wir freuten uns beide wie verrückt und die Vorbereitungen, jedoch auch das lange warten begannen.
Bei mir beschränkte es sich auf Öle wechseln, Ventilspiel kontrollieren, Dichtring am Kardan tauschen, Tacho wechseln und Schwinge abschmieren, sowie Schrauben kontrollieren und Werkzeug - / Emergency- Ersatzteilkiste packen.
Was durfte noch mit? Regensachen, Wechselsachen, AWO – Nicki , Kuscheldecke, wasserdichte Socken, Benzinkocher, Teekanne, Zelt, Schlafsack, Isomatte, 3l Wasser, AWO – Bibel, ein hornaltes (unglücklicherweise nur) Deutsch / Englisch Wörterbuch, Kartenmaterial, ne Plane, die magische Essenbox mit paar „essentials“ (IM NU, Tee, Zucker, Salz, Fishermans Friend, Kekse, 8x Red Bull, Instant Suppe)
Was wurde vergessen? Brot, Nudossi, Visacard.
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Wenn sich einer fragt, wozu Frohleichnahm gut ist, für den hab ich jetzt die Antwort. Na zur Völkerfreundschaft! Das wurde nur zum Feiertag erklärt, damit Tomasz und ich einen Tag länger unterwegs sein können
Er hat sich gestern (18.06. im Jahre des Herrn 2014) schon auf seine grüne Biene gesetzt und ist nach der Arbeit noch die 200 km bis Lesna geflogen, hat dort sein Zelt aufgeschlagen und wartet dort auf mich.
Meine Strecke bis dorthin beträgt nur 60 km, also starte ich nach dem Frühstück und tuckere Richtung Osten, wo die Sonne aufgeht.
Da die polnische Beschilderung stellenweise sehr sparsam ausfällt, verfahre ich mich gleich im dritten Dorf mehrmals und die vielen Leute, die auf der Straße wegen des Feiertags unterwegs sind, schauen belustigt, was der deutsche mit der alten Karre hier im Kreis fährt.
Bei schönem Wetter finde ich schließlich den Campingplatz nahe Lesna. Tomsasz ist auch schon wach. Eine fröhliche Begrüßung folgt und wir tauschen erstmal das Neueste aus. Zusammenpacken und weiter.
Als erstes steht eine Schlossbesichtigung an. Wir parken und lassen unsere Maschine samt Gepäck ohne anzuschließen dort stehen. Die Jacken geben wir dem Mädchen, das die Parkgebühren kassiert. Sie hat ein Auge drauf.
Schloss Czocha ist eine wunderschöne Anlage in privater Hand mit Hotel, Museum und Park. Wir besichtigen die Räumlichkeiten vom Folterkeller bis zur Turmspitze inklusive vieler Geheimgänge und dem Bett, das via versteckter Falltür - Mechanik ungeliebte Liebhaber in irgendein dunkles Loch fallen lassen kann. Tomasz übersetzt tapfer und ich bekomme viel mit.
Weiter führt uns die teilweise holprige Straße den Berg hinauf. Oben halten wir. Tomasz hat zwei Muttern der hinteren Kotflügelhalterung verloren. „Can you give me some nuts?“ Yes, I can! Schnell sind die Muttern ersetzt und wir stoßen mit Red Bull auf eine schöne Tour an..
In der Nähe der tschechischen Grenze bei dem kleinen Ort Czerniawa Zdroj steht die Teufelsmühle, eine komplett restaurierte Wassermühle mit einem ca 7m großen Wasserrad. Es ist eine Art Museum wo aber noch gemahlen und auch gebacken wird. Bevor wir eintreten streicheln wir noch den Löwenkopf an der Tür. Der beschützt uns vor dem besagten Teufel ! Nach einer kleinen lustigen und kostenlosen Führung, bei der sich alle vom Müller bis zu den 4 anderen Gästen sehr nett bemühen, damit ich soviel wie möglich verstehe, gibt’s lecker selbstgebackenes Brot mit auch selbstgemachtem Speckfett Gewürzen und Salz. Wer möchte, kann noch ein paar Münzen in die Sparkatze stecken.
In Swieradow Zdroj (die Bezeichnung Zdroj steht für Kurort) wird viel gebaut und wir irren ein wenig herum bis wir das imposante Gebäude entdecken, wo man Heilwasser aus einer Quelle trinken kann. Es gibt keine Parkplätze, nur Baustellen. Da winkt ein älterer Mann aus einer Baustelle heraus und schiebt uns schon begeistert von den AWO´s den Bauzaun zur Seite. Ein kurzes Gespräch mit Tomasz und er läßt uns hier parken. Wenn er schon mal da ist, um am Feiertag auf die Baumaschinen aufzupassen, schaut er gern mal mit auf unsere 2 alten Ladies. Wir holen uns für 1 Zloty das metallisch schmeckende Heilwasser und schauen uns die kunstvoll gestaltete hölzerne Dachkonstruktion an. Für Leute die sowas mögen (wie mich) ein Augenschmaus.
Dieses Land hält zum Teil recht gut versteckt viele architektonische und historisch sehr interessante Perlen parat. Man muß sich nur drauf einlassen und die Augen öffnen. Ich jedenfalls bin jetzt schon begeistert.
Draußen tausche ich fix noch ein paar Euros um und schon sind wir wieder unterwegs. Auf Straße 404, die recht gut ausgebaut ist und sich durch herrliche Landschaft schlängelt geht’s in Richtung Sklarska Poreba (weil das „e“ unten noch ein Häkchen hat und dahinter ein Mitlaut steht, wird Poreba wie Poremba gesprochen).
Nach einer scharfen Kurve halten wir plötzlich. Von hier hat man einen tollen Blick auf die Schneekoppe (Sniezka, über 1600m hoch), die hinter den anderen Bergen hervorragt. Nebenbei erklärt mir Tomasz, daß diese Kurve weithin als „Todeskurve“ bekannt ist, weil bei Autorennen wohl noch vor dem Krieg hier ein paar zu schnelle Kerle ihr Leben lassen mußten.
Durch die Stadt hindurch geht es reibungslos, obwohl viel Feiertagsverkehr ist. An einem Parkplatz mit Marktständen kaufe ich ein paar Kleinigkeiten für die Kinder zuhause. Tomasz kauft Preiselbeermarmelade und empfiehlt mir „Oscypki“, einen traditionellen Schafskäse der nach Rauch und salzig schmeckt. Ob er wirklich geräuchert ist, hab ich nicht verstanden. Er ist sicher nicht jedermanns Sache und meine Frau sagt er habe einen Abgang wie mein 10 Jahre alter Laphroaig. Gerade deshalb mag ich ihn sehr und lokale Spezialitäten probieren, das sollte sich niemand entgehen lassen.
An dem klaren Gebirgsbach dem die Straße folgt, waschen wir uns genießen das Rauschen und den kühlenden Schatten.
Entlang des Nationalparks Riesengebirge tuckern wir hoch nach Karpacz; die Touristenhochburg hier. Viele Leute schönes Wetter und die Schneekoppe ganz nahe.
Zeit für ein spätes Mittagessen. Wir parken vor der Gaststätte, lassen Helm und alles am Lenker hängen und bestellen … na klar regional typisch... Piroggen mit Fleisch drin und Plinse mit Goulasch. Während wir auf Englisch über Gott und die Welt labern, interessieren sich geschätzte 50 Passanten für unsere Böcke und stellt euch vor, keiner macht auch nur Anstalten etwas mitnehmen zu wollen. Scheißt aufs Clischee und glaubt auch mal an das Gute im Menschen.
Das Essen ist absolut wohlschmeckend und braucht im Gegensatz zur Bestellung in einem „germanischen“ Restaurant nur eine angenehm knappe viertel Stunde bis auf unseren Tisch. Mit umgerechnet ungefähr 17,50 € für beide Gerichte inkl. Kaffee und Cola kommen wir sehr gut gesättigt und außerordentlich preiswert davon.
Die letzten Kilometer für heute führen uns über eine Umleitung durch Kowary und die Straße 369 mit immer wieder tollen Aussichten zu den Bergen zu einem schön an einem Stausee gelegenen Campingplatz bei Paprotki.
Wir haben freie Platzwahl und finden ein windgeschütztes Stück Wiese mit Feuerstelle und Unterkunft für die Motorräder. Das haben sie sich auch verdient, denn sie haben uns ohne Ausfälle über die guten wie auch die schlechten Straßen getragen und auch das ein oder andere unverhoffte Schlagloch klaglos weg gesteckt.
Schnell sind die Zelte aufgeschlagen, das Lagerfeuer entfacht und der Teekessel brodelt schon. Bei lecker Tee, Bierchen für Tomasz, Met für mich und gegrillter Salami mit Brot vergehen für uns beide unerwartet schnell die Stunden am Feuer. Weit nach elf ist der dreiviertel Liter Met leer, das Bier ausgetrunken und wir beschließen uns zur Nacht zu betten. Aber vorher noch das Feuer auspinkeln. Brandschutz ist Ehrensache !