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Re: Wie jeder zur AWO kam...?
Verfasst: Mi 9. Jan 2019, 19:38
von OBS
Ich kann mich meinen 3 Vorrednern nur anschließen. Interessantes Thema, interessante Geschichten und wahrlich, man sieht sich in einigen selbst wieder.
Wer damit nix anfangen kann soll es halt lassen, fertig.
Re: Wie jeder zur AWO kam...?
Verfasst: So 20. Jan 2019, 18:53
von hemomajo
Ich habe mir heute Eure Geschichten durchgelesen und fand es sehr interessant, wie jeder von Euch zu seiner AWO gekommen ist. Ein Motorradfreak bin ich nicht. Trotzdem oder vielleicht auch deshalb habe ich Hochachtung vor den Kumpels, die mit großem Aufwand und Geschick herangehen, um Ihr Zweiradgefährt wieder herzustellen oder umzubauen. Ich staune immer wieder bei Motorradtreffen über tolle, aufgemotzte Maschinen.
Ich selber bin Baujahr 48 und wahrscheinlich der bisher älteste unter den Schreibern dieses Themas. Mein erster Kontakt mit einer "Simson Sport" hatte ich mit 8 oder 9 Jahren. Damals hatte sich ein junger Mann aus unserem Dorf ein solches Motorrad gekauft und übte auf unserem Hof das fahren. Ich war beeindruckt von der Maschine und hatte Respekt davor, das Motorrad zu fahren. Denn der junge Fahranfänger hatte erhebliche Schwierigkeiten, die Maschine zu steuern.
Mit 13 Jahren ist meine Familie nach Suhl gezogen. Damals wurde die AWO schon nicht mehr gefertigt bzw. die letzen Exemplare liefen vom Band. Auf den Straßen waren Mopeds dominierend. Mit 15 machte ich die Mopedzulassung und habe dann den KR50 von meinem Opa nach dessen Tod übernommen. Am KR50 habe ich auch selbst mitgebaut und zwar im Rahmen des UdP´s (Unterrichtstag in der Produktion). Als Schüler haben wir ein paar Tage im Simsonwerk am Fließband gearbeitet. Ich mußte in den Bremshebel des KR50 ein Duroplastbuchse mit dem Hammer einschlagen und dann den Bremshebel am entsprechenden Bolzen des Fahrgestells aufstecken.
Mit 19 habe ich bei der GST die Fahrerlaubnis V und I gemacht. Für die Fahrschule auf dem Motorrad hatten wir EMW´s. Ich kann mich noch erinnern, wie wir von Suhl nach Schmiedefeld die steile Straße "hochgedonnert" sind. Der Viertakter hatte einen Sound wie ein Panzer. Jede Zündung eine hörbare Explosion.
Im gleichen Jahr mußte ich zur Armee und habe deshalb den KR50 verkauft. Nach dem Ende der Wehrpflicht habe ich mich nach einem größeren Zweirad umgesehen und preislich günstig eine 250er MZ erworben. Leider war sie fast rosarot lackiert. Das konnte nicht so bleiben. Ich habe deshalb die Maschine demontiert und die Einzelteile über familiere Beziehungen im Simsonwerk neu lackieren lassen. Sie hatte dann die Farben wie die damals gebauten "Star", "Sperber" u.a. Mit der 250er MZ hatte ich keine Probleme und habe sie einige Jahre gerne gefahren.
Mit dem Umzug nach Berlin mußte ich sie verkaufen, denn ich hatte keine Unterstellmöglichkeit und auf der Straße wollte ich sie nicht stehen lassen. So war ich bis ins Rentenalter motorradlos. Als dann die viele Freizeit kam, kam auch die Erinnerung an das Motorrad fahren und ich überlegte, mir ein solches wieder zuzulegen. Die neuen Maschinen waren mir zu schwer, zu schnell, zu teuer. Zufällig habe ich bei eBay eine "völlig restaurierte" AWO Sport entdeckt (siehe mein Avatar). Sie hat mir sehr gefallen. Ich war aber im Zweifel, ob ich alter Knacker mir den Kauf noch gönnen soll. Ich habe mich dann entschieden, mein Rentnerdasein aufzumotzen und mich nicht selbst schon als Halbtoten aufzugeben.
Die AWO-S wurde ca. 1960 nach Rumänien exportiert. Dort hatte sie wahrscheinlich ein antrengendes Leben hinter sich, bis sie ein ungarischer Motorradbauer erwarb, sie restaurierte und über eBay zum Kauf anbot. 2015 habe ich sie gekauft. Bei den ersten Ausfahrten habe ich gemerkt, das einiges nicht so funktionierte wie es sollte. Ich habe mich dann über Literatur und Internet in die Technik der AWO eingelesen und begonnen, sie zu demontieren. Dabei habe ich festgestellt, dass der Restaurator das Motorrad optisch in einen sehr guten Zustand versetzt hat. Technisch gesehen hat er aber geschlampt. Vielleicht hatte er in Ungarn auch nicht die Möglichkeiten, entsprechende Ersatzteile zu beschaffen bzw. der Aufwand war im zu teuer. So mußte ich das nachholen, was versäumt wurde. 2016 war die Maschine nicht fahrbereit und ständig in Reparatur. Die Liste der technischen Änderungen, Nachbesserungen und Neuerungen ist lang und zuviel für diesen Beitrag. Jetzt jedoch läuft die Maschine prima.
Ich hoffe, ich habe den Leser mit meinen Ausführungen nicht gelangweilt.
Re: Wie jeder zur AWO kam...?
Verfasst: Mo 21. Jan 2019, 16:15
von steckkruemmer
Ich hoffe, ich habe den Leser mit meinen Ausführungen nicht gelangweilt.
[/quote]
Ich hab`s gespannt gelesen, danke für deinen Beitrag.
Grüße Tobias
Re: Wie jeder zur AWO kam...?
Verfasst: Mo 21. Jan 2019, 17:52
von OBS
War überhaupt net langweilig.
So war und ist das Leben.
Re: Wie jeder zur AWO kam...?
Verfasst: Mo 21. Jan 2019, 19:22
von Deleted User 141
hemomajo hat geschrieben: So 20. Jan 2019, 18:53
... im Rahmen des UTP´s (Unterrichtstag in der Produktion). ....
... Ich habe mich dann entschieden,
mein Rentnerdasein aufzumotzen ....
Ich hoffe, ich habe den Leser mit meinen Ausführungen nicht gelangweilt.
Keinesfalls!!! Schöne Geschichte! Danke !
UTP: Ja, wir "Alten" müsen das immer für den digital geprägten Nachwuchs erklären

.
Ich will auch Rentner werden und dann mein Leben so richtig aufmotzen! Welt duck` dich, ich komme ....

Re: Wie jeder zur AWO kam...?
Verfasst: Di 22. Jan 2019, 14:07
von Bernde
hallo und danke für eure tollen geschichten.
bei mir:
> genetische vorbelastung väterlicherseits > dominanter erbgang > vater und dessen bruder waren die verrücktesten awotreiber im dorf ( sport und touren mit beiwagen, später 2 x sport; immer ohne auspuff, windschattenfahrten mit 120 auf der autobahn bis gotha )
> erzählungen der "alten" gelauscht
> mit 8 auf rt125/2 fahren gelernt ( vater hintendrauf) und nie wieder aufgehört bis heute
> selber alles zerschraubt was nach moped oder motorrad aussah und auf dem hof verfügbar war
> Lehre > Studium > WROEBE kennengelernt
schlüsselfrage eines sonntags über icq (kennt das noch wer?)
willst du ne awo haben?
schlüsselantwort
ja, warum?
dann wars passiert!
> sport , touren, elastik für die sport, danewitz, nordkap, ...
lg eurer bernde
Re: Wie jeder zur AWO kam...?
Verfasst: Mi 23. Jan 2019, 12:27
von Habicht64
- Anfang der 80er immer bewundert, wenn ich in Dresden mal eine AWO gesehen hatte, damals für mich nicht erschwinglich
- 2008 Urlaub Nähe Suhl
- Frau erklärt, dass eine Touren-AWO schon immer ein Traum von mir wäre
- Freigabe der materiellen Mittel durch Ehefrau, trotz bereits vorrätigem Habicht SR 4-4 und Kawa 750
- 18.05.2009 Kauf meiner Touren in Ahaus/NRW, ehemals aus Polen stammendes Motorrad
- 20.05.09 Ventilabriss plus weitere umfangreiche Reparaturen, Getriebe, Kardan, Zyl. Kopf, etc. eigentlich alles
seit 2012 läuft sie gut mit kleineren üblichen Reparaturen
Re: Wie jeder zur AWO kam...?
Verfasst: Mi 23. Jan 2019, 12:53
von wgg1960
Matthes hat geschrieben: Mo 21. Jan 2019, 19:22
Ich will auch Rentner werden und dann mein Leben so richtig aufmotzen! Welt duck` dich, ich komme ....
Ist zwar nicht mehr lange, aber ich denke, wir lassen schon vorher die Sau raus.
Gruß aus Berlin
Gert
Re: Wie jeder zur AWO kam...?
Verfasst: Mi 23. Jan 2019, 14:01
von tano-srb
Re: Wie jeder zur AWO kam...?
Verfasst: Mi 23. Jan 2019, 17:29
von Kai Hawaii
Kann es sein, dass der Schweißer die Alufolie vom Frühstücksbrot immer gleich mit isst ??