Seite 3 von 17
Re: Vergaser
Verfasst: Mi 18. Apr 2018, 07:00
von Nockenwellennocke
Ich habe gestern mit dem Mann gesprochen, der den Vergaser überholt hat. Die Schieberführung ist definitiv gespindelt. Er tippt auf zu tiefen Schwimmerstand. Die Leerlaufdüse würde dadurch Luft ziehen und dadurch Kämme die erhöhte Drehzahl zustande. Egal. Ich arbeite jetzt alles ab und berichte...
Re: Vergaser
Verfasst: Do 19. Apr 2018, 01:10
von Edeltuning
Nockenwellennocke hat geschrieben: Mi 18. Apr 2018, 07:00
Ich habe gestern mit dem Mann gesprochen, der den Vergaser überholt hat. Die Schieberführung ist definitiv gespindelt. Er tippt auf zu
tiefen Schwimmerstand. Die Leerlaufdüse würde dadurch Luft ziehen und dadurch Kämme die erhöhte Drehzahl zustande. Egal. Ich arbeite jetzt alles ab und berichte...
Daß die LLD wegen zu niedrigem Schwimmerstand Luft zieht, ist technischer Blödsinn

Re: Vergaser
Verfasst: Do 19. Apr 2018, 19:45
von Jens425S
Hallo Ulf,
ich würde es nicht so dramatisch ausdrücken wie Edeltuning...
Aber es stimmt.
Der Kraftstoffstand im Schwimmerhehäuse ist höher, als die Lage der der Leerlaufdüse im Hauptgehäuse.
Der Schwimmer hätte sonst nicht genügend Auftriebskraft, das Schwimmernadelventil zu schließen.
Las Dich nicht verrückt machen!
Bleib dran und schaue Dir die Dinge logisch an. Das wird schon, nur Mut. Ein Schritt nach dem anderen.
Viel Erfolg!
Re: Vergaser
Verfasst: Fr 20. Apr 2018, 07:22
von knallkraftmaschine
Hallo Ulf,
hast du evtl. auch einen kleinen Benzinfilter im Schlauch dazwischengesteckt?!
Ein solcher hatte mich anfangs mal fast wahnsinnig gemacht!
Obwohl ständig Sprit im klaren Schlauch zu sehen gewesen ist und auch im Stand konstant Durchfluß da war konnte man nicht damit fahren...
Hatte auch alles Mögliche am Vergaser in Verdacht um dann eher zufällig diesen Filter als Übeltäter auszumachen.
Und was hat dein Versuch mit der stärkeren Feder denn ergeben?!
Gruß
Martin
Re: Vergaser
Verfasst: Fr 20. Apr 2018, 12:45
von renato
"Folglich magert der Motor ab und die Drehzahl nimmt ab."
Ich würde behaupten es ist umgekehrt. Magert das Gemisch ab nimmt die Drehzahl erstmal zu, bis die Schwimmerkammer leer ist. Jedenfalls im Leerlauf.
Grüße
Der Renato.
Re: Vergaser
Verfasst: Fr 20. Apr 2018, 13:43
von Jens425S
Hallo Renato,
Du hast Recht!
Wenn das Gemisch abmagert, u.a. wegen zu geringem Kraftstoffnachlauf, steigt die Drehzahl immer an.
Man(n) merkt dass immer dann besonder gut, wenn der Benzinhahn auf offen steht, aber der Kraftstoffstand auf Reserve fällt.
Re: Vergaser
Verfasst: Fr 20. Apr 2018, 14:21
von Jens425S
Hallo Ulf,
Martin würde ich auch zustimmen. Zumindest zur Fehlersuche, würde ich alle (möglichen) "Störgrösen" ausbauen. Also auf jeden Fall, für einen möglichst freien Kraftstoffzufluss, zum Vergaser sorgen.
Auch wenn so ein Zusatzfilter durchaus Sinn machen kann, kann er eben auch stören.
Ich würde mir auch unbedingt mal den Benzinhahn genau ansehen.
Also Ausbauen den inneren Filter und den Wassersack reinigen. Bei der Gelegenheit kannst Du auch gleich mal schauen, wenn Du ihn wieder eingebaut hast, dass wirklich ordentlich viel Krabftstoff fließet.
Kommt nur wenig Sprit, schraub auch mal den Tankdeckel auf.
Wenn dann mehr kommt, hast Du schon mal einen Verdächtigen gefunden.
Re: Vergaser
Verfasst: Di 24. Apr 2018, 10:26
von Nockenwellennocke
Hallo Ihr Lieben, ich danke Euch für Eure Gedanken.
Das letzte Wochenende war gekennzeichnet durch intensives Lernen am Objekt. Ich habe in meinem bisherigen Leben schon einige Erfahrung mit Schwalbe, TS 150, TS 250/1, Trabant, EMW 340, EMW 327 gemacht. Ich habe mich sehr intensiv mit Vergasertechnik und -Konstruktion und Zündungssachen beschäftigt, um den 2Liter Sechszylinder so zum laufen zu bringen und zu optimieren, daß er meinem Anspruch an einen seidenweichen und doch kräftigen Sechszylinder genügt. Nur dieses Motorrad Namens AWO Sport mit 14 PS ist immer noch eine harte Nuss für mich.
Grundsätzlich, das Motorrad ist grundhaft überholt.
Tank war auseinander, gestrahlt, geschweißt (neue Bleche wegen Löchern), zusammengeschweißt, versiegelt.
Bohrungen im Tankdeckel (Originalteil) auf den Außenseite und auch innen vollkommen frei (ich kann gut durchblasen).
Kraftstoffhahn neu mit neuem Grobfilter. Kraftstoff läuft satt (mit und ohne montiertem Tankdeckel)und ist auch ohne Verschmutzung.
Der Vergaser (Rundschieber) wurde überholt von einem Herrn in Sehmatal. Der Schieber (Messing) läuft nunmehr saugend und fällt ganz leicht ohne Feder in die geschlossene Position, Hauptdüse 100, Leerlaufdüse 40, Teillastnadel Position 3. Kerbe von oben. Ich habe nun zwei Federn über dem Schieber montiert. Bei stehendem Motor schließt der Schieber satt.
Der Motor wurde komplett mit Lichtmaschine und Magnet von einem Herrn Adorf überholt. Der Magnet reißt einen satten Funken zwischen Zündkabel Masse im Abstand von 6mm. Der Unterbrecher (Abstand 0,4mm) öffnet bei stehendem Motor auf der Markierung ZP. Wärmewert der Kerze 225 Isolator. Stroboskop kommt diese Woche. Mein altes hat das Hochwasser 2002 hinweggespült. Der Motor hat Verdichtung und nun eine Laufleistung von 90 km.
Das Motorrad ist im Neuzustand, wenn ich das bezeichnen darf in Anbetracht der überholten Baugruppen und Nachbauteile.
Zu Beginn der Vergasereinstellerei habe ich mich an die Vorgabe im Buch von Erhard Werner gehalten, wonach der Kraftstoffstand statisch 1-2 mm unter Oberkante Nadeldüse liegen soll. Ich habe den Vergaser etwas vom Flansch am Zylinderkopf abgezogen (Spalt 3-4 mm), den Schwimmer demontiert, den Vergaser geflutet und gewartet bis Kraftstoff aus der Nadeldüse austritt. Dann Kraftstoffhahn zu. Ich habe mit gezogenem Gasschieber solange gewartet, bis nichts mehr tropfte. Da lag der Kraftstoffstand bei 22 mm unter Oberkante Schwimmergehäuse. Das heißt, daß der Kraftstoffpegel im Schwimmergehäuse gemäß Vorgabe (1-2 mm unter Oberkante Nadeldüse) bei 23-24 mm unter Oberkante Schwimmergehäuse liegen soll.
Anschließend habe ich den Schwimmer in die mittlere Kerbe der Schwimmernadel gehangen und das Kraftstoffniveau gemessen, 23 mm unter Oberkante Schwimmerkammer. Im Fahrversuch zog der Motor für mein Dafürhalten gut und drehte beim Beschleunigen auch sauber aus. Das Abtouren fehlte jedoch. Ich habe das Saugrohr zwischen Vergaser und Luftberuhigungskammer demontiert. Der Schieber schließt auch bei laufendem Motor. Nach der Fahrt beim Anhalten steht das Motorrad senkrecht, läuft mit der Drehzahl des letzten Gasstoßes weiter, Lenker steht auf Geradeaus- Fahrt, Bowdenzug hat Luft. Ich sitze auf dem Motorrad, schwenke es auf den linke Seite (ohne den Lenker zu bewegen) und Drehzahl fällt auf normales Standgasniveau. Ich denke, dabei wird das Gemisch angefettet. Anschließend stelle ich das Motorrad wieder senkrecht, die Drehzahl bleibt unten. Dann wieder Gasstoß, Drehzahl bleibt oben, Schwenk nach links. Drehzahl fällt (Anfettung). Anschließend schwenke ich sie nach rechts (Abmagerung), Drehzahl steigt!!!!!!! bis sonstwohin, Maschine wieder senkrecht, Drehzahl bleibt oben, Schwenk nach links, Drehzahl fällt. und so weiter und so fort.
Dann habe ich den Schwimmer in die untere der drei Kerben der Schwimmernadel gehangen. Das Kraftstoffniveau lag bei 25 mm unter Oberkante Schwimmergehäuse. Der Motor sprang schwer an. Im Fahrversuch war der Durchzug unbefriedigend, die Kerze sehr hell und der Motor patschte teilweise in den Vergaser. Gemisch zu mager. Bei der Schwenkerei der Motorrades verhielt sich Standgasdrehzahl wie vorher.
Ein Umhängen des Schwimmers in die obere Kerbe der Schwimmernadel brachte einen Kraftstoffstand von 21 mm unter Oberkante Schwimmergehäuse. Es war kein sauberer Motorlauf mehr zu erreichen. Auspuff machte schwarz und Kerze verrußt. Beim nach rechts Schwenken stieg die Drehzahl jedoch wieder stark an.
Ich habe den Ausgangszustand am Schwimmer wieder hergestellt (mittlere Kerbe mit Kraftstoffstand 23mm unter Oberkante Schwimmergehäuse. Mit gereinigter Kerze war der Motor wieder fahrbar und sprang auch wieder gut an.
Über die ganze Zeit tourte der Motor im betriebswarmen Zustand nicht ab, erst beim nach links Schwenken. Wenn er kalt ist, tourt er ab.
Um Falschluft am Vergaserflansch auszuschließen, habe ich den Vergaser nun abgebaut, die Flansche mit einem Haarlineal geprüft (in Ordnung), die beiden Dichtungen und den Isolierflansch (Pertinax) mit etwas Masse eingedichtet und den Vergaser mit etwas Masse wieder montiert und siehe da, Sie tourt ab, ganz langsam, aber sie tourt wenigstens ab. Die Zeit vom Gasstoß bis zum Erreichen der Standgasdrehzahl liegt bei ca. 5 Sekunden. Beim nach links Neigen geht der Motor aus und beim nach rechts Neigen steigt die Drehzahl stark an, bei senkrechter Maschine bleibt die Drehzahl oben um beim Linksschwenk wieder abzufallen oder zu stoppen. Wenn ich sie rechtzeitig wieder in die Senkrechte bringe, hält sie das Standgas wieder ganz wunderbar.
Das langsame Abtouren nach Gasstößen geschieht langsamer als an meiner TS 250/1 die ich wegen besserer Fahrbarkeit ohne Standgas eingestellt habe. Die EMW Sechszylinder sind nach dem Gasgwegnehmen sofort wieder auf Leerlaufdrehzahl. Und der Motor der AWO ist neu und mit 90 km noch lange nicht eingelaufen.
Ich warte jetzt auf Stroboskop und Abgastester, stelle Zündung im Standgas ein, schaue mal, was die Frühzündung bei Drehzahl macht. Dann stelle ich Standgas mit Abgastester ein (bisher nur nach Ruß im Abgas vor weißem Blatt Papier). Einige von Euch werden sich nun bestimmt fragen, warum der so einen Aufriss mit den Gerätschaften macht. Das liegt daran, weil viele dieser Dinge, wie oben schon erwähnt, im Hochwasser 2002 unbrauchbar wurden. Mein EMW 340, den ich von 1990 bis 1993 restauriert habe und der an Motor, Vergaser und Zündung einige Modifikationen (Steigerung an Leistung und Standfestigkeit) erhalten hat, braucht nun nach einiger Standzeit wieder mal eine Überarbeitung.
Edeltuning, Jens und Martin und alle anderen nicht Erwähnten, ich danke Euch für Eure Gedanken. Ich mach weiter und berichte demnächst wieder. So ne blöde Falschluft...
Re: Vergaser
Verfasst: Di 24. Apr 2018, 14:52
von Edeltuning
Sportmotor mit 100er HD

- Kann nicht laufen (brauch eine 113), auch wenns nichts mit dem Leerlaufsystem zu tun hat. Da ist im LLS irgendwas verstopft und an anderer Seite offen, was du ja mit der Abkleberei etwas kaschiert hattest.
Re: Vergaser
Verfasst: Di 24. Apr 2018, 16:03
von knallkraftmaschine
Das mit der Düsengröße kann ich indirekt bestätigen...
Auch bei meiner Touren mit umgebauten Flachschieber sind größere Düsen notwendig gewesen für eine vernünftige Einstellung.
Laut Daten soll: HD85 LLD35
beste Einstellund durch Versuch: HD102 LLD40
Hat wohl angeblich was mit der aktuellen Zusammensetzung des Benzin zu tun, habe ich mal gelesen... Ob das stimmt, keine Ahnung, Fakt ist mit original Bedüsung war keine vernünftige Einstellung möglich.
Viele Grüße
Martin