So und nun habt ihrs gleich geschafft
Der letzte Tag.
Tag 5
Aufwachen, Sachen packen, waschen, Zähne putzen. Als erstes gibt es einen „Muntermacher“. Schwarzen Tee mit braunem Zucker. DA könnte ich mich auch dran gewöhnen. Przemek ist schnell (es ist Sonntag) mal in die Kirche und Tomasz und ich einigen uns auf einen letzten Versuch, herauszubekommen, was mit der Lichtmaschine los ist. Er bietet mir sogar an, seine aus der Touren auszubauen, damit ich heil nach Hause komme. Dieses äußerst hilfsbereite und nette Angebot muß ich strikt ablehnen. Er riskiert für mich Strafe und Ärger mit der Miliz. Das möchte ich auf keinen Fall. „Dann bleibt alles so, wie es ist, mit den LED – Lampen“. Ich werde schon ungeschoren davon kommen. Aber das Angebot allein ist schon Gold wert. Respekt !!!
Lichtmaschinendeckel runter und … was kommt uns da entgegen … eine Druckfeder von der Kohle. Ist ja ein Ding. Die Kurbelwelle hat schon einen kleinen Drall. Deshalb hat der vorige Anker auch geschliffen und ist kaputt gegangen. Die Druckfeder nun wird aus dem selben Grund raus gehüpft sein. Ein wenig nachbiegen hilft und siehe da. Die Ladelampe geht aus. Wir sind beide glücklich darüber.
Da ruft Jenek uns schon zum Essen. Wieder werden frischer Salat, Käse, Schinken, selbstgemachte Käsepiroggen und frisches Brot aufgetafelt. Alle sind in fröhlicher Plauderlaune und hauen ordentlich rein. Das reicht locker bis nach Hause und ist sooo anders lecker als bei uns gewohnt . Das macht reisen aus. Das Land mit allen Sinnen zu erleben, mal nicht nur die ausgetrampelten Touristenwege zu nehmen und sich , so sich die Möglichkeit bietet, auch mal in die Büsche zu schlagen.
Es werden noch Abschiedsfotos gemacht.
DSC00511_2.JPG
Przemek fährt von hier aus wieder gen Heimat. Wir verabschieden uns sehr herzlich. Es war mir eine Freude mit dir reisen zu dürfen. Hat Spaß gemacht, trotz der sprachlichen "Unzulänglichkeiten" auf beiden Seiten.
Janek bringt uns restliche zwei beiden mit dem Jeep über kleine und kleinste Straßen bis zur Hauptstraße, die uns um Wrozlaw herum leiten wird. Nochmals gibt es ein paar dankbare Worte unsererseits, gute Wünsche auf die Reise seinerseits und schon bald knattern wir über die topfebene Ringautobahn A8 (die übrigens keine Maut kostet) zur Anschlußstelle der Straße Nr. 94, die uns weiter gen Heimat bringen soll. Alles läuft super, die Motoren summen, Licht geht, Ladekontrolle fällt mal positiv durch NICHT LEUCHTEN auf und die Temperaturen sind sehr angenehm für Mensch und Maschine. Noch ein paar Kilometer tuckern wir in wohligen Erinnerungen über das erlebte schwelgend, gemeinsam durch Wald und Feld.
DSC00515_2.JPG
Kurz vor Legnica (Liegnitz) legen wir noch einen kurzen Verabschiedungsstopp ein, Ich gebe ein letztes Fishermans friend Spearmint (die leckersten) aus, ein paar nette Worte des Dankes. Das war nicht das letzte Mal!
Dziękuję bardzo!
Von nun an zieht jeder wieder seine Bahn alleine.
Von Westen her rollt eine dunkle Regenfront heran, auf die ich mich mit knappen 80 zu bewege. Sollte die neue Regenkombi doch noch zum Einsatz kommen? Ach paar Tropfen bis heim bringen keinen um.
Kurz vor Boleslawiec ( Bunzlau ) läßt mich der plötzliche Leistungsverlust mitten auf gerader Strecke aus meinen Gedanken hoch schrecken. Das Gefühl kennste doch. „Willst du jetzt kurz vor zu Hause fest gehen, nach all den Kilometern? ( 1600 knapp)“.
Schnell das Gemisch anreichern mit dem Gasgriff ! Es hilft nicht viel. Mit maximal 50 km/h schleppen wir uns noch ein Stück, dann halte ich an einer Einbuchtung an. Hinter mir steht schon eine Wand aus Ölnebel, der sich durch das Entlüfterröhrchen ins freie gekämpft hat. Im Standgas läuft der Motor noch. Also Öl auffüllen anschieben und gaaanz vorsichtig weiter. Bis zur nächsten Tanke geht das so. Mittlerweile hat es angefangen zu schütten wie aus Kannen. Stört jetzt auch keinen großen Geist mehr. An der Tankstelle Benzin rein, Öl nachfüllen. Meine gute Alpina geht beim anschieben verloren. Wie eine Dampflok qualme ich durch Bunzlau und wieder hinaus. „Komm schon, wir machen vorsichtig so weiter bis heim!“ Es fährt ja, aber mehr als 50 sind nicht drin. Als ein paar wenige Kilometer weiter die Geschwindigkeit immer weiter runter geht, schwant mir schon, daß ich mit der Maschine nicht aus eigener Kraft heim komme. Die nächste Tanke kommt in Sicht und ich lasse mich auf den Hof rollen. AUS !
Was nun? Ärgern? Grübeln? Freuen?
DSC00543_2.JPG
Zunächst hält ein Päärchen aus der Gegend Poznan an. Sie sind auch pitschenaß und er fragt, ob er irgendwie helfen kann. "Leider nein, Motorschaden". Beide schauen mich entgeistert an. "Aber es wird schon Rat werden". Danke aber für diese, heutzutage nicht mehr selbstverständliche Geste.
Ich zücke mein Telefon und rufe an:
ADAC : 1min klingeln lassen, keiner geht ran
Meine Frau: ist mit der kleinen beim Marathon und hört nix
Mein Schwager: eine Frauenstimme erklärt mir, daß diese Nummer nicht stimmt. AHA!
Eltern: gehen ran, wissen aber auch keinen Rat, werden nur immer aufgeregter. Blöde Idee, dort anzubimmeln...
Schließlich ruft Anja zurück und wir sprechen die Optionen durch. Aufladen und heimholen. Doch da fällt mir ein, der Nordkapreservemotor steht doch komplett einbaufertig in der Garage. Das wäre ja viel einfacher.
Mein Schwager und der Freund meiner Nichte holen den Motor, laden ihn in den Kombi und kommen. Anja ist auch unterwegs. Es sind ja nur 30 km bis zur Grenze. Ich nutze die Zeit für einen „Live“- Motorausbau , Kuchen essen mit Red Bull und Selbstporträts „ kaputter Motor und ich“.
Als alle da sind ist die Reservemaschine flugs eingebaut und nach ner knappen halben sind wir wieder auf dem Weg. Ganz stolz! Trotz allem auf eigener Achse heim zu fahren hat schon was !
!!! Danke an alle Mithelfer !!!
Alles scheint prima. Nach ein paar wenigen Kilometern meldet sich die alte Bekannte rotflackernderweise wieder. Schietendreck elender ….
Anhalten , nachgucken! Oh, Oh, der Regler ist warm und riecht schon sehr „elektrisch“. Du blöder Id***. Willst große Reisen machen, kannst aber nicht mal die Lichtmaschine richtig anschließen? Zwei läppische Kabel ? Naja zu spät. Regler und Lima sind gebrutzelt. „Das soll dir eine Lehre sein!“
„Zu Hause gehst du der Sache auf den Grund und lernst den Kabelbaum und die Anschlüsse auswendig! “, schwöre ich mir innerlich.
Wenn das kein schöner Schlußsatz ist. Tolle Tour mit guten Freunden die herrlichste Landschaft erleben. Mit technischem Lerneffekt am Ende. Was will man mehr? Ich lass das mal so stehen!
Danke Anja, daß du mich (wieder) hast fahren lassen.