Tatratrip 2015 Berndes 3. AWO-Abenteuer

Wieder mal eine geile Strecke gefunden oder gut untergekommen? Und du willst es nicht für dich behalten? Dann hier rein damit!
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wgg1960
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Re: Tatratrip 2015 Berndes 3. AWO-Abenteuer

Beitragvon wgg1960 » Do 25. Jun 2015, 14:22

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Wenn das kein Kalenderfoto wird, fress ich einen Besen!
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Bernde
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Re: Tatratrip 2015 Berndes 3. AWO-Abenteuer

Beitragvon Bernde » Fr 26. Jun 2015, 15:37

Tag 3

Der frühe Vogel fängt den Kupferwurm. Heute wollen wir nochmal kurz testen , ob wirklich die Lichtmaschine hinüber ist, Ich steige um 7 aus der gemütlichen Koje. Draußen ist es nebelig und die Zelte triefen. Doch wieder zurück in den Kokon ? Nöö ! Erstmal Sambalatschen an, Mütze auf und den Coleman in Stellung bringen. Nach knapp 3 min kocht das Wasser für den Muggefug.

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Langsam schieben sich die ersten Sonnenstrahlen durch den Nebel und lassen verkünden: „Leute heut wird’s schön!“. Hier ist noch niemand wach. Ich genieße die Stille und das leise blubbern des Wasserkessels. Keine Eile heut. Tomasz und Przemek liegen noch in den Federn, während mir der IM NU schon schmeckt. Ich schreibe die gestrigen Erlebnisse ins Notizbuch und gucke auf dem Atlas, wo wir lang gefahren sind.
Recht schnell hat sich der Nebel aufgelöst und ein strahlender Morgen kommt hervor. Die Sonne hat Kraft und leckt ruckizucki unsere Zelte trocken.
Als die beiden munter sind gibt’s Frühstück. Tomasz hat Survivalnahrung mit. In zwei Beuteln ist die Chemie im anderen das Essen. Die Chemie zusammenschütten und den Essensbeutel rein. Nach kurzer Zeit köchelt alles vor sich hin. 10 min. später ist die Lasagne fertig. Magie !! :-)
Die Zelte sind trocken und alles wird verstaut. Przemek bezahlt den Campingplatz. Wir schauen derweil nachmal nach der Lichtmaschine. Ja, sie ist definitiv tot. Also was tun? Plan machen wo wir heut hinfahren ! Michal will uns entgegenkommen mit Ersatzteilen. Wir entscheiden uns dann aber nach Pinczow zu Michal hin zu fahren. Natürlich nicht auf dem schnellsten Wege. Kultur und Natur. Das wollen wir heut noch erleben! Pfeif auf die Elektrik.

Auf der Plätze! Fertig! Los! Nächster Halt: Nationalpark Pienienen, mit seinem charakteristischen Hauptmassiv, den „3 Kronen“. Ein beliebter Urlaubs – und Ausflugsort der Polen. Alles ist auf Tourismus ausgelegt. Auf dem Dunajec kann man sich mit großen Flößen herumschippern lassen. Es sind auch zig solcher Flöße unterwegs. Viele Wanderwege erschließen das Gebiet. Am Fuße der drei Kronen machen wir Bilder, aber bald wird es zu warm und wir brauchen wieder Fahrtwindkühlung.

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Die Strecke verdient das Prädikat „wertvoll“. So gibt’s weder am Straßenbelag, noch an der Streckenführung und schon gar nicht an der zu bestaunenden Landschaft was auszusetzen. Die Luft ist klar und Anhöhen erlaubenes , den Blick in die Ferne schweifen zu lassen. Auf der halben Strecke einen Berg hinauf ist es dann soweit. Das perfekte Panorama!!! Die hohe Tatra auf einen Blick !!! Wir stoppen schlagartig, positionieren unsere alten Ladies und sind wie erschlagen von dem Ausblick.

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Das muß man erstmal auf sich wirken lassen. Es werden viele Fotos gemacht. Ein Mann bietet sich an, von uns und den Maschinen Bilder zu machen. So sind mal alle zusammen drauf. Man kann sich eigentlich kaum satt sehen, aber irgendwann müßen wir doch wieder weiter.
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Re: Tatratrip 2015 Berndes 3. AWO-Abenteuer

Beitragvon Bernde » Fr 26. Jun 2015, 15:48

Die Straße 969 trägt uns nach Stary Sacz. Auf dem alten Marktplatz mit rundköpfigen Pflastersteinen werden wir auf dem Parkplatz von einer schick angezogenen Dame begrüßt, die uns anbietet, die Maschinen in den Schatten zu stellen. Dann würde ein Autoparkplatz frei bleiben und wir müßten nix bezahlen.
Der sonnenbeschirmte Biergarten in der Mitte des Platzes läd ein zu nem Eis und Kaffee. Hier sehe ich das erste mal ein Paar deutscher Touristen. Sie erkennen das Nummernschild und ich muß Rede und Antwort stehen. Wirklich gemütlich hier, denke ich noch als laut knatternd eine voll aufgerödelte Wehrmachts-BMW mit 2 „Soldaten“ und aufgeflanschtem Maschinengewehr um den Platz fährt. Ob die sich verfahren und das Kriegsende verpasst haben? Naja.... NICHT MEIN DING !!! … gar nicht...
Wir zahlen und waschen uns noch an einer Wasserpumpe mit 2 riesigen gußeisernen Schwungrädern Hände und Gesicht bevor es weiter geht.

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Straße 971 führt uns nicht nur am Fluße Poprad und der slowakischen Grenze entlang, sondern auch durch einige Kurbäder. In Piwniczna Zdroj holen wir uns kostenlos Wasser aus einer Heilquelle in einem Hotel / Restaurant. Das schmeckt sogar.
In Powroznik besuchen wir eine alte Holzkirche. Die älteste erhaltene in den ganzen Karpaten. Katholisch, klar muß man hier wohl nicht extra erwähnen. Auch innen ist alles kunstvoll aus Holz gearbeitet. Es gibt noch einen kurzen Schwatz mit dem Priester. Er schenkt uns eine Ansichtskarte von der Kirche und wünscht uns gute Reise.
Nächster Halt : Krynica Zdroj. Wir stellen die Motorräder auf einem bewachten Betriebsparkplatz des Heilquallen – Wasserwerks ab und gehen zu Fuß in die Stadt Heilwasser trinken. Wir finden einen riesigen Glas- und Stahlpalast. Dort gibt’s das Wasser. Innen sieht es aus wie eine riesige, über mehrere Etagen offene Trink- und Erholungshalle. In gerade Linie steuern wir auf die Wassertheke zu, stellen unsere Emailletippel auf den Tresen und bestellen …. na was wohl... Wasser. Aber welches nehmen. Es gibt zig verschiedene Sorten für und gegen alles von Schilddrüsenüberfunktion bis Wasserlassstörungen. Jeder Hahn hat einen Namen. Wir nehmen die Sorte „Jan“. Die Wasserbarkeeperin ist so begeistert von unseren Emailletippeln, daß sie uns für daß gleiche Geld die doppelte Menge „Jan“ abfüllt. Sie ruft uns noch hinterher, daß diese Sorte den Harndrang fördert. Auch gut. Aber dann müßen wir dauernd zum Pinkeln anhalten. So lange läßt die Wirkung aber nicht auf sich warten. Noch ehe die Becher leer sind steuern wir auf eine Toilette zu.
Wieder draußen unterhalten sich Tomasz und Przemek und irgendwie verstehe ich, über was sie sich erzählen. Tomasz will mir übersetzen aber ich gebe ihm zu verstehen, daß ich schon verstanden hab. Jetzt will ich das polnische Wort für „Verstehe!“ wissen drücke mich aber im englischen etwas blöd aus und wir reden eine ganze Weile aneinander vorbei bis es bei uns beiden endlich klick macht. „Rozumiem!“

Tomasz geht Lotto spielen und wir zwei anderen schländern über den Markt. Ich kaufe schicke Lederhauslatschen für Anja eine bunte Tasse von Krynica und Oscypkie (den geräucherten Käse) für zu Hause.
Auch wird noch eine Flasche Heilwasser mit dem wohlklingenden Namen "Zuber" mitgenommen auf die Fahrt ... für später ... :lol: . Die Kostprobe endet bei jedem von uns mit würgen und ausspucken. Gute Medizin soll ja nicht schmecken, also muß DAS Zeugs extrem gesund sein.

Wieder auf zwei (drei) Rädern unterwegs lenken die Straßen 981 und 977 unsere Route wieder nordwärts über Grybow und Ciezkowice. Wir haben auch den ötslichsten Punkt unserer diesjährigen Reise erreicht. Darauf gibt’s in Gromnik erstmal leckere polnische Gurken (ogurkie), Wurst und Brot aus einem klitzekleinen Sklep (Einkaufsladen). Das wird eine gemütliche Vesper im Schatten großer Bäume.
Im nächsten größeren Ort tanken wir wieder zusammen, ich zahle schnell und schon fahren wir über den jetzt schon mächtig breiten Dunajec. Dort steht ein Cezet – Fahrer und müht sich ab. Die Karre sieht aus wie aus dem Laden aber springt nicht an. Przemek zieht ihn mit seiner Maschine über den Fluß zurück in die Stadt. Ich nutze die Zeit um selbigen ( Fluß )nochmal vor die Linse zu bekommen.
Als Przemek wieder da ist, geht’s weiter auf der 975. Wir streifen die Großstadt Tarnow westlich, machen noch einen Schlenker durch ein Dorf in dem viele Häuser, Bäume und sogar Brunnen ganz toll bemalt sind.

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Schließlich setzen wir bei Nowy Korczyn über die Weichsel, die hier im Vergleich zu dem "Flüßchen" Süden jetzt ein richtig erwachsener Strom ist. Ein paar Kilometer westlich von hier hat sie sich mit dem Dunajec vereint um von nun an gemeinsam träge gen Norden zu fließen.
Für ein paar wenige Zloty für alle drei Maschinen setzen wir mit einer handbetriebenen Schrägseilfähre über. Nur durch den veränderten Anstellwinkel der Fähre gleiten wir am Seil gehalten ohne Motorkrach sanft hinüber. Dort wartet schon Michal, der den Rest des Weges unser Voraus ist. Mit straffem Tempo fliegen wir über die teils recht holprigen Straßen gen Pinczow.
Auf einer Wiese neben dem Aeroklub Pinczow (kleiner Flugplatz für Motorsegler und Ultraleichtflieger) dürfen wir unser Nachtlager aufschlagen. Michal hat das netterweise für uns arrangiert.

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Hier findet auch hübrigens das diesjährige Treffen des polnischen Awoforums statt. Wer also Lust hat.... knappe 600km bis zur deutschen Grenze, ein Pappenstiel ;-)

Da war doch noch was. Ach ja die Elektrik. Aaach, heute hat keiner mehr Bock die blöde Elektrik zu reparieren. Michal nimmt aber meine Batterie mit zum aufladen. Dann treffen wir uns und gehen in eine Pizzeria. Es wird ein große Pizza für alle bestellt. Dazu gibt’s verschiedene Dips von "mild" über "Knobi" bis "zu scharf", Bier und Whisky. Beim Plaudern vergeht die Zeit. Während ich auf der Wiese vor der Pizzeria liegend, mal schnell ne viertel Stunde nach Hause telefoniere, füllt sich der Tisch mit anderen AWOisten, die hier in der Gegend wohnen. So wird gleich ein kleines Forumstreffen draus. Michals Whisky und der lange Tag tun ihre Wirkung und so ist der Heimweg länger als gedacht. Auf dem Hinweisschild für den Flugplatz sitzen zwei Eulen. Als sie uns bemerken verschwinden sie lautlos in die Nacht.
Das Zelt wartet schon. Wir dürfen sogar die Räume des Klubs mit nutzen, unsere Telefone aufladen , duschen, kochen und die Toiletten benutzen. Vielen Dank dafür !!!
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Re: Tatratrip 2015 Berndes 3. AWO-Abenteuer

Beitragvon Bernde » Sa 27. Jun 2015, 09:41

Tag 4

Sonne lacht, Blende 8 :-)
Heute morgen holt Michal mich ab. Wir wollen endlich dem Elektrikproblem auf den Grund gehen. Tomasz schläft noch, Zusammen mit Przemek Chef vom Klub gibt’s nen Kaffee / Tee. Schnell ist alles gepackt und wir fahren los. Dort angekommen brennt die Sonne schon heiß und Michal stürzt sich gleich in das fragwürdige Vergnügen.

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Kaum ist die Lichtmaschine raus, sehen wir auch schon das Problem. Der Anker hat geschliffen und hat so den Rest bekommen. Eine andere Lichtmaschine und ein neuer Regler werden verbaut und nach einiger Fummelei geht alles wieder wie es soll. Michals Bruder bewirtet uns noch reichlich mit allerlei polnischen Leckereien und einem ganz besonders schmackhaften Schwarztee mit Zitrone. Er kann sehr gut englisch und etwas deutsch. So klappt die Verständigung einwandfrei. Als alles wieder zusammengebaut ist, und funktioniert, sind alles froh. Nun kann es endlich los gehen. 200m weiter geht die blöde rote Lampe wieder an. Die nächste Tankstelle ist unsere. Nochmal am Regler nachschauen, aber nein. Nichts festzustellen. Egal. LED - Lampen wieder dran und weiter. Nicht soviel Zeit vergeuden. Wir wollen doch fahren. Michal begleitet uns noch ein ganzes Stück ehe er umkehrt. Ich bedanke mich nochmal ganz herzlich für seine Mühe und wir vereinbaren, daß die ausgeborgten Teile irgendwie den Weg zurück finden.
Unsere Richtung zeigt jetzt wieder westwärts. Von hier aus wäre die Ukraine oder sogar Rumänien eher erreicht, als unser zuhause, aber wir haben ja nicht unbegrenzt Zeit. Vielleicht ein anderes mal ;-)

Weiter geht über Jedrzejow nach Naglowice. Dort gibt es das Mikolaj Rej Museum. Er lebte im 16. Jh. , gilt als der „Vater der polnischen Literatur“ und ist dort so bekannt, wie bei uns Goethe. Er hat z.B. auch diesen Satz geprägt: „Reisen tut gut, die Hauptsache aber ist ein gutes Weib, und das Leben auf dem Lande ist dem Treiben am Hof vorzuziehen.“ Ist bis heute aktuell, der Spruch.

In Zarki, einem beschaulichen Ort an der Straße 789 kehren wir ein. Die Sonne brennt und wir verziehen uns unter die großen Schirme. Der Wind ist irgendwie frisch, sodaß ich nicht merke wie ich Sonnenbrand auf der Nase bekomme. Bis zum Abend wird meine Nase aussehen wie die von Rudolf dem Rentier. Aber erstmal gibt’s für Przemek Forelle, für uns beiden anderen Piroggen mit Fleisch drin und hausgemachtes Kompot.

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Kompot ist nicht wie bei uns ein Schälchen mit Früchten nach dem Essen, sondern eine total leckere und erfrischende Fruchtzubereitung zum trinken. Ich lade nochmal alle ein und wir lassen es uns schmecken. Mit dicken Bäuchen geht es weiter durch die Orte Kaliety, Tworog, Kolonowskie und Ozimek Richtung Opole. Dort wollte wir eigentlich nochmal zelten, aber es fährt sich grad so schön und Tomasz hatdie Idee, eine netten Forumskollegen endlich mal zu besuchen. Die hundert Kilometer mehr tun jetzt auch nix mehr zur Sache ;-) . An einer Tankstelle noch schnell einen kleinen Energietrunk eingeworfen und dann geht’s auf der Straße 94 fast in gerader Linie Richtung Wrozlaw (Breslau). In Brzeg tanken nochmal. Während wir noch bissl ausruhen, kommen zwei Reiskocherfahrer in Jogginghosen und ihre aufgehübschten Mädels mit Stretchjeans. Wir vermuten, das wäre die neueste Mode in der Sicherheitskleidungsbranche mit Fasern aus der Weltraumtechnik. Und uns gruselt allen ein bisschen als sie wieder aufsteigen und volle Kanone davon rasen. Gleich darauf fällt uns ein fremdes Nummernschild auf. Belgien oder Bulgarien? Der Fahrer kommt auf uns zu und wir fragen einfach. Also doch Bulgarien, aha. Wieder was dazu gelernt. Nach zwei Sätzen über die AWOs fragt er uns gleich in sehr gutem englisch, was wir von Angela Merkel halten. Unverhoffte Frage efordern unverhoffte Antworten. „ Keine Politik, wir sind doch auf einem Ferienausflug! „ rutscht es mir so raus. Alle lachen!. Er macht trotzdem noch ein paar Äußerungen zur Wahl in Polen, Mafia in Rumänien und Bulgarien und der Lage in der Ostukraine. Im Zweifelsfalle … nicken und lächeln … :-)
Aber ernsthaft, bei 33.3 Grad im Schatten diskutiert es sich wirklich schlecht über solcherlei Dinge.

Zwischenzeitlich hat Tomasz Janek telefonisch erreicht. Er wird uns entgegenkommen. Hinter Olawa treffen wir dann auf ihn. Die beiden ( seine schicke Touren und er ) machen eine gute Figur . Er geleitet uns zu sich nach Hause nach Lukaszowice.

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Dort ist schon alles für uns vorbereitet. Betten, Zimmer, Essen. Und der Wodka na Myszach (Whisky) steht auch schon kalt. Er freut sich sichtlich und wir uns auch, angesichts dieses herzlichen Empfangs. Wir geraten schnell ins erzählen, seine Frau tischt auf und wir müßen nur noch zugreifen. Es gibt Rührei mit Lauchzwiebeln, frischen Schinken und ach, noch viel mehr. Die Zeit vergeht wie im Fluge während wir essen, erzählen, dolmetschen, zuhören und trinken. Kurz nach halb eins ist die Whiskyflasche fast geschafft und allen fallen die Augen langsam zu. Wir lösen die illustre Runde auf und gehen zu Bett. Tomasz bekommt das extra Zimmer aufgrund der „Sägearbeiten“, die er nachts noch zu erledigen hat. Przemek und ich teilen uns einen Raum. Ich darf aufs Sofa, er schläft, nicht ohne meinen Protest auf dem Teppich. Ich wäre der Gast. Sagt er nur kurz dazu. Ich hüpfe noch schnell unter die Dusche und wasche mir den Staub und die Hitze der heutigen 312 km ab. Durch das Dachfenster schauen die Sterne hinein und schon sind die Augen zu.
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Re: Tatratrip 2015 Berndes 3. AWO-Abenteuer

Beitragvon Bernde » Sa 27. Jun 2015, 09:46

So und nun habt ihrs gleich geschafft ;-)
Der letzte Tag.

Tag 5

Aufwachen, Sachen packen, waschen, Zähne putzen. Als erstes gibt es einen „Muntermacher“. Schwarzen Tee mit braunem Zucker. DA könnte ich mich auch dran gewöhnen. Przemek ist schnell (es ist Sonntag) mal in die Kirche und Tomasz und ich einigen uns auf einen letzten Versuch, herauszubekommen, was mit der Lichtmaschine los ist. Er bietet mir sogar an, seine aus der Touren auszubauen, damit ich heil nach Hause komme. Dieses äußerst hilfsbereite und nette Angebot muß ich strikt ablehnen. Er riskiert für mich Strafe und Ärger mit der Miliz. Das möchte ich auf keinen Fall. „Dann bleibt alles so, wie es ist, mit den LED – Lampen“. Ich werde schon ungeschoren davon kommen. Aber das Angebot allein ist schon Gold wert. Respekt !!!
Lichtmaschinendeckel runter und … was kommt uns da entgegen … eine Druckfeder von der Kohle. Ist ja ein Ding. Die Kurbelwelle hat schon einen kleinen Drall. Deshalb hat der vorige Anker auch geschliffen und ist kaputt gegangen. Die Druckfeder nun wird aus dem selben Grund raus gehüpft sein. Ein wenig nachbiegen hilft und siehe da. Die Ladelampe geht aus. Wir sind beide glücklich darüber.
Da ruft Jenek uns schon zum Essen. Wieder werden frischer Salat, Käse, Schinken, selbstgemachte Käsepiroggen und frisches Brot aufgetafelt. Alle sind in fröhlicher Plauderlaune und hauen ordentlich rein. Das reicht locker bis nach Hause und ist sooo anders lecker als bei uns gewohnt . Das macht reisen aus. Das Land mit allen Sinnen zu erleben, mal nicht nur die ausgetrampelten Touristenwege zu nehmen und sich , so sich die Möglichkeit bietet, auch mal in die Büsche zu schlagen.
Es werden noch Abschiedsfotos gemacht.

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Przemek fährt von hier aus wieder gen Heimat. Wir verabschieden uns sehr herzlich. Es war mir eine Freude mit dir reisen zu dürfen. Hat Spaß gemacht, trotz der sprachlichen "Unzulänglichkeiten" auf beiden Seiten.
Janek bringt uns restliche zwei beiden mit dem Jeep über kleine und kleinste Straßen bis zur Hauptstraße, die uns um Wrozlaw herum leiten wird. Nochmals gibt es ein paar dankbare Worte unsererseits, gute Wünsche auf die Reise seinerseits und schon bald knattern wir über die topfebene Ringautobahn A8 (die übrigens keine Maut kostet) zur Anschlußstelle der Straße Nr. 94, die uns weiter gen Heimat bringen soll. Alles läuft super, die Motoren summen, Licht geht, Ladekontrolle fällt mal positiv durch NICHT LEUCHTEN auf und die Temperaturen sind sehr angenehm für Mensch und Maschine. Noch ein paar Kilometer tuckern wir in wohligen Erinnerungen über das erlebte schwelgend, gemeinsam durch Wald und Feld.

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Kurz vor Legnica (Liegnitz) legen wir noch einen kurzen Verabschiedungsstopp ein, Ich gebe ein letztes Fishermans friend Spearmint (die leckersten) aus, ein paar nette Worte des Dankes. Das war nicht das letzte Mal!

Dziękuję bardzo!

Von nun an zieht jeder wieder seine Bahn alleine.

Von Westen her rollt eine dunkle Regenfront heran, auf die ich mich mit knappen 80 zu bewege. Sollte die neue Regenkombi doch noch zum Einsatz kommen? Ach paar Tropfen bis heim bringen keinen um.
Kurz vor Boleslawiec ( Bunzlau ) läßt mich der plötzliche Leistungsverlust mitten auf gerader Strecke aus meinen Gedanken hoch schrecken. Das Gefühl kennste doch. „Willst du jetzt kurz vor zu Hause fest gehen, nach all den Kilometern? ( 1600 knapp)“.
Schnell das Gemisch anreichern mit dem Gasgriff ! Es hilft nicht viel. Mit maximal 50 km/h schleppen wir uns noch ein Stück, dann halte ich an einer Einbuchtung an. Hinter mir steht schon eine Wand aus Ölnebel, der sich durch das Entlüfterröhrchen ins freie gekämpft hat. Im Standgas läuft der Motor noch. Also Öl auffüllen anschieben und gaaanz vorsichtig weiter. Bis zur nächsten Tanke geht das so. Mittlerweile hat es angefangen zu schütten wie aus Kannen. Stört jetzt auch keinen großen Geist mehr. An der Tankstelle Benzin rein, Öl nachfüllen. Meine gute Alpina geht beim anschieben verloren. Wie eine Dampflok qualme ich durch Bunzlau und wieder hinaus. „Komm schon, wir machen vorsichtig so weiter bis heim!“ Es fährt ja, aber mehr als 50 sind nicht drin. Als ein paar wenige Kilometer weiter die Geschwindigkeit immer weiter runter geht, schwant mir schon, daß ich mit der Maschine nicht aus eigener Kraft heim komme. Die nächste Tanke kommt in Sicht und ich lasse mich auf den Hof rollen. AUS !

Was nun? Ärgern? Grübeln? Freuen?

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Zunächst hält ein Päärchen aus der Gegend Poznan an. Sie sind auch pitschenaß und er fragt, ob er irgendwie helfen kann. "Leider nein, Motorschaden". Beide schauen mich entgeistert an. "Aber es wird schon Rat werden". Danke aber für diese, heutzutage nicht mehr selbstverständliche Geste.

Ich zücke mein Telefon und rufe an:

ADAC : 1min klingeln lassen, keiner geht ran :evil:
Meine Frau: ist mit der kleinen beim Marathon und hört nix
Mein Schwager: eine Frauenstimme erklärt mir, daß diese Nummer nicht stimmt. AHA!
Eltern: gehen ran, wissen aber auch keinen Rat, werden nur immer aufgeregter. Blöde Idee, dort anzubimmeln...

Schließlich ruft Anja zurück und wir sprechen die Optionen durch. Aufladen und heimholen. Doch da fällt mir ein, der Nordkapreservemotor steht doch komplett einbaufertig in der Garage. Das wäre ja viel einfacher.
Mein Schwager und der Freund meiner Nichte holen den Motor, laden ihn in den Kombi und kommen. Anja ist auch unterwegs. Es sind ja nur 30 km bis zur Grenze. Ich nutze die Zeit für einen „Live“- Motorausbau , Kuchen essen mit Red Bull und Selbstporträts „ kaputter Motor und ich“.

Als alle da sind ist die Reservemaschine flugs eingebaut und nach ner knappen halben sind wir wieder auf dem Weg. Ganz stolz! Trotz allem auf eigener Achse heim zu fahren hat schon was !

!!! Danke an alle Mithelfer !!!

Alles scheint prima. Nach ein paar wenigen Kilometern meldet sich die alte Bekannte rotflackernderweise wieder. Schietendreck elender ….

Anhalten , nachgucken! Oh, Oh, der Regler ist warm und riecht schon sehr „elektrisch“. Du blöder Id***. Willst große Reisen machen, kannst aber nicht mal die Lichtmaschine richtig anschließen? Zwei läppische Kabel ? Naja zu spät. Regler und Lima sind gebrutzelt. „Das soll dir eine Lehre sein!“
„Zu Hause gehst du der Sache auf den Grund und lernst den Kabelbaum und die Anschlüsse auswendig! “, schwöre ich mir innerlich.

Wenn das kein schöner Schlußsatz ist. Tolle Tour mit guten Freunden die herrlichste Landschaft erleben. Mit technischem Lerneffekt am Ende. Was will man mehr? Ich lass das mal so stehen!

Danke Anja, daß du mich (wieder) hast fahren lassen.
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Re: Tatratrip 2015 Berndes 3. AWO-Abenteuer

Beitragvon Bernde » Sa 27. Jun 2015, 09:48

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;;;;;;
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Re: Tatratrip 2015 Berndes 3. AWO-Abenteuer

Beitragvon braendel » Sa 27. Jun 2015, 11:03

Immer wieder nur geil das zu lesen. Prima !!!

grüße
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Re: Tatratrip 2015 Berndes 3. AWO-Abenteuer

Beitragvon steppe » Sa 27. Jun 2015, 21:26

Bernde, alte Galaune, hast ja mal wieder einen schönen Trip hinter dich gebracht. Muß mich da auch mal dran hängen mit dir und Tomasz. All die schönen Sachen, die man auch im östlichem Ausland erleben kann. Leider warsd du ja in Danewitz noch vor dem Hahnenschrei (also den nach meinem Sonnenstand) schon wieder weg, so daß das Labern mal wieder zu kurz kam. Ansonsten schöne Zeilen mal wieder.

Gruß Steppe
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Re: Tatratrip 2015 Berndes 3. AWO-Abenteuer

Beitragvon Bernde » Sa 27. Jun 2015, 22:23

ich nehm dich beim wort steppe ;;;;;;
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BastiL
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Re: Tatratrip 2015 Berndes 3. AWO-Abenteuer

Beitragvon BastiL » Sa 27. Jun 2015, 22:46

Geil der Bericht!!!! Hast du dir mal überlegt deine Berichte in einer Oldizeitung zu veröffentlichen? Deine Reisen lesen sich echt toll!!!!

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