Tatratrip 2015 Berndes 3. AWO-Abenteuer

Wieder mal eine geile Strecke gefunden oder gut untergekommen? Und du willst es nicht für dich behalten? Dann hier rein damit!
Benutzeravatar
Bernde
AWO 425 Member
Beiträge: 646
Registriert: Mo 3. Aug 2009, 14:43
Gewerbetreibender für Oldtimer & Zweirad: NEIN
Wohnort: 02894

Tatratrip 2015 Berndes 3. AWO-Abenteuer

Beitragvon Bernde » Mi 24. Jun 2015, 16:52

Hallo Leute!
Hätte da mal wieder bissl zum schmökern für euch 8-)
hoffe ich schaffe in den nächsten Tagen noch paar mehr Zeilen. Das hier erstmal zum aufwärmen.


Tatratrip 2015

Tomasz (AWO T -solo-)
Bernde (AWO S -gespann-)
Przemek (Yamaha XT)

03.06. bis 07.06.2015

Vorwort.

Initialzündung diesmal ( wiedermal ) war ein total nettes Gespräch nach dem Genuß geistiger Getränke mit Tomasz und Karo beim Wintertreffen in Danewitz. Als die Worte „weiter als letztes Mal“, Beskiden und „hohe Tatra“ fielen, wars um uns geschehn. Es war nicht ganz abzusehen, ob es wirklich klappen würde, aber in Gedanken waren die Tage um Fronleichnam schon gebucht.

Als dann nach dem Schraubertag der eingebaute Nordkapersatzmotor mit dem fehlerhaften Zylinderkopf anfing, mehr als 7 liter/100km zu „saufen“, nicht mehr mit kicken ansprang und kaum noch Leistung hervorbrachte, war es wieder an der Zeit einen Notruf gen Reinsdorf abzusetzen. Rene' hat uns noch nie im Regen stehen lassen und so bekam ich einen schnellen Termin.
Kurz und Knapp: den Kopf mußten wir verwerfen. Neuer Kopf aus seinem Fundus, neue Ventilführungen und Ventile, alles wieder zusammen fertig. Ergebnis war mehr Kompression als je zuvor, sprang sofort an und lief gut.
Bei schönstem Sonnenschein auf dem gemütlichen Sofa seiner Werkstattterasse inkl. frischen Semmeln, selbstgemachter Leberwurst und (schon wieder) geistigem Getränk kommen einem ja so manch verrückte Gedanken. Und so bot Rene' mir an, einen seiner ersten Tuningmotoren mit hoher Verdichtung, und 74,5er Jokisch-Flachkolben mit zunehmen. Ich könne ihn fahren bis er den Geist aufgibt und dann wiederbringen. „kann 500, kann 1500km halten! “, sagte er mir, Da es mit den Kolben in der Vergangenheit einige Probleme gab, wollte er keine größeren Touren mehr machen. (Ich ja auch nicht... und was heißt schon „groß“ … :-) ). Andererseits lief der Motor tadellos und hatte auch wirklich jede Menge Kraft, war also auch zu schade zum einfach „auseinanderrupfen“. Also fahren, fahren, fahren, bis Schluß ist.

Rene' wollte sogar auch mit fahren, entschied sich dann aber , weil sonst wieder eine Woche die Arbeit liegen geblieben wäre und die Leute doch auch alle auf ihre Motoren warten würden, gegen Reisen und für Arbeiten ( Hut ab ! )

Wieder glücklich zu Hause angekommen, bekam das Gespann den Tuningmotor eingebaut, frisches Öl drauf und Testfahrt. Tja, wenn mans nicht kann, soll mans lassen oder aus Fehlern lernen. Lichtmaschine falsch angeklemmt Regler abgekocht. Nach Berichtigung des Fehlers ging es zwar, aber der Kontakt im Regler sah nicht grad mehr gut aus. Naja, die rote Lampe ging aus und Rene' schickte mir einen neuen Regler, der zur Zeit kommen sollte. Streik sei „Dank“, kam er aber ainen Tag zu spät und so fuhr ich eben auf gut Glück mit einem anderen gebrauchten Regler im Gepäck los.

Sonstige Technische Vorbereitungen:
Heidenau Enduropellen aufgezogen,
Beiwagenaufhängung (diejenige, welche auf dem Heimweg vom Nordkap in Schweden von Roland geschweißt wurde und bis jetzt gehalten hat)durch eine äußerst solide Replik ersetzt
nach ca, 17000 Gespannkilometern endlich abends um 8 mit Opa zusammen den Fehler in der Beiwagengeometrie erkannt und behoben
Einbau Solokardan
Ölwechsel Motor, Getriebe, Kardan

Ein Problem war diesmal auch das Wetter. Wir hatten ausgemacht, eine Woche vorher verbindlich „ja“ oder „nein“ zur Fahrt zu sagen. Es war ja wirklich für die Woche um Fronleichnam kein gutes Wetter angesagt, was mir wiederum das „ja“ sehr erleichterte, Heu würde ich nicht machen, wenns regnet. Also sagte ich zu. Und als hätte ichs geahnt, wird kurz vor Reisebeginn die 14 Tage – Schlechtwetterprognose zu einer 7 Tage - Hochsommerprognose ? Eine ganz doofe Situation , die mich um den Schlaf brachte. Wir hielten Familienrat und entschieden uns dafür, ich solle mich vom Acker machen und das Futter machen wir die Woche drauf !

So, Sachen packen, Reservekanister auffüllen, Reiseutensilien, wie Zelt, Schaffell, Schlafsack, norwegischen Grundbrandsalsost, Isomatte, Ersatzteile, Sherry, IM NU, Brot, EC-Karte, Papiere, Emailletippel, Polenatlas, AWOBIBEL, polnisch- deutsch Wörterbuch, Benzinkocher, Zucker, Salz und paar Süßigkeiten zusammensuchen und verstauen.... und warten, daß der Morgen graut.....

Auf die Plätze ! Fertig ! Los !

Tag 1

Nach einer herzlichen Verabschiedung von meiner lieben Anja, den Kids und den Eltern geht’s ab Richtung Osten.

Tomasz hat sich schon Dienstag Nachmittag nach Srebrna Gora aufgemacht, übernachtet dort bei seinem Kumpel und dort wollen wir uns treffen. Zirka 200km trennen uns also heute noch, bevor die „richtige Fahrt“ beginnt. Die sollten bis kurz nach Mittag zurückgelegt sein.
Bei schönem Sonnenschein und angenehmen Temperaturen genieße ich, nachdem wir uns durch Zgorzelec durchgezirkelt haben, den guten Straßenbelag der Straße Nr. 30. Mit dem kräftigen Motor macht das fahren durch die leicht wellige Landschaft Spaß. Wir pendeln so um die 80km/h mit Solokardan und auch Steigungen steckt der Antrieb super weg. Könnte man sich dran gewöhnen.
Luban, Gryfow und Jelenia Gora fliegen vorbei. in Stück hinter Bolkow suchen wir uns auf kleineren Straße den Weg um Walbrzych herum Richtung Süden (Swidnica, Bielawa, Srebran Gora).

Auf dem schönen Marktplatz von Srebrna Gora (Silberberg) wartet Tomasz schon. Nach einer herzlichen Begrüßung und ein wenig Geplauder gibt’s auch schon was zu reparieren. Die Touren verliert Öl und die Kupplung rutscht. Tomek hat schon eine Werkstatt aufgetan und so fahren wir nach Zabkowice Sl. .
In einer kleinen Werkstatt mit großem „Abstellplatz“ für schrottige Mopeds, auf einem Hinterhof bekommen wir Hilfe. Uwe ist ein netter Kerl, der uns alles was wir brauchen zur Verfügung stellt. Hier wird alles repariert was 2 Räder hat, vom 50 Kubiker über Gummikuh bis zum fetten Harley – Chopper und nu auch noch AWO :-).
Ruck Zuck liegt das Getriebe neben der Maschine. Kupplung raus und entfetten. Die große Nuß für die Sicherungsschraube borgt uns Uwe, aber den Schwungscheibenabzieher hab ich dabei.

DSC00116_1.JPG


Der Simmerring deht gut raus, aber die Ringfeder ist auseinander. Neuen Simmerring hab ich auch mit. Schnell ist alles wieder gesäubert, abgedichtet und zusammengesteckt. Und die Sonne brennt. Zwischendurch quatscht uns noch ein Yamahafahrer an, der auch ne AWO hat und Tomasz lädt ihn ins awoforum.pl ein. Nach einer freundlichen Verabschiedung ziehen wir weiter.
Die Fahrt geht durch meist flaches Land. Rechts von uns ziehen sich mal näher, mal weiter im Hintergrund die verschieden Höhenzüge der zu den Sudeten gehörenden kleineren Bergketten. Hinter Paczkow überqueren wir die tschechische Grenze, um Nahe Bili Potok an einer Gaststätte ein verspätetes Mittagessen einzunehmen. Es gibt laut Auskunft des Kellners nur ein Gericht. Suppe aus der elektrischen Warmhalteterine. OK. Nehmen wir. Plus 2 mal Marconi Mineralwasser. 12 Zloty. Billig hier ! Wir essen auf der Terasse. Die Suppe schmeckt hervorragend, und ist sättigend, wenn wir auch nicht wissen, was drin ist. Brot essen wir von uns welches dazu. Nach dieser Stärkung geht’s erstmal auf der tschechischen Seite weiter. Die Straßen hier sind in sehr gutem Zustand und schlängeln sich schön durch die Felder, Wiesen und klienere Ortschaften. „Toll zu fahren!“, sind wir einer Meinung. Als landwirtschaftlich interessierter … Landwirt... :-) … fallen mir die großen und sehr ordentlich bewirtschafteten Felder auf. Nur ein wenig zuviel Weizen in Monokultur für meinen Geschmack. Auf den Wiesen wird Heu oder Silage gemacht. Auch die Technik ist modern und kann sich sehen lassen.
Unseren dritten Mitstreiter gabeln wir kurz hinter der Grenze auf polnischer Seite in Glucholazy auf. Przemek hat eine Yamaha XT und nach kurzer Unterhaltung machen wir uns nun zu dritt auf den Weg. Das heutige Tagesziel werden wir wohl nicht mehr schaffen. Deshalb machen wir erstmal paar Kilometer und werden sehen, wohin uns der Wind treibt. Ganz grob verläuft unser Weg durch Prudnik, Glubczyce, Kietrz, Raciborz (wo wir die noch kleine Oder überqueren), Wodzislaw Sl., und Jastrzebie Zdroj. Dann gehts eine Weile an der Weichsel entlang, an Skoczow vorbei bis Ustron. Hier wollten wir eigentlich morgen das Motorradmuseum „Rdzawy Diamenty“, (rostige Diamanten) angucken. Nun stehen wir im dunklen davor und beratschlagen, wo unser Lager für die Nacht sein wird. Am Tor steht eine Telefonnummer, die wir anrufen. Remi (Remigiusz), der „Museumsleiter“ empfängt uns ein paar hundert Meter weiter die Straße rauf. Er ist hin und weg über unsere Maschinen und bietet uns sofort an, im Museum übernachten zu können. Ob da wohl auch wie im Hollywoodstreifen die ausgestellten Exponate nachts lebendig werden ?
Sein kleiner Sohn will im Beiwagen mitfahren. Nun, der ist voll Gepäck. Also wird kurzerhand das Schaffell auf die Essensbox gelegt und der Kleine obendrauf gepflanzt.

DSC00148_1.JPG


„Gut festhalten!“ Tomasz gibt ihm seinen Helmunterzieher, damit es wenigstens so aussieht, wie ein Helm. Prompt kommt auch ein Streifenwagen vorbei, aber behelligt uns nicht . Und los geht die lustige Fuhre durch die Stadt bis wieder vor die Tore des Museums. Der Kleine steigt völlig high [ vorsicht denglisch!! für alle die es nicht mögen, wirrr sind jarrr teutsche: sinngemäß übersetzt, „über alle Maßen begeistert“ (kleiner Scherz nicht böse sein)] ab und ist kaum noch zu bremsen vor Glück.
Wir sind baff, daß wir hier schlafen können , inmitten von wirklichen Schätzen. Erstmal gibt’s eine Führung durch die Katakomben, die bis zur Decke voll gestellt sind mit wirklich sehenswertem Alteisen. Von Remi's Schmuckstück, einem über 100 Jahre alten Eisschrank über Zonenmaschinen (Panonina, Awo, Isch, Ural, Jawa usw.) über jede Menge Vorkriegsbriten ( AJS, Rudge, Viktoria, BSA, Enfield, JAP usw.), weiter zu den deutschen DKW, Wanderer, NSU und ach, weiß der Teufel noch für welche ;-) ,

DSC00152_1.JPG


bis hin zu völlig unbekannten Maschinen aus lokaler Produktion und Eigenbauten läßt ein Raum nach dem anderen das Schrauberherz höher schlagen. Dutzende von kleinen und großen Blechschildern mit zum Teil skurrilen Aufschriften gibt es zu bestaunen und zu jedem Exponat weiß Remi was zu erzählen. Bald nimmt er mich beiseite und meint, ich könne ihm ja auch was schicken. Kann ruhig Schrott sein. Irgendwo wird es sicher sein würdiges Plätzchen finden.
Nach soviel input gibt’s erstmal nen schwarzen Tee für mich, Bier und Glimmstengel für die anderen. Immer ausgelassener wird erzählt, im Hintergrund läuft absolut passend Mukke aus den goldenen 20ern und ich fühl mich hier sehr aufgenommen, obwohl ich wie der 13. Krieger nur Fetzen von dem verstehe, was erzählt wird. Komisch, man versteht kaum ein Wort, weiß aber trotzdem, worüber erzählt wird.
Nach 470 km Tagespensum fallen mir über dem Notizbuch leicht die Augen zu und so ziehe ich mich in den Innenhof auf eine Gartenbank zurück und mache es mir mit dem Schaffell in der lauen Nacht gemütlich. Aus dem schmalen Kelleraufgang klingt „Bei mir bist du schön...“. 1/2m neben meinem Kopf ragt der rechte Zylinder einer Guzzi auf und wacht über mich.

Hättet ihr euch vorstellen können, daß sich das „Alteisen“ - Paradis in einem polnischen Keller befindet ? Und wir pennen mitten drin.
Du hast keine ausreichende Berechtigung, um die Dateianhänge dieses Beitrags anzusehen.
dirty old men need love too. - burt munro 1899-1978 -
Benutzeravatar
Matthes
AWO 425 Member
Beiträge: 3911
Registriert: Di 1. Jul 2008, 21:48
Gewerbetreibender für Oldtimer & Zweirad: NEIN
Wohnort: 0309x Cottbuser Umland
Kontaktdaten:

Re: Tatratrip 2015 Berndes 3. AWO-Abenteuer

Beitragvon Matthes » Mi 24. Jun 2015, 17:11

Bernd! Hör doch mal auf!
Ich komme doch wieder zu nüscht, muss immerzu deine Berichte lesen und träume dann vor mich hin.
Du bist gemein! :lol:

Romy was sagst Du dazu?
Ich bin Preuße,…bitte zügeln sie ihre Begeisterung.“ (Loriot)
Benutzeravatar
Bernde
AWO 425 Member
Beiträge: 646
Registriert: Mo 3. Aug 2009, 14:43
Gewerbetreibender für Oldtimer & Zweirad: NEIN
Wohnort: 02894

Re: Tatratrip 2015 Berndes 3. AWO-Abenteuer

Beitragvon Bernde » Mi 24. Jun 2015, 17:33

dirty old men need love too. - burt munro 1899-1978 -
Aworico

Re: Tatratrip 2015 Berndes 3. AWO-Abenteuer

Beitragvon Aworico » Mi 24. Jun 2015, 17:39

Liest sich Super toll und voll interessant, weiter so. Cool
Benutzeravatar
Schrauberklaus83
AWO 425 Member
Beiträge: 214
Registriert: So 25. Jul 2010, 11:39
Gewerbetreibender für Oldtimer & Zweirad: NEIN
Wohnort: Nassau, Erz

Re: Tatratrip 2015 Berndes 3. AWO-Abenteuer

Beitragvon Schrauberklaus83 » Mi 24. Jun 2015, 21:44

Der Bernde wieder mit seinen coolen Reiseberichten. ;;;;;;;
Immer wieder sehr interessant, weiter so und mehr davon. :D

Gruß Ralf
Wer später bremst, is länger schnell.
Benutzeravatar
Schraubär
AWO 425 Member
Beiträge: 222
Registriert: Mi 25. Jun 2008, 21:36
Gewerbetreibender für Oldtimer & Zweirad: NEIN
Wohnort: 14558/Nuthetal

Re: Tatratrip 2015 Berndes 3. AWO-Abenteuer

Beitragvon Schraubär » Mi 24. Jun 2015, 21:44

Wie immer toll geschrieben. Auf so eine Tour hätte ich auch mal Lust.
AWO T Bj.55 mit Stoye TM; NSU 251 OSL Bj.39
Benutzeravatar
Outlander
Beiträge: 140
Registriert: Mi 14. Okt 2009, 12:07
Gewerbetreibender für Oldtimer & Zweirad: NEIN
Wohnort: Dresden

Re: Tatratrip 2015 Berndes 3. AWO-Abenteuer

Beitragvon Outlander » Do 25. Jun 2015, 07:04

;;;;;;; ...."ich glaub es geht schon wieder los".... ;;::;;:: ;;;;;; ;;::;;:: ;;;;;;
Benutzeravatar
Bernde
AWO 425 Member
Beiträge: 646
Registriert: Mo 3. Aug 2009, 14:43
Gewerbetreibender für Oldtimer & Zweirad: NEIN
Wohnort: 02894

Re: Tatratrip 2015 Berndes 3. AWO-Abenteuer

Beitragvon Bernde » Do 25. Jun 2015, 13:04

2.Tag

Wieder erwarten haben sich die Exponate im Museum nachts recht ruhig verhalten und ich wache recht früh, gut ausgeschlafen auf. Fetzt schon, so mitten zwischen so viel alten Maschinen ! Das Wetter verspricht, angenehm zu werden. Tomasz liegt noch zusammengeringelt unter seiner Touren, Ich mache mir ganz in Ruhe nen IM NU und flicke meine Lederhose mit der Nähale.

DSC00167_1.JPG


Ganz allmählig werden alle wach und wir frühstücken zusammen neben einer alten NSU und einem russischen Armeegespann Dosenwurst, Nudossi, Gudbrandsdalsost und frisch geholte Brötchen. Remi und seine Frau kommen auch bald mit ihrem Hund und es gibt noch einiges zu erzählen. Schon gestern flackerte die Ladekontrolle ab und an und heute früh habe ich den Regler gewechselt. Über Nacht haben wir mit Remi's kleinem aber sauschweren Eigenbauladegerät die Batterie wieder aufgeladen. Nach dem Zusammenbau funktioniert erstmal alles wieder tadellos.
Fit für den Tag starten wir. Aber vorher übergebe ich noch ein spezielles Geschenk. Meine Nordkapzündkerze habe ich ja immer auf längeren Fahrten dabei. Seit heute hat sie ihren Ehrenplatz im Museum Rdzawe Diamenty in Ustron bei Remigiusz und Angnieszka Dancewicz (nicht zu verwechseln mit Danewitz) gefunden und ist nun dort zu „bestaunen“ ;-).
Wir verabschieden uns herzlich und auf geht’s.

DSC00169_1.JPG


Grobe Richtung > Ustron, Wisla, Istebna, > Übertritt über die slowakische Grenze.


Ach ja, heute ist ja Corpus Christi (Fronleichnam). Das heißt einerseits, Feiertag, viel Verkehr und Staugefahr auch in kleinen Orten, andererseits aber auch Blütenteppiche auf den Straßen, total schön geschmückte Friedhöfe und alle haben sich schick gemacht. Einige Male können wir durch geschickte Haken schlagen den Prozessionszügen ausweichen, doch kurz vor der Grenze dann stop. Eine halbe Stunde Zwangspause, zum Glück an einer ganz kleinen Küche mit leckerem sehr preiswertem Essen und Kaffeeausschank. Die Zeit wird genutzt um mit den Leuten ins Gespräch zu kommen und , na klar, um was zu essen. Ich bestelle irgendwas überbackenes was ein anderer auf dem Tisch stehen hat. Tomasz bestellt das Gericht des Tages. Ich bin schon neidisch auf seinen Gulasch mit ner lokalen Nudelteigspezialität für unglaublich wenig Geld. Wir einigen uns also lachend darauf, daß nächstes mal Tomasz für mich mit bestellt und ich nicht wieder aus Versehen das „Touristenaufgebackeneeinheitszeug“ nehme. Meine Gericht schmeckt auch gut , aber dafür bin ich nicht hier, um wie zu hause bei dr. oetker zu speisen.

Nach dem die singende und Weihrauch und Glöckchen schwingende Prozession vorbeigezogen ist, geht’s auch schon weiter entlang am steinigen Flußbett eines Nebenflusses der Sola, hinauf in die Berge. Am Grenzschild halten wir kurz für ein paar Beweisfotos.

DSC00217_1.JPG
Du hast keine ausreichende Berechtigung, um die Dateianhänge dieses Beitrags anzusehen.
dirty old men need love too. - burt munro 1899-1978 -
Benutzeravatar
Bernde
AWO 425 Member
Beiträge: 646
Registriert: Mo 3. Aug 2009, 14:43
Gewerbetreibender für Oldtimer & Zweirad: NEIN
Wohnort: 02894

Re: Tatratrip 2015 Berndes 3. AWO-Abenteuer

Beitragvon Bernde » Do 25. Jun 2015, 13:17

In einem Dorf kommt uns eine Frau mit einer Kuh am Strick auf der Straße entgegen. Die Straßen hier sind nicht so gut ausgebaut, mit der Sport aber erträglich. Die Touren hüpft da schon etwas mehr durch die Löcher. Berge und Hügel gibt’s ja hier viele, aber als da Felsmassiv des kleinsten Hochgebirges der Welt ins Blickfeld kommt, halten wir an. Tomek fragt mich auf englisch mit einem entzückten Gesichtsausdruck, ob ich das gleiche denke, wie er. JA!!!!

Ausblicke die ihresgleichen suchen. Hoch, runter, Kurven. Wer sagt: „AWO is nix fürs Gebirge“? Quatsch! Im Gegenteil, man sieht viel mehr, wenn man langsamer ist. Uns überholen viele Reiskocher. Manchmal erschrecke ich richtig. Die sehen doch nur den Straßenbelag und ihr Tunnel. Hat ja auch seinen Reiz … denke ich... vielleicht....

DSC00279_1.JPG


Wir jedenfalls halten immer wieder an und genießen die fantastische Aussicht an diesem Herrlichen Sonnentag. Die Luft ist so klar und nur einzelne Wolken spielen um die Berge. An einem Punkt kommt eine Herde Gummikühe vorbei, dreht um und fährt wieder bergauf. Wir grüßen freundlich. Nachdem sie aber zum vierten Mal die selbe Aktion wiederholen, kommen uns Gedanken, die trauen sich nicht, hier anzuhalten, bis wir wieder weg sind. Also sitzen wir wieder auf und machen den Platz frei. Da kommen sie nochmal vorbei und diesmal lese ich auf einem Rücken „Motoskola“. Aha, die üben hier sicher Kurven fahren.
Recht steil und kurvenreich führt uns die sehr gut ausgebaute Straße 584 ins Tal. Unten erstmal schlucken, um den Druck auszugleichen. Entlang des > 20km² gößen Liptauer Stausees,bewegen wir uns nach Liptowsky Mikulas. Sieht nach ner Großstadt aus, die auf Touristen eingestellt ist. Dort gibt’s ein Eis, 98er Sprit und Red Bull. Wir genießen die Sonne und ich freue mich über eine in der Nähe auf einem der sanften grünen Hügel grasende, große Rinderherde. Wir schlagen uns bei Liptovsky Hradok wieder „in die Büsche“ und steuern vom Flachland über die Straße 537 straff wieder aufs Gebirge zu. Hier ist es wirklich flach (auf 600m Höhe über NN ) und die Riesen im Hintergrund mit ihren glänzenden Schneefeldern bieten ein Panorama, was sich sofort im Kopf fest setzt, um ja nie wieder vergessen zu werden. Genial ! Das muß einen einfach berühren , auch wenn man ein Kind der See ist.

DSC00284_1.JPG


Schon bald steigt die Straße beharrlich an. Ich habe keine Probleme mit dem Solokardan und mit dem vollgepackten Beiwagen an Tomasz dran zu bleiben, Es fetzt auch einfach, wenn man mit Gepäck und Seitenwagen so harmonisch mit fahren kann und niemand auf „die lahme Ente“ warten muß. Die Maschine summt wie ein Bienchen.
Auf dem höchsten Punkt bei Strbske Pleso verliert Tomasz den Tritt des Kickstarters. Ich sehe ihn noch fliegen und auf der Straße liegen bleiben. Schnell ist er wieder aufgehoben und angebracht. Mit neuem Sicherungssplint. Ein paar hundert Meter wieter dann meldet sich, überhaupt nicht zögerlich und in unfreundlichem rot, meine alte Freundin, die Ladekontrolllampe. Anhalten, gucken. Wir versuchen dies und das. Nun ist wohl die Lichtmaschine hin. Michal unterstützt uns fernmündlich so gut es geht mit seinem Wissen. Neue Kohlen, Neuer Regler. Nix. In weiser Voraussicht hab ich ja immer ein LED Fahrradrücklicht und ne Taschenlampe dabei. Mit dem Spezialwerkzeug ( Ducktape ) werden die Funzeln fest gemacht. Ohne Licht fahren ist ja nicht in Polen. Für die Slowakei sind wir uns grad nicht sicher ob oder ob nicht. Tomasz denkt nun zwar dauernd, er hätte eine neue BMW hinter sich, aber besser als gar nichts :-) . In der Zeit sind schon ungezählte „Biker“ an uns vorbeigezogen und keiner ist auch nur langsamer geworden, geschweige denn anzuhalten und Hilfe anzubieten. Das sie vielleicht eh nicht hätten helfen können, davon mal abgesehen, aber die Geste allein ist es wert ! Das können wir besser, sagen wir einstimmig und schwingen uns wieder in die Sättel
Abgesehen von der schieten Elektrik, hatte ich schon erwähnt wie atemberaubend schön es hier ist ?

DSC00303_1.JPG
Du hast keine ausreichende Berechtigung, um die Dateianhänge dieses Beitrags anzusehen.
dirty old men need love too. - burt munro 1899-1978 -
Benutzeravatar
Bernde
AWO 425 Member
Beiträge: 646
Registriert: Mo 3. Aug 2009, 14:43
Gewerbetreibender für Oldtimer & Zweirad: NEIN
Wohnort: 02894

Re: Tatratrip 2015 Berndes 3. AWO-Abenteuer

Beitragvon Bernde » Do 25. Jun 2015, 14:13

Links von uns schiebt sich die späte Sonne nochmal zwischen den über 2000m hohe Zinnen hindurch und wärmt uns die Nasenspitzen. Hier oben ist doch die Temperatur um mindestens 10 Grad abgefallen und von den Riesen, die hier Wache stehen, weht Eisluft heran. Es sind imposante Zweieinhalbtausender. Der höchste ( auch der Slowakei und der gesamten Karpaten) ist die Gerlsdorfer Spitze mit 2654m. Der Rysy auf der polnischen Seite ist mit 2499m auch gleich Polens höchster Berg ( fast gleichauf mit Skandinaviens höchstem Felsen ^^ ). Außerdem sind große Teile Naturschutzgebiet.
Rechts kann man viele, viele Kilometer weit gen Süden und Südosten ins Tal und die Ebene hinab schauen, bis der Dunst und die nächste Hügelkette dem Auge wieder Einhalt gebieten.
Was uns auch auffällt sich riesige Kahlflächen an den Südhängen. Hier hat sich 2004 ein Sturm qadratkilometerweise in den Fichtenbestand gefressen und erst aufgehört, als fast alles verwüstet war. Die Schäden sind bis heute nicht alle zu beseitigen gewesen.

DSC00321_1.JPG


Der Tag ist schon dem frühen Abend gewichen und der Wind schiebt Wolken über die Berge, was uns leicht frösteln läßt. Bald verlassen wir die 537 uns links haltend auf die große Straße 67 ( Je größer die Straße, deto kleiner die Nummer ). Zakopane lassen wir buchstäblich links liegen ( zu viele Touris :-) ) und halten auf Bukowina zu.

Dort gibt es das Restaurant „Bury Mis“. Und das muß ich euch etwas genauer beschreiben !
Man sollte ruhig seinen Tagesplan so einrichten, daß man dort einkehren kann. Ein optischer, geschmacklicher, haptischer und auf der Toilette sogar akustischer Leckerbissen, den man dort serviert bekommt.
Von außen fallen mir sogleich blubbernde Glasbalons, Treppengeländer aus Fahrradteilen, rustikale Holzvertäfelungen und allerlei geschmiedetes, geschraubtes und genietetes Eisen auf. Da müßen wir rein !!!

DSC00342_1.JPG


Karren achtlos ohne Schlüssel abzuziehen stehen lassen und heinein in das seltsame Anwesen.
Das erste Wort was mir beim Anblick im Inneren in den Sinn schießt ist „Steampunk“!
Tische aus alten Radiatoren, Zahnrädern und dicken Eichenbohlen. Granit und Ziegelfußboden mit tollem Muster. Ein handgeschmiedeter Kamin, Stützpfeiler aus ganzen Baumstämmen. Jede Menge fremdartige Armaturen und Anzeigen mit großen Zeigern auf alten Zifferblättern an den Wänden die aber alle irgendeine Funktion zu haben scheinen. Wieder in Messing gefasste Glasbehälter mit farbigen Strudeln irgendeiner Flüssigkeit und samtbepolsterte Stühle aus alten Zahnrädern und Eisenstangen. Die schummrige Beleuchtung trägt sehr zur düsteren Gemütlichkeit bei. Na klar kommen wir aus dem staunen und schauen nicht mehr heraus. Wir bestellen Plinse mit Gulasch „outlaw style“ und was zu trinken. Przemek bekommt seinen Tee in einer fast viktorianisch anmutenden Kanne mit stilgleicher Tasse gereicht.
Während wir warten, geht Tomasz aufs Klo, kommt nach ner ganzen Weile wieder und meint: „Du MUßT auf dieses Klo gehen !!!! Ok wenn ich MUß … . Als ich drinnen bin und den beidhändig zu bedienenden äußerst robust gedengelten Eisenriegel an der Tür auf „Besetzt“ umlege, verstehe ich ihn.

DSC00344_1.JPG


In so einer Toilette war ich wirklich noch nie. Knallrote besamtete Wände, ein gusseiserner Radiator einer alten Dampfheizung, Wasserdruckmanometer, ein Hochspüler aus Gußeisen mit Glasbullauge zum Wasserstand prüfen und diese kleine orientalisch aussehende Dose an der Wand, aus der echt seltsame Töne dringen. Fühlt sich sehr nach nem barocken U-Boot an. Man ist hin und her gerissen zwischen sich gruseln und schierer Faszination. Gänsehaut garantiert.
Nach dem wirklich leckeren Mahl (ich zahle. 97 Zloty für alles.) bewundern wir noch ein bisschen die Außenanlage und machen uns schließlich zur letzten Etappe für heute auf. Przemeks XT braucht Sprit, also tanken wir alle noch. Er zahlt.. Es ist schon fast eine schöne Tradition geworden, daß jeder mal für alle zahlt. Völlig Wurscht, ob das nun auf den Groschen aufgeht, oder nicht und keiner fühlt sich ungerecht behandelt. Es rechnet auch keiner nach. Jeder tut halt dem anderen mal was gutes :-) .
Da es schon ganz schön schnell gen Finsternis geht, fahre ich mit meinem „BMW – Licht“ in der Mitte. Die Schleichwege, die wir benutzen, fühlen sich gut an. Viel Landschaft rundherum ist ja nicht mehr zu sehen. Nach heute 318 gefahrenen tollen Kilometern steuern wir gegen halb 10 in Sramowce Nizne einen Campingplatz nahe des Flusses Dunajec an.
„Bezahlen könnt ihr morgen.“ sagt die Chefin. Klasse ! Der Rest geht schnell. Zelte aufbauen: 5min, Sachen verstauen 5min. , mit zuhause telefonieren 15min. , warm duschen 10min. . Währenddessen ist das Lagerfeuer schon an. Es gibt Johannisbeerlikör von Przemek, Brot von Tomasz, Salami und Sherry von mir. Nun kommen wir zum gemütlichen Teil. Das dauert jetzt wieder länger :-) . Salami grillen, Geschichten erzählen, den Tag Revue passieren lassen und ein bis vier kleine Absacker für die Nacht. Als das Feuer runter gebrannt ist, verkrümeln wir uns in die Zelte. Noch paar Takte Massive Attack aufs Ohr und dann bin ich weg !
Du hast keine ausreichende Berechtigung, um die Dateianhänge dieses Beitrags anzusehen.
dirty old men need love too. - burt munro 1899-1978 -

Zurück zu „Tourentips, Unterkünfte, Sehenswürdigkeiten“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast