Tomasz, Bernde, AWO!… ein Ausflug an den Südrand von Polen

Wieder mal eine geile Strecke gefunden oder gut untergekommen? Und du willst es nicht für dich behalten? Dann hier rein damit!
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Bernde
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Tomasz, Bernde, AWO!… ein Ausflug an den Südrand von Polen

Beitragvon Bernde » Di 24. Jun 2014, 17:50

Hallo Leute habt ihr wieder Lust auf was zu lesen und bilders anzugucken?

Überraschung,Spaß und ... nein nicht schokolade... Praktizierte Völkerfreundschaft? ;;;;;;

Dann hätte ich hier was für euch.
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Bernde
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Re: Tomasz, Bernde, AWO!… ein Ausflug an den Südrand von Po

Beitragvon Bernde » Di 24. Jun 2014, 17:53

Vor ca. 3 Wochen erreichte mich eine PN mit der Frage, ob ich Lust auf einen Ausflug mit der AWO durch Südpolen habe. Tomasz hatte mich schon mehrmals in Danewitz eingeladen, ich mußte ihn jedoch leider immer mit dem selben doofen Grund ( Arbeit ) enttäuschen. Mann, ich wär so gerne schon voriges Jehr zum Treffen des polnischen AWO – Forums dabei gewesen... Zur Ehrenrettung der deutschen Awoisten hat es wenigstens einer dahin geschafft.. ;;;;;;

Dieses Jahr sollte es noch termintechnisch noch besch*****er werden.

Furx: mitten voll in der Heuernte, nicht die geringste Chance ( Steppe , deine tollen Bilder haben mir echt den Rest gegeben )
Lunzenau: Jugendweihe.
Danewitz: ein wirklich wichtiger 40ter Geburtstag eines wirklich guten Freundes

Ergo... nix AWO-treffen dieses Jahr. ;;;;

Anja, meine bessere Hälfte sah mir schon an, daß mir das zu schaffen machte. Ich erzählte ihr von Tomasz Einladung und SIE hatte gleich die Idee ich solle doch wenigstens dort mit fahren, wenn ich schon zu den anderen Terminen nicht hin könne.
In der selben Minute ging eine Email Richtung Nowy Tomys´l raus mit meiner Zusage. Wir freuten uns beide wie verrückt und die Vorbereitungen, jedoch auch das lange warten begannen.

Bei mir beschränkte es sich auf Öle wechseln, Ventilspiel kontrollieren, Dichtring am Kardan tauschen, Tacho wechseln und Schwinge abschmieren, sowie Schrauben kontrollieren und Werkzeug - / Emergency- Ersatzteilkiste packen.

Was durfte noch mit? Regensachen, Wechselsachen, AWO – Nicki , Kuscheldecke, wasserdichte Socken, Benzinkocher, Teekanne, Zelt, Schlafsack, Isomatte, 3l Wasser, AWO – Bibel, ein hornaltes (unglücklicherweise nur) Deutsch / Englisch Wörterbuch, Kartenmaterial, ne Plane, die magische Essenbox mit paar „essentials“ (IM NU, Tee, Zucker, Salz, Fishermans Friend, Kekse, 8x Red Bull, Instant Suppe)

Was wurde vergessen? Brot, Nudossi, Visacard.

!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! START !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

Wenn sich einer fragt, wozu Frohleichnahm gut ist, für den hab ich jetzt die Antwort. Na zur Völkerfreundschaft! Das wurde nur zum Feiertag erklärt, damit Tomasz und ich einen Tag länger unterwegs sein können :D

Er hat sich gestern (18.06. im Jahre des Herrn 2014) schon auf seine grüne Biene gesetzt und ist nach der Arbeit noch die 200 km bis Lesna geflogen, hat dort sein Zelt aufgeschlagen und wartet dort auf mich.
Meine Strecke bis dorthin beträgt nur 60 km, also starte ich nach dem Frühstück und tuckere Richtung Osten, wo die Sonne aufgeht.
Da die polnische Beschilderung stellenweise sehr sparsam ausfällt, verfahre ich mich gleich im dritten Dorf mehrmals und die vielen Leute, die auf der Straße wegen des Feiertags unterwegs sind, schauen belustigt, was der deutsche mit der alten Karre hier im Kreis fährt.
Bei schönem Wetter finde ich schließlich den Campingplatz nahe Lesna. Tomsasz ist auch schon wach. Eine fröhliche Begrüßung folgt und wir tauschen erstmal das Neueste aus. Zusammenpacken und weiter.
Als erstes steht eine Schlossbesichtigung an. Wir parken und lassen unsere Maschine samt Gepäck ohne anzuschließen dort stehen. Die Jacken geben wir dem Mädchen, das die Parkgebühren kassiert. Sie hat ein Auge drauf.
Schloss Czocha ist eine wunderschöne Anlage in privater Hand mit Hotel, Museum und Park. Wir besichtigen die Räumlichkeiten vom Folterkeller bis zur Turmspitze inklusive vieler Geheimgänge und dem Bett, das via versteckter Falltür - Mechanik ungeliebte Liebhaber in irgendein dunkles Loch fallen lassen kann. Tomasz übersetzt tapfer und ich bekomme viel mit.
Weiter führt uns die teilweise holprige Straße den Berg hinauf. Oben halten wir. Tomasz hat zwei Muttern der hinteren Kotflügelhalterung verloren. „Can you give me some nuts?“ Yes, I can! Schnell sind die Muttern ersetzt und wir stoßen mit Red Bull auf eine schöne Tour an..
In der Nähe der tschechischen Grenze bei dem kleinen Ort Czerniawa Zdroj steht die Teufelsmühle, eine komplett restaurierte Wassermühle mit einem ca 7m großen Wasserrad. Es ist eine Art Museum wo aber noch gemahlen und auch gebacken wird. Bevor wir eintreten streicheln wir noch den Löwenkopf an der Tür. Der beschützt uns vor dem besagten Teufel ! Nach einer kleinen lustigen und kostenlosen Führung, bei der sich alle vom Müller bis zu den 4 anderen Gästen sehr nett bemühen, damit ich soviel wie möglich verstehe, gibt’s lecker selbstgebackenes Brot mit auch selbstgemachtem Speckfett Gewürzen und Salz. Wer möchte, kann noch ein paar Münzen in die Sparkatze stecken.
In Swieradow Zdroj (die Bezeichnung Zdroj steht für Kurort) wird viel gebaut und wir irren ein wenig herum bis wir das imposante Gebäude entdecken, wo man Heilwasser aus einer Quelle trinken kann. Es gibt keine Parkplätze, nur Baustellen. Da winkt ein älterer Mann aus einer Baustelle heraus und schiebt uns schon begeistert von den AWO´s den Bauzaun zur Seite. Ein kurzes Gespräch mit Tomasz und er läßt uns hier parken. Wenn er schon mal da ist, um am Feiertag auf die Baumaschinen aufzupassen, schaut er gern mal mit auf unsere 2 alten Ladies. Wir holen uns für 1 Zloty das metallisch schmeckende Heilwasser und schauen uns die kunstvoll gestaltete hölzerne Dachkonstruktion an. Für Leute die sowas mögen (wie mich) ein Augenschmaus.
Dieses Land hält zum Teil recht gut versteckt viele architektonische und historisch sehr interessante Perlen parat. Man muß sich nur drauf einlassen und die Augen öffnen. Ich jedenfalls bin jetzt schon begeistert.
Draußen tausche ich fix noch ein paar Euros um und schon sind wir wieder unterwegs. Auf Straße 404, die recht gut ausgebaut ist und sich durch herrliche Landschaft schlängelt geht’s in Richtung Sklarska Poreba (weil das „e“ unten noch ein Häkchen hat und dahinter ein Mitlaut steht, wird Poreba wie Poremba gesprochen).
Nach einer scharfen Kurve halten wir plötzlich. Von hier hat man einen tollen Blick auf die Schneekoppe (Sniezka, über 1600m hoch), die hinter den anderen Bergen hervorragt. Nebenbei erklärt mir Tomasz, daß diese Kurve weithin als „Todeskurve“ bekannt ist, weil bei Autorennen wohl noch vor dem Krieg hier ein paar zu schnelle Kerle ihr Leben lassen mußten.
Durch die Stadt hindurch geht es reibungslos, obwohl viel Feiertagsverkehr ist. An einem Parkplatz mit Marktständen kaufe ich ein paar Kleinigkeiten für die Kinder zuhause. Tomasz kauft Preiselbeermarmelade und empfiehlt mir „Oscypki“, einen traditionellen Schafskäse der nach Rauch und salzig schmeckt. Ob er wirklich geräuchert ist, hab ich nicht verstanden. Er ist sicher nicht jedermanns Sache und meine Frau sagt er habe einen Abgang wie mein 10 Jahre alter Laphroaig. Gerade deshalb mag ich ihn sehr und lokale Spezialitäten probieren, das sollte sich niemand entgehen lassen.
An dem klaren Gebirgsbach dem die Straße folgt, waschen wir uns genießen das Rauschen und den kühlenden Schatten.
Entlang des Nationalparks Riesengebirge tuckern wir hoch nach Karpacz; die Touristenhochburg hier. Viele Leute schönes Wetter und die Schneekoppe ganz nahe.
Zeit für ein spätes Mittagessen. Wir parken vor der Gaststätte, lassen Helm und alles am Lenker hängen und bestellen … na klar regional typisch... Piroggen mit Fleisch drin und Plinse mit Goulasch. Während wir auf Englisch über Gott und die Welt labern, interessieren sich geschätzte 50 Passanten für unsere Böcke und stellt euch vor, keiner macht auch nur Anstalten etwas mitnehmen zu wollen. Scheißt aufs Clischee und glaubt auch mal an das Gute im Menschen.
Das Essen ist absolut wohlschmeckend und braucht im Gegensatz zur Bestellung in einem „germanischen“ Restaurant nur eine angenehm knappe viertel Stunde bis auf unseren Tisch. Mit umgerechnet ungefähr 17,50 € für beide Gerichte inkl. Kaffee und Cola kommen wir sehr gut gesättigt und außerordentlich preiswert davon.
Die letzten Kilometer für heute führen uns über eine Umleitung durch Kowary und die Straße 369 mit immer wieder tollen Aussichten zu den Bergen zu einem schön an einem Stausee gelegenen Campingplatz bei Paprotki.
Wir haben freie Platzwahl und finden ein windgeschütztes Stück Wiese mit Feuerstelle und Unterkunft für die Motorräder. Das haben sie sich auch verdient, denn sie haben uns ohne Ausfälle über die guten wie auch die schlechten Straßen getragen und auch das ein oder andere unverhoffte Schlagloch klaglos weg gesteckt.
Schnell sind die Zelte aufgeschlagen, das Lagerfeuer entfacht und der Teekessel brodelt schon. Bei lecker Tee, Bierchen für Tomasz, Met für mich und gegrillter Salami mit Brot vergehen für uns beide unerwartet schnell die Stunden am Feuer. Weit nach elf ist der dreiviertel Liter Met leer, das Bier ausgetrunken und wir beschließen uns zur Nacht zu betten. Aber vorher noch das Feuer auspinkeln. Brandschutz ist Ehrensache !
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Micha
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Re: Tomasz, Bernde, AWO!… ein Ausflug an den Südrand von Po

Beitragvon Micha » Di 24. Jun 2014, 19:23

jetzt fängt das wieder an ... ;;;;
;-) warten auf den nächsten Text!!
Romy, hol schon mal Deine heiligen worte raus! ;-) :lol:
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Sport-Lu
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Re: Tomasz, Bernde, AWO!… ein Ausflug an den Südrand von Po

Beitragvon Sport-Lu » Di 24. Jun 2014, 21:06

Genial Bernde,mach mal schnell das nächste Kapitel fertig.Immer wieder schön zu lesen. :D
Wann ist eigentlich das polnische AWO-Treffen?

Gruss Jörn! :mrgreen:
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Re: Tomasz, Bernde, AWO!… ein Ausflug an den Südrand von Po

Beitragvon Bernde » Di 24. Jun 2014, 21:48

und noch die bilders dazu. :D
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Re: Tomasz, Bernde, AWO!… ein Ausflug an den Südrand von Po

Beitragvon Tomasz » Mi 25. Jun 2014, 08:55

Sport-Lu hat geschrieben:Wann ist eigentlich das polnische AWO-Treffen?

Gruss Jörn! :mrgreen:


Bild

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VG tomasz
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Re: Tomasz, Bernde, AWO!… ein Ausflug an den Südrand von Po

Beitragvon Sport-Lu » Mi 25. Jun 2014, 10:45

Tomasz hat geschrieben:
Sport-Lu hat geschrieben:Wann ist eigentlich das polnische AWO-Treffen?

Gruss Jörn! :mrgreen:


Bild

City name: Małe Swornegacie not Swornegacie

VG tomasz



Danke Tomasz!Das ist mein letztes Urlaubswochenende,das wird nix.Sind gut 800km von mir aus.Vielleicht nächstes Jahr.Ich werde wohl dieses Jahr mal mit meiner Guzzi nach Polen und CZ fahren.

Gruss Jörn! :mrgreen:
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Re: Tomasz, Bernde, AWO!… ein Ausflug an den Südrand von Po

Beitragvon Bernde » Do 26. Jun 2014, 14:43

Noch schnell den zweiten tag für euch , vielleicht als einstimmung auf die bevorstehenden Kilometer nach Danewitz oder zur überbrückung damit die zeit schneller rum geht bis dahin.

20.06.2014

Dzien dobry.
Eine sehr ruhige Nacht hinter mir lassend, schaue ich gegen 7 aus dem Zelt. Noch keiner wach, außer ein Hund der mit seinem Herrchen gassi geht. Erstmal duschen. Es gibt warmes Wasser rund um die Uhr, saubere Sanitäranlagen und Trinkwasser überall auf dem Platz zur freien Verfügung.
Tomasz schläft noch. Ich machs mir an der Feuerstelle mit heißem IM NU und dem Wörterbuch gemütlich. Die Wolken fliegen tief. Michal (hinten das l wird mit nem kleinen Schrägstrich geschrieben, gesprochen: Mihau !), ein Kollege aus dem polnischen AWO-Forum, der auch immer mit in Danewitz ist, hat gestern mehrmals angerufen , ob alles ok ist und die Wettervorhersage durchgegeben. Er wünscht uns auch immer viel Glück und läßt den „niemiecki kolega” schön grüßen. Find ich toll.
Es soll Regen geben, aber noch ist alles trocken. Als Tomasz aus den Federn kommt, gibts erstmal einen frisch aufgebrühten türkischen Kaffee. Ganz in Ruhe schlürfen wir unsere Getränke, teilen uns einen Apfel, futtern Preiselbeermarmeladeschnitten und planen den Tag.
paprotki camping_03.jpg

Tomasz zeigt mir auch seine rationelle Art Gepäckvolumen zu sparen, in dem er von jedem Teil nur 2 Paare mit nimmt, von denen er ein Paar an hat. Das andere wird wenn nötig gewaschen und dann oben unter das Gepäcknetz geschnallt und kann an der Luft trocknen. Smart guys, these polish people !!! Eine super Idee und sieht auch noch lustig aus, wenn die Socken und Schlüppis hinten rum flattern. (Tatsächlich sind die Sachen trotz Regenschauern abends fast trocken.)
Zelte abbauen, Sachen verstauen und schon kommen die ersten Regentropfen. Schnell räumen wir die Zelte unter das Dach. Es hört (scheinbar) wieder auf und wir tuckern los. 5 m außerhalb des Camps fängt es an zu schütten. Stop, „Kondome” überziehen, weiter.
Der Weg führt über Lubawka Richtung tschechische Grenze. Laut Karte ist dort eine Straße. Laut Realität erfahren wir rückwärtsgerichtete Evolution beim Belag unter unseren Rädern. Recht bald wird der Asphalt zu lochhaltigem Asphalt, dann zu asphalthaltigen Löchern... und nachdem der Asphalt ganz den Löchern gewichen ist, geht die Straße in Feldweg über. Wir scherzen noch, das wäre eine gute Übung, wenn wir mal nach Rußland fahren wollten (Lektion: Schlagloch umfahren ). Einige wenige km weiter dann ein Sperrschild. Irgendwas mit Uwaga, Grenze und Durchfahrt verboten. Hmmm, das stört ja erstmal keinen großen Geist. Ein Haus steht ja da. Dort fragt Tomek einen alten Mann, der meint: „Ja es ist gesperrt, aber mit Motorrad könnt ihr durch!”.
Lets give it a try.
border1.jpg

Der Feldweg geht in Waldweg über, um uns herum Wald, Vogelgezwitscher und etwas entfernter Motorsägengejaule. Plötzlich der Schlagbaum. Ok, mit dem Motorrad kann man durch den 1m Durchgang zwischen Steinmauer und Schranke hinüber auf die andere Seite, aber mit Seitenwagen? … Naja, erstmal pinkeln … und nachdenken...
Wenn wir schon illegal in die Tschechei eindringen, dann zünftig. Tomasz hat die zündende Idee. Den Beiwagen hoch heben. Könnte funktionieren. Ich fahre ganz dicht an die Steinmauer ran, Tomasz hebt ihn hoch und wir schieben uns mit mehrmaligem stecken bleiben und fast senkrecht stehendem Gespann durch das Nadelöhr. Am Gepäckträger fehlen noch 5cm. Mit vereinten deutsch-polnischen Kräften hiefen wir die Karre noch ein Stück gen Mauer... und sind durch. Holla, die Waldfee! Das war knapp, aber cool :-)
border2.jpg


(Die AngstHassTittenWetterbericht-Zeitung :twisted: würde dazu schreiben: Ein zu fetter Deutscher und ein findiger Pole brechen unter Aufbietung gebündelter Mitteleuropäischer Kräfte mit uralten Fahrzeugen eines nicht mehr existierenden Landes unter wiedrigsten Umständen durch die tschechische Grenze.)

...
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Re: Tomasz, Bernde, AWO!… ein Ausflug an den Südrand von Po

Beitragvon Bernde » Do 26. Jun 2014, 15:42

Weiter gehts durch die vernieselte tschechische Republik Richtung Broumov, Bier holen! ... direkt in der Brauerei … mit gleichzeitiger Besichtigung. Der Weg dorthin gestaltet sich jedoch durch gesperrte Straßen und verwirrende Straßenschilder recht schwierig. Wir denken, das passiert uns noch häufiger und erfinden den Standardsatz für solche Fälle: „We get lost.” (Wir gehen verloren.)
Piotr, ein guter Kollege aus dem polnischen AWO-Forum und Admin des polnischen Isch-Forums hat es sich trotz Family und Regen nicht nehmen lassen und über 100 km Anreise bis zur Brauerei zurückgelegt, nur um uns ein Stückchen zu begleiten und die deutsch-polnische Freundschaft zu vertiefen. Dafür gibts von mir das Prädikat „besonders wertvoll”. Er ist ein sehr netter Typ, kann super englisch und seine Isch (russischer 350er DKW Lizenzbau mit 11 horsepower) hat selbst mit über 40000 km seit der letzten Motorüberholung ein Standgas wovon viele Awotreiber (auch ich) nur träumen können.
Wir kommen an und begrüßen uns schnell, denn schon geht die Führung los. Ein zwei Sätze mit dem Guide und wir dürfen mit . Bezahlen? Ach später!
Broumov.jpg

Von der Trockenhalle über die Abfüllanlage bis hin zu riesigen Bierreifefässern
Broumov2.jpg

im Keller klettern wir durch das ganze Gebäude. Tomasz übersetzt wieder. Super!

Am Ende gibts für die ganze Truppe noch kostenlos alte Motorräder (unsere) anschauen. Als wir nachzahlen wollen winkt der Führer nur ab und lächelt. Da kommen wir ja wieder gut weg, vielleicht Oldtimerbonus. Děkuji pěkně!

So starten wir, nun zu dritt, wieder in Richtung polnische Grenze. Ganz unverhofft kommt mein Reserve Kanister zum Einstz als Piotr wegen Benzinmangel stehen bleibt. Ich hatte ja Zweifel, den Kanister überhaupt mit zu nehmen, aber nun hat es doch sein Gutes.
otovice_02_1.jpg
In Otovice, knapp 5 km vor der „Grenze” kehren wir zum Mittagessen ein. „Hier, so nahe an der Grenzlinie kann man auch mit Zloty zahlen.”, werden meine Bedenken bezüglich der Währung zerstreut.
Wir bestellen Bohnensuppe und Knödel mit Fleisch. Nach 1 Minute sind die Getränke nach 2 Minuten die Suppe auf dem Tisch. Kaum ist die Suppe aufgegessen, stehen die lecker duftenden Knödel auf dem Tisch. Ich bin ehrlich begeistert wie schnell das hier geht und wie lecker es schmeckt. Daß es obendrein noch sehr preiswert ist, muß ich wohl nicht extra erwähnen.
Frisch gestärkt fahren wir weiter, kehren jedoch nach 50m wieder um, weil Tomasz seinen Nierengurt verloren hat. Da wir ihn nicht mehr finden können, borge ich meinen. Das macht man so unter Kollegen!
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Re: Tomasz, Bernde, AWO!… ein Ausflug an den Südrand von Po

Beitragvon Bernde » Do 26. Jun 2014, 15:48

Wir rollen, Piotr mit Zweitaktduft voran, über geschwungene Landstraßen durch Nova Ruda unserem nächsten Ziel entgegen: Srebrna Gora im Eulengebirge. Wir fahren auch durch Woliborz, den Ort, wo voriges Jahr das polnische Forumstreffen stattfand.
Immerzu muß ich an meine Kindheit zu DDR-Zeiten denken, wenn wir nem Trabbi hinterher fuhren ;-).
Zwischenzeitlich treffen wir immer mal wieder Horden von Motorradfahrern. Wir sagen scherzhaft „Big-Bad-Japanese-Chrome-Harley- oder -Bi Em Dabliu-Choppers. :D Jaja, ist politisch nicht ganz korrekt aber lustig!
Ort unserer Begierde ist die Festung Silberberg.
donjon_01_1.jpg
Es ist Europas größte Anlage dieser Art und wurde, wie mir die Jungs berichten, von Friedrich II. in Auftrag gegeben. Auch wurde sie nie eingenommen. Zu Hoch-Zeiten waren hier bis zu 6000 Soldaten samt Familien stationiert, für die extra Häuser unten in der Stadt gebaut wurden. Alle 90 Tage wurde die ganze Mannschaft ausgewechselt. Länger konnte man die Soldaten nicht den kalten, feuchten Gemäuern aussetzen ohne daß sie krank wurden.
Selbstbewußt biegt Piotr, die unübersehbaren Sperrschilder ignorierend links in einen steil ansteigenden Weg ein. Wir folgen ihm und tuckern die Serpentinen hoch. Es kommen uns mittelalterlich gekleidete Edeldamen und Ritter in Rüstungen entgegen. Vielleicht doch eine Zeitreise ?
Donjon1.jpg

Direkt vor den Toren der Festungsruine parken wir. Früher war die Besichtigung umsonst, heute muß man bezahlen, es sei denn, man hat Tomasz dabei, der es irgendwie schafft, den Wachhabenden zu überreden, uns kostenlos hinein zu lassen. Dann verschwindet er kurz, um nach einem Freund zu sehen, der hier arbeitet, und den er schon Jahre nicht mehr gesehen hat.
Piotr und ich nehmen schon mal einen Rundblick. Bei schönem Wetter genießt man von hier aus ein 360° Panorama, das sich sehen lassen kann.
Donjo2.jpg
Erst nach vielen, vielen km verliert das Auge im Dunst die Orientierung. Nach Süden hin kann man die Bergkuppen des Eulen – und des Wartagebirges sowie die höheren Gipfel des dahinter gelegenen Schneegebirges sehen. Alle Gebirgszüge hier gehören zur Kette der Sudeten, die sich vom Altvatergebirge im Südosten übers Riesengebirge bis weit in die Oberlausitz hinein erstreckt und weiter südostlich durch die zu den Karpaten gehörende Tatra abgelöst wird. Nördlich hingegen fallen die Berge recht steil ab und gehen in eine flache Ebene mit Feldern und kleinen Ortschaften über.
Ein wunderschönes Fleckchen Erde, das mir die Zwei hier zeigen und das sicher mehr als nur eine Reise wert ist!
Tomasz schließt wieder zu uns auf und meint, er habe seinen Freund nicht treffen können. Ein Oger und eine ebenso bärbeißig dreinblickende Ogerfrau mit Schwertern hätten ihm mit den Worten „DU KANNST NICHT VORBEI !” den Weg versperrt.
Wir lachen alle drei herzlich, Tomasz besteht aber darauf die Wahrheit zu sagen.
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